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Wärmepumpen: Diese Möglichkeiten gibt es im Altbau

Klimaschutz : Wärmepumpen: Diese Möglichkeiten gibt es im Altbau

Die Zunahme extremer Wetterphänomene in den vergangenen Jahren hat die Klimaschutzdebatte angeheizt. Wie gut ist das Land auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet und lassen sich diese abmildern?

Am 24. Juni 2021 hat der Bundestag einer von der Regierungskoalition vorgeschlagenen Verschärfung des Klimaschutzgesetzes zugestimmt. Laut jener soll Deutschland die Klimaneutralität fünf Jahre früher erreichen, als ursprünglich geplant. Die Abkehr von fossilen Brennstoffen ist hierbei ein wichtiger Schritt, so unter anderem beim Heizen. Emissionsarme Systeme wie Wärmepumpen sollen fortan Kohle, Öl und Gas ersetzen. Nicht nur in Neubauten, sondern auch im Altbau.

Trotz CO2-Steuer: Zögerliche Abkehr von Öl- und Gasheizungen

Seit Anfang dieses Jahres erhebt die Bundesregierung aufs Heizen mit fossilen Brennstoffen eine CO2-Abgabe – 25 Euro pro Tonne emittiertem CO2. Bis 2025 wird die Steuer in Jahresschritten auf 50 Euro angehoben. Die Abgabe soll Eigenheimbesitzer zum Austausch alter Heizungen bewegen.

In diesem Kontext hat der Umstieg auf Wärmepumpen an Bedeutung gewonnen, welche die natürliche Umgebungswärme zur Wärmegewinnung nutzen. Luft, Wasser oder Erde dienen den Systemen als Wärmespender. Dank der hohen Effizienz verursachen Wärmepumpen lediglich geringe Heizkosten und lassen sich kostengünstiger betreiben als alle anderen Heizsysteme.

In jedem dritten Neubau sind die umweltfreundlichen Heizungen mittlerweile Standard. Am beliebtesten sind Arten, die zur Wärmegewinnung Umgebungsluft nutzen. Etwas anders sieht es im Altbau aus. Hier erfolgt der Umstieg noch immer zögerlich. Das muss sich angesichts des verschärften Klimaschutzgesetzes bessern, meinen Experten. Möglichkeiten bieten die unterschiedlichen Wärmepumpearten eigentlich genug.

Basics zur Wärmepumpe: Angetrieben werden die emissionsarmen Heizungen mit Strom, haben aber mit Elektroheizungen nur wenig gemein. Die gewonnene Wärme besteht nur zu etwa einem Viertel aus elektrischer Energie. Der Strom dient nicht direkt zur Wärmeerzeugung, stattdessen wird damit eher Wärme aus der Umgebung gewonnen. Mit einem Ökostromanbieter oder einer Solaranlage heizt man so komplett CO2-neutral.

So unterscheiden sich die Systeme

Unterschiedliche Wärmepumpenarten kommen zum Heizen im Altbau in Frage. Alle davon haben Vor- und Nachteile und unterscheiden sich wohl hinsichtlich des Wärmegewinnungsorts als auch der Wärmeweitergabe. Als vier Hauptsorten gelten:

  • Luft-Luft-Wärmepumpen, die die Abwärme der Lüftung zum Heizen nutzen. Vorteil: günstig. Nachteil: eigentlich für Passivhäuser vorgesehen.
  • Luft-Wasser-Wärmepumpen, die der Umgebungsluft Wärme entziehen. Vorteil: überall einsetzbar. Nachteil: verglichen mit Alternativen weniger effizient.
  • Sole-Wasser-Wärmepumpen, die Heizenergie aus dem Erdreich beziehen. Vorteil: hocheffizient. Nachteil: teuer wegen genehmigungspflichtiger Sondenbohrung.
  • Wasser-Wasser-Wärmepumpen, die mit einem Wasserreservoir betrieben werden. Vorteil: günstig und effizient. Nachteil: erfordern Bohrung und müssen mit anderer Heizung kombiniert werden.

Diese Faktoren beeinflussen den Einbau von Wärmepumpen im Altbau

Im Altbau kommen bevorzugt Luft- oder Sole-Wasser-Wärmepumpen zum Einsatz. Wie lohnenswert die Systeme sind, entscheidet eine multifaktorielle Bestandsaufnahme. Beachtenswert sind vor allem:

  • Heizlast: Bei Lasten größer als 16 Kilowatt kommen nur Wärmepumpen mit hoher Leistung in Frage. Um den wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen, ist wegen des hohen Strombedarfs die Kombination mit Solaranlagen sinnvoll.
  • Dämmstandard: Bei unbekannter Heizlast liefert der Dämmstandard Hinweise. Je besser das Haus isoliert ist, desto geringer der Wärmeverlust und desto wirtschaftlicher die Wärmepumpe.
  • Bisheriges Heizsystem: In Kombination mit einer Flächenheizung (Fußboden- oder Wandheizung) sind Wärmepumpen am effizientesten. Die Pumpe muss dadurch weniger Leistung erbringen. In Kombination mit Radiatoren sollten die vorhandenen Heizkörper auf die Vereinbarkeit mit Wärmepumpen getestet werden.
  • Alter der Heizanlage: Bei noch intakter Anlage kommen bivalente Systeme in Frage. Die konventionelle Heizung nutzt man bei hohem Heizbedarf im Winter, die Wärmepumpe ab der Übergangszeit.
  • Platzangebot: Bei Erd- und Grundwasserwärmepumpen reicht der Platz im Altbau oft nicht aus. Anders als bei jenen Modellen fallen bei kompakten Luft-Wasser-Wärmepumpen keine Erdarbeiten an.

Anschaffungskosten amortisieren sich auch im Altbau

Gerade im Altbau gewichten viele Eigenheimbesitzer die hohen Anschaffungskosten als größten Nachteil der Wärmepumpe. Inklusive Einbau fallen je nach Bauart bei einem Einfamilienhaus mit vier Personen im Neubau teils mehr als 15.000 Euro an, in Altbauten bis zu 30.000 Euro.

Bei einer derartigen Investition gilt die Aussicht auf wirtschaftliche Amortisation als größter Ansporn für den Umstieg. Weil Wärmepumpen mit niedrigen Betriebskosten punkten, amortisieren sie sich meist schon nach einigen Jahren. Auch die Aussicht auf Förderleistungen erleichtert die Entscheidung für die Systeme. 2021 wurde die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) angehoben.

Neben neuen Boni zur Sanierung im Altbau gibt es für Wärmepumpen nun einen Zuschuss von bis zu 50 Prozent (maximal 30.000 Euro). Wer in Altbauten an die Installation denkt, saniert am besten vorab. Dadurch amortisieren sich die Kosten der Heizsysteme deutlich schneller.

Grundlegendes zur Antragstellung auf Förderung: Seit 2021 reicht eine Antragstellung für alle gewünschten Maßnahmen aus. Auch hinsichtlich der Fachplanung und Baubegleitung kann man Förderungen beantragen. Vorsicht: Bei Wärmepumpen muss der Förderantrag vor Baubeginn dem BAFA oder der KfW vorliegen.