1. Leben
  2. Bauen und Wohnen

Oldenburg: Vom Kellerloch zum Schmuckstück: Die Souterrain-Wohnung einrichten

Oldenburg : Vom Kellerloch zum Schmuckstück: Die Souterrain-Wohnung einrichten

Souterrain-Wohnungen gehören nicht zu den attraktivsten Immobilien. Sie haben häufig kleine Fenster und niedrige Decken. Wenig Tageslicht erhellt die Räume. Doch in vielen Städten ist Wohnraum knapp und teuer - da kann das Domizil im Souterrain durchaus zur bezahlbaren Option werden. Die gute Nachricht: „Mit einigem Aufwand ist es möglich, auch aus einer solchen Wohnung ein Schmuckstück zu machen”, sagt die Inneneinrichterin Katharina Semling aus Oldenburg.

Die Diplom-Designerin hat erst kürzlich eine Musterwohnung im Souterrain eingerichtet und kennt die Herausforderungen, denen man im Halbkeller-Geschoss begegnet. „In Souterrain-Räumen waren früher die Küche und die Wirtschaftsräume untergebracht”, erläutert Semling das in ihren Augen größte Problem. „Es wurde gekocht, Lebensmittel eingelagert - aber ursprünglich nie gewohnt.” Daraus ergebe sich der niedrige Komfort in Form von zu kleinen Fenstern und fußkalten Böden.

Das vorhandene Licht gut zu nutzen, sei die wichtigste Maxime beim Einrichten einer Souterrain-Wohnung, findet die Architektin Janin Pröpper aus Hannover. „Vor dem Fenster Büsche zu pflanzen oder innen dicke Vorhänge anzubringen, ist absolut kontraproduktiv”, sagt sie. Anstatt Gardinen sollte man nur Plissees verwenden und leichte, dekorative Schals an den Seiten aufhängen, empfiehlt Semling. Manchmal könnten auch geschickt angebrachte Spiegel die „Brutto-Sonnenausbeute” enorm verbessern. Sie reflektieren das Sonnenlicht vom Fenster in die Tiefe der Räume.

Pröpper rät, die Wände in hellen Tönen wie leuchtendem Gelb oder Weiß zu streichen. „Wer dann noch ein oder zwei Flächen in eine knallige Farbe taucht, kann damit Akzente setzen”, erklärt sie. Pastellfarben seien nicht sinnvoll, da diese in den dunklen Räumen gar nicht wahrgenommen werden und die Wand eher schmuddelig aussehe.

Die Tür und Fensterlaibungen sollte man weiß streichen, sagt Semling. „Das wirkt wie ein Strahlenkranz.” Für die Wände empfiehlt auch sie ein Sonnengelb. Allerdings sei es wichtig, auf einen hohen Orange-Anteil in der Farbe achten. „Zu oft sehe ich Gelbtöne in Wohnungen, die sonnig gemeint waren, aber giftig-kalt wirken, weil der Grünanteil zu hoch war”, warnt die Wohnexpertin.

Beim Fußbodenbelag sei es ratsam, auf dunkle Töne zu verzichten, sagt Ursula Geismann, Wohnexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef bei Bonn. Besser seien Laminat, helle Dielen oder Teppiche in freundlichen Farben. Diese können dazu beitragen, das wenige hereinströmende Licht zu reflektieren. Zusätzlich sei es aber unverzichtbar, die Souterrain-Wohnung gut auszuleuchten. „Am besten mit möglichst vielen Lichtquellen”, sagt sie. Dazu seien beispielsweise LED-Lampen gut geeignet, da diese wenig Strom verbrauchten.

Pröpper rät zu Flutern, die nach oben leuchten, so dass die Helligkeit reflektiert werde. „Die Decke soll zum Lichtkörper werden”, erklärt die Architektin. Sie empfiehlt viele kleine Lichtinseln zu gestalten, die sich gegenseitig ergänzen. Außerdem könnten Möbel indirekt beleuchtet werden. Ein besonderer Clou sei es, Lichtwände als Raumtrenner zu verwenden. So könne man beispielsweise Wohn- und Essbereich durch eine hüfthohe Rigipswand abgrenzen, die von innen beleuchtet und mit Stoff bezogen sei.

Möbel sollten in einer Souterrain-Wohnung aufgrund der oft niedrigen Decke die Vertikale betonen, sagt Inneneinrichterin Semling. Dazu sei alles geeignet, was entweder schmal und hoch oder besonders niedrig ist. „Die optische Täuschung muss unterstützt werden”, sagt Semling. Bei eher flachen Möbeln sei der Abstand zur Decke größer, somit wirke diese höher. Sehr schlanke, eher hohe Möbel bieten einen Ausgleich zu der starken Horizontalen des Raumes. Geismann rät zu Side- oder Lowboards unter den hoch angesetzten Fenstern. So verschenke man die Wand darunter nicht. „Die Einrichtungsgegenstände vor den Fenstern dürfen aber auf keinen Fall so hoch sein, dass sie Schatten werfen”, erläutert sie.

Die Möbel sollten helle Töne haben. „Schwarze Ledersofas wirken sehr gedrungen. Lieber wählt man Stücke in Weiß oder aus Holz - wie beispielsweise Eiche, Ahorn oder Buche”, sagt Geismann. Die Polsterbezüge sollten nicht zu große Muster haben. Riesige florale oder Zickzack-Ornamente wirkten schnell erschlagend.

Semling findet, dass man den „Kellercharme”, den die Wohnungen vor der Renovierung noch hätten, positiv nutzen sollte. „Was man nicht ändern kann, muss man eben einbinden”, ist ihre Divise. Befinden sich unter der Decke sichtbare Rohre, streiche man diese einfach weiß. An den Wänden dürfe der Backstein herausschauen. Das industrielle Flair könne durch alte Spinte, Seekisten, grobe Strickdecken auf dem Sofa oder Holzbohlen unterstützt werden.

Ein großer Nachteil von Souterrain-Wohnungen sei der häufig kalte Boden. Das liege daran, dass unter den Räumen meist das Erdreich beginne. Dagegen hilft laut Semling nur eines: „Dämmen, dämmen, dämmen”. Da es sich ohnehin empfehle, den Boden auszuheben, um etwas mehr Höhe zu gewinnen, könne man direkt eine ordentliche Dämmung einbringen. Hier spiele allerdings auch das finanzielle Budget eine Rolle, da eine sogenannte Auskofferung des Bodens extrem kostspielig sei. „Prima ist eine Fußbodenheizung”, sagt Semling. Dicke Holzdielen und Kork seien gleichzeitig ein gutes Schutz gegen Kälte.

Wer sich nicht nur um die Raumtemperatur, sondern auch um seine Sicherheit in den Wohnungen auf Straßenhöhe sorgt, dem rät Geismann zu einem guten Schloss und gesicherten Fensterscheiben. „Sicherheitsglas oder Dreifachverglasung bietet sich hier an.” Auch Schimmel ist ein Problem in Souterrain-Wohnungen. Deshalb müsse man auf sein Lüftungsverhalten achten, sagt Semling. „Im Sommer, wenn es draußen wärmer als drinnen ist, sollte man die Fenster geschlossen halten.” Denn Feuchtigkeit lagere sich immer an den kältesten Stellen ab.

Und es sei ratsam, regelmäßig stoßzulüften sowie Kältebrücken in der Wohnung zu vermeiden. Die Wäsche trockne man besser draußen oder in einem Trockner. Und wer nicht regelmäßig zu Hause ist und lüften kann, dem sagt Semling: „Notfalls können auch Luftentfeuchter helfen.”

(dpa)