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Stadtgrün: Können Anwohner zu seinem Schutz beitragen?​

Gemeinschaftsgärten und Guerilla Gardening : Stadtgrün: Können Anwohner zu seinem Schutz beitragen?

Urbanes Grün hat großen Einfluss auf die Luft- und Lebensqualität in kleinen und großen Städten. Grünflächen, Parks, Alleen sowie Gebäude mit begrünten Fassaden und Dächern verschönern das Stadtbild und entspannen das Auge.

Leider machen ein hohes Verkehrsaufkommen, industrielle Luftverschmutzung, Streusalz im Winter und der nicht immer achtsame Umgang durch menschliche und tierische Stadtbewohner Stadtbäumen und anderen Pflanzen zu schaffen.
Anwohner sind gefordert, eine hohe Sensibilität im Umgang mit urbanem Grün zu entwickeln. Es ist wichtig, sich die Frage zu stellen, welchen Beitrag jeder Einzelne zum Schutz gestresster Stadtpflanzen sowie zur biologischen Vielfalt städtischen Grüns beitragen kann.

Grünflächen schaffen im Garten, auf der Terrasse und dem Balkon

Wer in der Stadt wohnt und einen privaten Garten besitzt bzw. eine Gartenparzelle gepachtet hat, hat die Möglichkeit, einen aktiven Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten. Beispiele für private Initiativen sind das Anlegen eines Stücks naturbelassener Blumenwiese, der Anbau von Obstbäumen sowie der bewusste Verzicht auf Schädlingsbekämpfungs- und Unkrautvernichtungsmittel. Balkone mit Pflanzenbewuchs erregen Aufmerksamkeit und ernten bewundernde Blicke. Rund 59 Prozent der deutschen Haushalte verfügen über eine eigene Terrasse oder einen eigenen Balkon. Die Freilufträume können auch Bewohner dicht bebauter, innerstädtischer Stadtteile nach Lust und Laune begrünen. Platzsparende Kletterpflanzen - wie Trompetenblume und Efeu - sowie diverse Küchenkräuter eignen sich hervorragend zur Bepflanzung kleiner Flächen. Besitzer eines eigenen Kelleranteils können winterharte Pflanzen in den frostsicheren Räumen überwintern.

Gemeinschaftsgärten - soziale Treffpunkte und Multiplikatoren

Stadtgrün: Können Anwohner zu seinem Schutz beitragen?​
Foto: stock.adobe.com/Harald Biebel

Ein Trend, der kontinuierlich zunimmt, ist die Anlage von Gemeinschaftsgärten. Nicht genutztes Bauland und Grünflächen ohne dichten Bestand an Bäumen und Sträuchern werden kurzerhand in Gartenflächen umfunktioniert, in denen sich die umliegenden Einwohner treffen, um zu gärtnern, sich kennenzulernen, zu ernten und näher an der Natur zu sein.
Wer beruflich viel unterwegs ist oder familiär stark eingespannt ist, profitiert in besonderer Weise von der gemeinschaftlichen und kooperativen Denkweise. Die Verpflichtung, sich um den Garten zu kümmern, ist - abhängig vom Nutzungsmodell - auf viele Schultern verteilt. Städte profitieren von der positiven Atmosphäre, die Gemeinschaftsgärten als soziale und interkulturelle Treffpunkte sowie gepflegte Grünflächen ausstrahlen.

Viele Stadtbewohner, die sich mit Begeisterung dieser Form des Urban Gardenings widmen, tragen den Wunsch nach mehr Grün nach außen und engagieren sich privat oder politisch. Sie fangen an, sich darüber Gedanken zu machen, wo Neubepflanzungen möglich sind, und wo sie Mehrwerte schaffen können. Aus dem Gedankenspiel entstehen konkrete Projekte und Initiativen, die sich dem Schutz und der Ausweitung von Stadtgrün widmen.

Guerilla Gardening - heimlich säen und später fragen

Eine Möglichkeit, zur Ausweitung urbanen Grüns beizutragen und die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit des Schutzes städtischer Grünflächen zu lenken, ist Guerilla Gardening. Wagemutige Stadtbewohner säen - ohne vorab die Erlaubnis und Genehmigungen zuständiger Behörden und Eigentümer einzuholen - Pflanzen aus. Die heimlichen Aktionen sind seit einigen Jahren ein etabliertes Mittel, um Protest zu üben - vor allem an politischen, agrarwirtschaftlichen und städtebaulichen Entscheidungen.
Zu den häufigsten Aktionen der naturverbundenen Urban Gardener zählen das Ausbringen von Samenbomben - einem fruchtbaren Gemisch aus Ton, Erde und Blumensamen - sowie das Bepflanzen von Baumscheiben. Mit dem Begriff Baumscheiben werden die oftmals vermüllten und vernachlässigten Flächen rund um Bäume an städtischen Straßen bezeichnet. Schließen sich Anwohner zusammen, um gemeinsam Pflanzen zu setzen und sie regelmäßig zu pflegen, verschönern sie das Straßenbild und lenken den Fokus auf die Wichtigkeit der Straßenbäume.

