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Berlin: Schwache Pflanzen vor dem Kauf erkennen

Berlin : Schwache Pflanzen vor dem Kauf erkennen

Die Petunie auf dem Verkaufsstand gleicht einem riesigen Blütenball. Die Triebe der jungen Rose wirken saftig und verheißungsvoll. Und der Rittersporn strotzt vermeintlich vor Kraft. Im Gartencenter oder in der Gärtnerei sehen die meisten Pflanzen prächtig aus.

Doch nach ein paar Wochen auf dem Balkon oder im Gartenbeet lässt die eine die Blätter hängen, die andere verliert ihre Blüten oder zeigt Schadbilder. Damit das nicht passiert, lohnt es sich, beim Kauf genau hinzuschauen.

Schon die Gestaltung der Verkaufsräume verrät viel darüber, wie sorgsam ein Händler mit seiner lebendigen Ware umgeht. „Die Räume müssen den Lebensbedingungen der Pflanzen entsprechen”, erklärt Olaf Beier vom Bundesverband der Einzelhandelsgärtner in Berlin. Egal, was für Pflanzen verkauft werden - ausreichend Licht brauchen sie alle. „Kunstlicht alleine reicht nicht”, sagt Beier. Damit Licht und Luft von allen Seiten an die Gewächse herankommen, dürfen die Töpfe nicht eingepackt sein und vor allem nicht zu dicht nebeneinanderstehen.

Höchst problematisch sind deshalb Rollcontainer mit mehreren Etagen. „Sie sind nur zum kurzfristigen Transport, jedoch auf keinen Fall als Verkaufsständer geeignet”, sagt Peter Botz, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Garten-Center in Grafschaft-Ringen (Rheinland-Pfalz).

An das Kleinklima - also an die Luftfeuchte und an die Raumtemperatur - haben unterschiedliche Pflanzen unterschiedliche Ansprüche. Im Idealfall gibt es mehrere Verkaufsräume mit unterschiedlichen Bedingungen. Die Töpfe sollten nicht über längere Zeit mit den Füßen im Wasser stehen, sonst faulen die Wurzeln. „Optimal ist, wenn die Pflanzen in einer Wanne mit einem Abfluss stehen und von unten gewässert werden”, erläutert Beier.

Wie bei jedem Gewerbe sollte auch beim Pflanzenhändler Ordnung im Laden herrschen. Denn: „Sauberkeit und Hygiene ist das Erste, was man im Pflanzenschutz machen sollte”, sagt Karen Falch von der Saarländischen Gartenakademie in Lebach. Unkraut habe unter den Tischen im Gewächshaus nichts zu suchen. Die Gärtner sollten regelmäßig abgeknickte Triebe, welke Blüten und gelbe Blätter von den Pflanzen entfernen. Vergammelte Pflanzen sollte man gar nicht vorfinden. „In einer Gärtnerei, die darauf achtet, spricht einiges dafür, dass die Pflanzen eine gute Qualität haben”, sagt Falch.

Gut ist es auch, wenn die Pflanzen mit Angaben zu Blühzeitpunkt und -farbe, Größe und Standortansprüchen beschriftet sind und ein Pflegeetikett haben. „Je mehr Informationen ich als Kunde bekomme, umso besser”, sagt Falch. Manche Pflanzen können einen EWG-Pflanzenpass haben. Sie wurden auf bestimmte Krankheiten untersucht. „Bei Obstgehölzen besagt die Abkürzung VT beziehungsweise VF, dass die Pflanze virusgetestet oder virusfrei ist”, erläutert die Pflanzenexpertin. „Darauf sollte man achten.”

Selbst Laien können die Qualität einer Pflanze beurteilen. „Wenige lange und dünne Triebe sind ein Zeichen dafür, dass Pflanzen zu lange an einem ungünstigen Platz gestanden haben”, erklärt Botz. Matte Blätter deuten ebenfalls auf schlechte Bedingungen hin. Solche Gewächse sind wenig widerstandsfähig. Ein einzelner abgeknickter Trieb am Rand der Pflanze ist dagegen nicht so tragisch. Er wirkt sich ähnlich aus wie ein Rückschnitt: Das fördert das Wachstum, da sich die Pflanze an dieser Stelle verzweigt.

Schädlingsbefall und Krankheiten entdeckt ein Hobbygärtner am ehesten auf den Unterseiten von Blüten und Blättern sowie in Verzweigungen und Blattachseln. Haben die Blätter Flecken, kräuseln sie sich, oder hängt ein Insektengespinnst an der Pflanze, sollte man diese nicht kaufen. Und ihre Nachbarn ebenfalls nicht. „Ein beginnender Befall ist allerdings wohl nur für geschulte Augen erkennbar”, sagt Beier.

Auch den Ballen sollten Verbraucher sich vor dem Kauf anschauen. Die Erde sollte feucht, aber nicht durchnässt sein. „Die meisten Leute trauen sich nicht, die Pflanze aus dem Topf zu heben. Doch das ist die sicherste Kontrollmethode”, sagt Peter Botz. Ist das nicht möglich, weil das Gefäß nicht dicht mit Wurzeln durchzogen ist, sondern nur aus lockerer Erde besteht, ist das nicht grundsätzlich negativ. Aber es erschwert das Hobbygärtner das Aus- und Umpflanzen, da die wenigen sehr jungen Wurzeln leicht abreißen. Ein durchwurzelter Ballen lässt sich deutlich einfacher handhaben.

Frische, weiße Spitzen deuten auf ein gesundes und aktives Wurzelwerk hin. Feine Fasern dürfen unten aus den Löchern des Topfes ragen. „Viele braune Wurzeln im unteren Bereich lassen eine Vernässung vermuten”, erläutert Botz. „Ist diese fortgeschritten, dann kann man sie unter Umständen auch erschnuppern.” Es riecht faulig.

Wer mit blindem Vertrauen kauft, hat nur selten Chancen auf Ersatz. Gärtnereien, Gartencentern und Baumschulen, die eine Anwachsgarantie geben, sind Ausnahmen. Ansonsten gibt: Umtausch ausgeschlossen, gekauft wird wie gesehen.

(dpa)