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Sozialwohnung mieten – nur mit Wohnberechtigungsschein

Sozialwohnung mieten : Tipps rund um den Wohnberechtigungsschein

Der Wohnraum in Deutschland ist ein knappes Gut. Zudem steigen die Mietpreise an. Vor allem Personen mit geringem Einkommen haben Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden, die in ihr Budget passt.

Für bestimmte Personengruppen existiert jedoch die Möglichkeit, eine Sozialwohnung zu mieten. Dafür ist Wohnberechtigungsschein notwendig.

Was ist ein Wohnberechtigungsschein (WBS)?

Mit einem Wohnberechtigungsschein haben Mieter Anspruch auf eine Wohnung, die von öffentlichen Geldern gefördert wurde. Aufgrund der steigenden Mieten beantragen immer mehr Menschen diesen Schein. Bestimmte Personengruppen werden bei der Vergabe jedoch bevorzugt behandelt. Dazu zählen u.a. Rentner, behinderte Menschen und werdende Mütter.

Zudem wird unterschieden zwischen dem allgemeinen Wohnberechtigungsschein und dem gezielten Wohnberechtigungsschein. Der allgemeine Wohnberechtigungsschein wird ausgestellt, wenn noch keine Wohnung in Aussicht ist. Hier vergibt die Behörde die Wohnung. Der gezielte Wohnberechtigungsschein kommt zum Einsatz, wenn der Antragssteller selbst eine passende Wohnung sucht und Kontakt zum Vermieter aufnimmt.

Wer hat Anspruch darauf?

Jeder und jede Wohnungssuchende mit Staatsbürgerschaft der Bundesrepublik Deutschland oder der Europäischen Union hat das Recht, einen Wohnberechtigungsschein zu beantragen. Personen mit Aufenthaltsgenehmigung von mindestens einem Jahr steht dies ebenfalls zu. Die Städte und Gemeinden haben einen individuellen Spielraum rund um die Regelungen zur Vergabe des Wohnberechtigungsscheins. Oftmals brauchen die Personen, die diesen Schein beantragen, eine Mindestaufenthaltsdauer in Deutschland.

Voraussetzung ist, dass das Gesamt-Einkommen der im Haushalt lebenden Personen unterhalb einer bestimmten Einkommensgrenze liegt. Gemäß §9 WoFG wären das bei einem Einpersonenhaushalt 12.000 Euro, bei einem Zweipersonenhaushalt 18.000.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Antragssteller zunächst eine gewisse Zeit in Deutschland gelebt haben. Es ist wichtig, dass sie alle Bedingungen für den Antrag erfüllen, damit dieser nicht abgelehnt wird. Kommt ein Negativbescheid zurück, muss die anfallende Gebühr dennoch bezahlt werden.

Wie groß darf eine Wohnung mit Wohnberechtigungsschein sein?

Die Größe einer WBS-Wohnung richtet sich nach der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen. Ein Alleinstehender hat mit einem WBS ein Anrecht auf eine Wohnfläche von bis zu 45 qm. Jede weitere Person wird mit weiteren 15 qm berechnet. Wer WBS-Wohnungen finden möchte, erkennt in vielen Immobilienportalen die entsprechenden Anzeigen an einem Hinweis darauf, dass es sich um eine Sozialwohnung handelt.

Welche Unterlagen brauche ich für einen WBS-Antrag?

Ausgestellt wird der WBS auf die im Haushalt lebenden Personen. Ebenso wird die maximale Quadratmeterfläche der künftigen Wohnung darauf vermerkt. Damit der Antrag des Wohnberechtigungsscheins auch bearbeitet wird, müssen Antragsstellende folgende Unterlagen einreichen:

  • Einkommenserklärung der vergangenen 12 Monate von jeder Person, die im Haushalt lebt (Lohn, Gehalt, BaföG, Rente, Unterhalt, Arbeitslosengeld, Hartz IV, Sozialhilfe, Krankengeld etc.)
  • Einkommensbescheinigungen mit Unterschrift vom Arbeitgeber
  • Bei Schülern und Studenten ab 16 Jahren ein Nachweis der Schule oder Universität
  • Im Falle einer Selbstständigkeit wird der letzte Steuerbescheid und die betriebswirtschaftliche Auswertung des Unternehmens vom Steuerberater benötigt
  • Nachweis über Einkünfte aus Kapitalvermögen
  • ggf. Steuerbescheid bei erhöhten Werbungskosten
  • ggf. Heiratsurkunde
  • ggf. Urteil über Ehescheidung
  • ggf. Mutterpass mit errechnetem Geburtstermin
  • ggf. Vollmacht
  • ggf. Nachweis über Pflegebedürftigkeit
  • ggf. Schwerbehindertenausweis

Ein Wohnberechtigungsschein ist an viele Bedingungen geknüpft, die sich von Gemeinde zu Gemeinde unterscheiden. Allerdings ist es deutlich günstiger, eine Sozialwohnung zu beziehen als eine auf dem freien Markt. Bei der angespannten Wohnungslage und den steigenden Mieten ist diese Möglichkeit für viele Menschen sehr hilfreich.