Stadtgrün: Können Anwohner zu seinem Schutz beitragen?​
Foto: stock.adobe.com/hedgehog94

Vielfältige Stressfaktoren für Stadtbäume

Nicht jeder Baum, der in einer Stadt seine Wurzeln hat, ist zu bemitleiden. Bäume in weitläufigen Parkanlagen und innerstädtischen Waldgebieten erfreuen sich im Gegensatz zu Bäumen, die Straßen und Alleen säumen, in der Regel ganz guter Gesundheit. Die Ursachen dafür, dass Straßenbäumen erkranken, liegen in den hohen Belastungen, denen sie tagtäglich ausgesetzt sind. Fahrzeug-Abgase, Bauarbeiten, Verkehrsunfälle, mutwilliger Vandalismus, die durch die Klimakrise zunehmende Erderhitzung sowie durch den Asphalt und das Pflaster versiegelte Bodenflächen wirken sich negativ auf die Baumgesundheit aus. Nur etwa 43 Prozent der Stadtbäume in Berlin beispielsweise sind komplett gesund.
Anwohner können Bäumen in ihrer Umgebung das Leben aber durchaus erleichtern. Ist es im Sommer besonders heiß, freuen sich die schattenspendenden und temperaturregulierenden Stadtbäume über eine extra Portion Wasser. Stadtbewohner sollten vor allem viel Rücksicht auf junge und neu gepflanzte Bäume nehmen, die sich in der Anwachsphase befinden. Sie reagieren besonders sensibel auf Wassermangel und Störungen.

Winterliches Streusalz - rechtzeitig geeignete Alternativen wählen

Tausalz beeinträchtigt den Nährstoffhaushalt erheblich und verkürzt die Lebensdauer von Bäumen auf rund 60 Prozent. Private und gewerbliche Anwohner, die der Verpflichtung nachkommen, die Gehwege vor ihren Immobilien frei von Eis und Schnee zu halten, sollten sich über alternative Streumittel Gedanken machen. Sinnvolle Alternativprodukte sind Sand, Lavagranulat und Kalksteingranulat.
Um zum Wintereinbruch ausreichend mit entsprechenden Alternativen ausgestattet zu sein, ist es wichtig, sich als Immobilienbesitzer und Verantwortlicher für den Streudienst rechtzeitig Gedanken zu machen und sich in ausreichender Menge mit dem präferierten Streumittel einzudecken. Der höhere Aufwand der Straßen- und Gehwegreinigung durch Granulate nach dem Abtauen von Schnee und Eis wird den Anblick gesünderer Pflanzen belohnt.

Hunde-Urin - ein unterschätztes Problem

Hundebesitzer gehören zu den Anwohnern, die einen enormen Beitrag zur Gesundheit des Stadtgrüns leisten können. Wie Streusalz hat auch Urin eine starke negative Auswirkung auf sämtliche Pflanzen. Das enthaltene Chlorid und der giftige Harnstoff sind die Ursachen für Verbrennungen an Bäumen und anderen Pflanzen.
In Großstädten müssen jährlich viele Bäume aufgrund der riesigen Mengen an ätzendem Hunde-Urin, die sich täglich über die städtische Pflanzenwelt ergießen, gefällt werden. Hundehalter, die ihre Hunde nicht an Bäume urinieren lassen, um ihr Revier zu markieren, gehen mit gutem Beispiel voran. Alternativen sind eine gute Erziehung mit dem Ziel, das Verhalten des Hundes gezielt zu beeinflussen sowie das Mitführen beziehungsweise das Anbringen spezieller Hölzer zur gezielten Duft- und Reviermarkierung.

Spenden zum Anbau von urbanem Grün sammeln

Es gibt viele Fälle, in denen innerstädtische Bäume so krank sind, dass sie gefällt werden müssen. Für finanzschwache Städte stellen Neuanpflanzungen eine große finanzielle Belastung dar. Anwohner, die sich mehr beziehungsweise neues Grün in ihrem Viertel wünschen, haben die Möglichkeit, aus eigener Initiative Spendenaktionen ins Leben zu rufen und um finanzielle Landesmittel zur Unterstützung anzufragen. Begleitende umweltpädagogische Bildungsmaßnahmen sensibilisieren Anwohner für die vielfältigen positiven Aspekte von Stadtgrün - wie die Absorption von Feinstaub, Luftschadstoffen und Lärm, der Filterung des Regenwassers, der Entstehung von Verdunstungskühle etc.
Der sichtbare Effekt der Begrünung nach Spendenaktionen motiviert Ehrenamtliche zu weiterem Engagement. Neu gepflanzte Bäume und Sträucher werden bewusst so gewählt, dass sie eine hohe Resistenz gegenüber allen bekannten Schädlingen und Krankheiten ausweisen sowie mit den durch die Klimakrise veränderten Wachstumsbedingungen, vor allem durch die höheren Bodentemperaturen, umgehen können.

Fazit - engagieren und Stadtgrün pflegen

Anwohner haben viele Optionen, zum Schutz urbanen Grüns beizutragen sowie das eigene Zuhause und die nahe Umgebung lebenswerter zu machen. In Zeiten, in denen nachträgliche Verdichtung zum städteplanerischen Prinzip gehört, ist es wichtig, Grün- und Freiflächen sowie Stadtbäume bewusst wertzuschätzen, zur Pflege beizutragen und zu nutzen. Anwohner sind gefordert, Chancen - zum Beispiel rund um das Thema Urban Gardening, Baumpflege und Spendenkampagnen - zu erkennen und zu nutzen. Wer sich für die Erhaltung und Ausweitung städtischen Grüns engagiert, erhöht die eigene Lebensqualität sowie die Attraktivität urbaner Lebensräume für nachfolgende Generationen.

(vo)