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Frankfurt/Main: Vermeiden, verstecken, verschönern: Schluss mit dem Kabelsalat

Frankfurt/Main : Vermeiden, verstecken, verschönern: Schluss mit dem Kabelsalat

Sie sind überall. Und sie sind hässlich. Unter dem Schreibtisch bilden die Kabel von Telefon, Computer, Monitor, Router, Drucker und der Leuchte ein unübersichtliches, verstaubtes Knäuel. Sie ziehen sich deutlich sichtbar von Fernseher, DVD-Player und Stereoanlage an der weißen Wand zu einer Steckdose. Und das Kabel zur Stehlampe mitten im Raum ist eine Stolperfalle. Kurzum: Kabel sind unvermeidlich, aber sie sind immer im Weg, unansehnlich, unpraktisch und sogar gefährlich. Doch es gibt Möglichkeiten, sie zu verstecken.

- Planen: Am effektivsten lässt sich Kabelsalat durch eine gründliche Planung vermeiden: Wer beim Neubau oder der Sanierung eines Altbaus einen genauen Plan hat, wo welche elektrischen Geräte mit welcher Leistung genutzt werden, kann seine Anschlüsse entsprechend gut verteilen. Wie viele Steckdosen, Schalter und Lichtauslässe in Wohnräumen mindestens erforderlich sind, das regelt sogar eine Norm, die DIN 18015-2. Ergänzend werden in der Richtlinie RAL-RG 678 abhängig von der individuellen Nutzung der Elektrik weitere Ausstattungsmerkmale definiert.

Laien rät Jürgen Ripperger vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) in Frankfurt am Main: „Eine umfassende Planung sollte man erstens mit Hilfe einer Elektrofachfirma und zweitens mit Weitblick in Angriff nehmen.” Denn in Zukunft wird die Zahl der Elektrogeräte im Haushalt sicher noch wachsen, und Technik sich auch verändern.

Mit Hilfe von Installationsrohren ist man dafür gerüstet. „Die biegsamen, leeren Rohre werden in der Wand, der Decke oder dem Fußboden verlegt und verputzt”, erläutert Hartmut Zander, Projektleiter der Initiative Elektro+ in Berlin. „Später können dann beliebig Leitungen eingezogen werden, ohne dass die Wände aufgeklopft werden müssen.

Auch für ausreichend Steckdosen sollte gesorgt sein. Denn Mehrfachsteckdosen halten nur einer gewissen Belastung stand, der Stromverbrauch der angeschlossenen Geräte addiert sich. „Die Leistung eines Elektrogerätes ist meist auf dem Typenschild beziffert. Auf der Mehrfachsteckdose findet sich die zulässige Höchstbelastung”, erläutert VDE-Experte Ripperger. Und: „Mehrfachsteckdosen dürfen nicht hintereinander gesteckt werden”, ergänzt Zander. „Dafür sind ihre Leiterquerschnitte nicht ausgelegt.” Die Provisorien überlasten leicht, Sicherungen springen heraus, im schlimmsten Fall können Schwellbrände entstehen.

- Verzichten: Leitungsführungen zu verändern, Steckdosen nachzurüsten oder Leerrohre nachträglich zu verlegen - das ist teuer und aufwendig. Aber bei genauerem Hinschauen zeigt sich oft: Manch ein Kabel ist verzichtbar geworden. Beim Telefon, dem Internetanschluss und der Musikanlage lassen sich drahtlose Übertragungen nutzen.

- Verstecken: Hinter Wohnwänden und Schränken sind Kabel unsichtbar. Ein Fach im Regal lässt sich zur Kabelführung nutzen, eine Schiebetür davor bietet Sichtschutz. Aber in den meisten neuen Multimedia- und Büromöbeln sind schon Fächer und Auslässe vorgesehen.

Auch Fußleisten eignen sich hervorragend als Kabelverstecke. Gibt es zwischen Bodenbelag und Wand eine schmale Fuge, dann passt ein einzelnes Kabel wie das der Lautsprecherbox hinein, die Fußleiste kommt darüber, fertig. Spezielle Fußleisten sind mit Hohlräumen oder Schlitzen für eine oder mehrere Leitungen ausgestattet. „Hier muss man beim Verlegen darauf achten, dass die Stöße und die Ausgänge nicht durch Möbel zugestellt werden”, sagt Mareike Hermann von der Heimwerkerschule DIY-Academy in Köln.

Zudem findet sich in Baumärkten und im Elektrofachhandel eine Vielzahl an Hilfsmittel. Da sind zunächst Kabelkanäle und Schachtsysteme. Sie bestehen in der Regel aus zwei Teilen. „Eine meist u-förmige Führungsschiene aus Aluminium oder auch Kunststoff wird an der Wand befestigt, die Kabel werden angeklippt und mit einer zweiten Schiene abgedeckt”, beschreibt Hermann. Diese Systeme führen unauffällig auf oder an der Fußleiste entlang und dann senkrecht zum Elektrogerät.

Vor allem im Büro sind flexible Lösungen gefragt. „Dort werden gerne mehrgliederige, bewegliche Kabelkanäle verwendet”, berichtet Zander. „Darin werden die Leitungen von der Steckdose bis zum Gerät zusammengefasst.” Praktisch sind längs geschlitzte Kanäle. Es gibt auch Schläuche aus Netzgewebe mit Klett- oder Reißverschluss. Klemmen oder zweiseitiges Klebeband fixieren sie beispielsweise am Bein oder der Rückseite des Schreibtisches.

- Schmücken: Kabelschächte und -kanäle sind in unterschiedlichen Farben zu haben. Viele Produkte können überstrichen werden, so dass sie kaum ins Auge fallen. „Es gibt aber auch den Trend, gezielt mit Kabelschächten und Kabeln zu gestalten: Was man nicht verbergen kann, zeigt man umso mehr”, erläutert die Einrichtungsexpertin Katharina Semling aus Oldenburg. Schächte werden in Kontrastfarben gehalten und sogar beleuchtet. Kabel sind mit farbenfrohem Gewebe ummantelt oder mit Wandclips in kunstvollen Linien zu Motiven gelegt. DIY-Expertin Hermann schlägt vor, Kabel und Wandtattoos zu kombinieren.

- Bündeln: Nicht immer reicht es, die Kabel nur zu verstecken. Treffen sich zu viele hinter einem Möbel, müssen sie gebündelt werden, damit kein Kabelsalat entsteht. In regelmäßigen Abständen angebrachte Kabelbinder oder Klettbänder sorgen dafür, dass sie sich nicht verheddern. Sehr lange Kabel legen Mieter oder Hausbesitzer am besten in Schlaufen zusammen. Falls die nicht mehr in das Versteck passen, wird an dessen Ende eine Kabelbox platziert, in die auch Steckdosen passen.

(dpa)