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Frankfurt/Main: Putz ist nicht gleich Putz: Das neue Outfit für die Fassade

Frankfurt/Main : Putz ist nicht gleich Putz: Das neue Outfit für die Fassade

Der Frühling ist eine gute Zeit, sich neu einzukleiden. Auch Häusern tut ein neues Outfit mal gut - vor allem, wenn die Fassade mit der Zeit Risse und Löcher bekommen hat. Frische Farbe verleiht ihr neue Attraktivität und steigert den Wert der Immobilie. Aber Hausbesitzer dürfen nicht einfach zu Spachtel und Kelle greifen, um frischen Putz aufzutragen. Vorher gilt es, gut zu recherchieren. Denn Putz ist nicht gleich Putz. Und Haus ist nicht gleich Haus.

Früher gab es den guten, alten Baustellenmörtel, der für fast jedes Gebäude verwendet wurde. „Er darf aber nicht mehr eingesetzt werden, außer für die Denkmalpflege”, erklärt Heinz Held, Vorsitzender der Fachgruppe Putz im Bundesverband Farbe, Gestaltung, Bautenschutz in Frankfurt am Main. Aber es gibt viele Nachfolger: Der Bauherr hat die Auswahl zwischen verschiedenen Putzen aus unterschiedlichen Materialien.

Grundsätzlich unterscheiden Fachleute zwischen mineralischen und Kunststoffputzen. In den meisten Fällen geeignet ist der mineralische Putz. „Er hat Eigenschaften, die das Gebäude gesund erhalten”, sagt Ulrich Zink, Vorsitzender des Bundesarbeitskreises Altbausanierung in Berlin. „Weil er diffusionsoffen ist, puffert er sogar Schlagregen und gibt die Feuchtigkeit dann wieder an die Umwelt ab.”

Ökologisch bewusste Hausbesitzer greifen gerne auf alte Putzarten zurück. „Im Trend liegen Reinkalkputze und hydraulische Kalkputze”, berichtet Branchenexperte Heinz Held. „Die sind ganz natürlich.” Auch Kunstharzputze werden häufig im Außenbereich verwendet, weil sie gut haften und ihr Farbton lange erhalten bleibt. „Allerdings platzen Putze mit Kunststoffanteil bei Feuchtigkeit gerne ab”, warnt Zink.

Vorsicht sei besonders dann geboten, wenn Kunstharzputz auf mineralischen Putz aufgetragen werden soll. „Die alte Schicht muss vorher unbedingt entfernt werden, sonst fällt der neue Putz schnell wieder runter”, erklärt Zink. Die einzelnen Putze haben Vor- und Nachteile. Grobes Material hält gut, aber es bleibt schnell Schmutz daran hängen. Feinputz sieht glatter aus, es bilden sich aber eher feine Rissen.

Daneben gibt es hunderte Farben und Muster - fast alles ist machbar. „Oft wird mit neuartigen Eigenschaften geworben wie dem Lotuseffekt”, erläutert Zink. „Aber was toll klingt, muss nicht für jeden Einsatzfall gut sein.” So bewirke der Lotuseffekt, dass das Wasser von der Fassade abperlt. „Das erhöht zwar die Lebensdauer des Putzes, kann aber auch zur Verschmutzung der Fassade führen.”

Die klimatischen Verhältnisse im Umfeld der Immobilien sind entscheidend für die Wahl des geeigneten Putzes. In feuchten Gegenden setzen mineralische Putze leicht Moos, Flechten und Algen an. Hier könnte ein Silikat- oder Kunststoffputz die bessere Wahl sein. „Man muss auch immer den Untergrund der Fassade berücksichtigen”, ergänzt Zink. Wer die Bauphysik nicht beachtet, riskiert mittel- und langfristig Schäden an der Außenhaut des Hauses.

„Sind mehr als 25 Prozent des alten Putzes defekt, reicht das Ausbessern und Anstreichen nicht mehr”, sagt Heinz Held. Und dann kommt auch gleich eine gesetzliche Regelung zum Tragen: „Dann muss das ganze Haus wärmegedämmt und neu verputzt werden.” Das sieht die Energieeinsparverordnung (EnEV) vor.

Das stellt noch einmal ganz neue Anforderungen an die Auswahl des geeigneten Materials. „Es gibt im Fachhandel verschiedene Wärmedämmverbundsysteme, bei denen Dämmmaterial, Kleber und Putz exakt aufeinander abgestimmt sind”, erklärt Held. Der Nachteil: Die meisten Systeme sind mit 12 und 14 Zentimetern sehr dick. Bei Niedrigenergiehäusern können sie sogar eine Stärke von 24 bis 28 Zentimetern haben. Wer seinem Haus eine dünnere Hülle verpassen will, kann demnächst möglicherweise auf 4 bis 5 Zentimeter dünne Vakuumplatten zurückgreifen. Diese sind allerdings noch in der Entwicklungsphase.

Auch wenn die alte Fassade zu weniger als 25 Prozent Schäden aufweist, sollten Bauherren eine Wärmedämmung in Erwägung ziehen, wenn sie ohnehin einen neuen Putz für ihr Haus planen. „Der Aufwand ist fast der gleiche”, sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. „Die Gerüste stehen, der alte Putz ist runter, und das Haus ist für die neue Außenhülle vorbereitet.”

Allerdings wird dann aus dem einfachen Verputzen eines Hauses ein größeres Projekt, eine energetische Sanierung. „In diesem Fall sollte unbedingt ein Energieberater oder Altbauexperte zurate gezogen werden”, rät die Expertin. „Denn wenn die Dämmung nicht exakt für das Gebäude geplant wird, droht ein Schimmelproblem.”

Industrie und Wissenschaft bemühen sich ständig um intelligente Lösungen für Hausfassaden. Der Trend geht dabei zu Materialien, die Energie speichern und bei Bedarf abgeben. „Das sind heute meist Photovoltaikanlagen, die vor die Fassade gehängt werden”, erläutert Zink. „Unter denen ist vom Putz nicht mehr viel zu sehen.”

Aber das muss nicht so bleiben. So wie es heute schon Photovoltaikelemente in der Größe von Dachziegeln gibt, können auch die Fassadenelemente in Zukunft so klein sein, dass sie sich in die klassische Putzoptik einer herkömmlichen Hausfassade integrieren lassen. Oder die Wände werden begrünt. Das verträgt sich durchaus mit Putz, wenn die Pflanzen nicht direkt auf ihm wachsen, sondern auf einem Rankgerüst vor der Hauswand angebracht werden.

(dpa)