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Photovoltaik hat noch viel Potenzial

Erneuerbare Energien : Photovoltaik hat noch viel Potenzial

Die derzeitige Regierung setzt auf einen Klimaschutzplan, der von einer treibhausgasneutralen Energiegewinnung bis zum Jahre 2045 ausgeht. Zumindest wurde das im nun verabschiedeten Klimaschutzgesetz so beschlossen.

Einig sind sich die Experten, dass für das Erreichen dieses Zieles am Ausbau der Photovoltaik (PV) festgehalten werden muss. Um auf die fossilen Brennstoffe verzichten zu können, bedarf es verstärkter Bemühungen, werden bisher doch nur 2,5 Gigawatt (GW) jährlich zugebaut. In seiner neuesten Studie geht das Fraunhofer Institut ISE jedoch davon aus, dass mindestens 12 GW, eher 20 GW, jährlich notwendig sind, um die gesteckten Ziele zu erreichen.

Enormer Flächenbedarf

Um den hohen und weiterhin steigenden Energiebedarf Deutschlands zu decken, bedarf es somit einer Vervielfachung der Anstrengungen. Die Flächen dazu sind laut des Freiburger Institutes mehr als vorhanden. Sie errechnen ein Potenzial an nutzbaren Flächen von mehr als 3000 GW allein für Photovoltaik. Dabei setzen sie vor allem auf eine Integration in schon bebaute und versiegelte Flächen.

Genannt werden Aufstockungen an Lärmschutzwänden, Parkplätzen, Fahrzeugen und entlang der Verkehrswege. Die Technik schreitet voran und wird immer günstiger. So sind beispielsweise seit 2018 Plug-and-Play-Module in Deutschland zugelassen. Jetzt können auch Mieter an der Energiewende teilhaben. Sparen mit Balkonkraftwerk ist dabei die Devise. Damit stehen mit den Fassaden der vielen Mietshäuser weitere Millionen an Quadratmetern zur Bestückung zur Verfügung, um emissionsfrei Energie zu gewinnen. Auch auf den Oberflächen künstlicher Seen sehen die Wissenschaftler noch eine Menge an unausgeschöpften Arealen.

Wirtschaftliche Potenziale

Positiv erscheinen die Auswirkungen, welche die Photovoltaik für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt mit sich bringen würde. Zum einen wird der Strombedarf in Deutschland in den kommenden Jahren massiv ansteigen. Verwiesen wird dabei auf den endgültigen Wegfall der Atomenergie, den Kohleausstieg und auf die gerade begonnene Transformation hin zur Elektromobilität.

Zum anderen könnten mit dem konsequenten Ausbau Tausende an neuen, hochqualifizierten Jobs entstehen. Im Entwicklungsbereich werden ca. 750 neue Arbeitsplätze veranschlagt, pro Gigawatt Modulkapazität wohlgemerkt. Mit der Installation für PV-Kraftwerke kämen nochmals 3500 Arbeitsplätze pro GW dazu.

PV und erneuerbare Energien als zukünftige Zugpferde der Wirtschaft

Wenn die Solarkomponenten hierzulande gefertigt werden, fällt die derzeit schmerzende Importabhängigkeit weg. Zudem lässt sich der CO-Fußabdruck entscheidend verkleinern, wenn die Module nicht mehr über die Weltmeere geschippert werden.

Die konsequente Nutzung von Sonnenenergie kann eine ungeahnte globale Strahlkraft entwickeln. PV und auch Solarthermie sind schon länger marktreif, die Technologien werden ständig weiterentwickelt. Deshalb ist es laut Jonas Ott, dem Experten für erneuerbare Energien bei Greenpeace, "unverantwortlich, dass noch immer regulatorische Hürden den Ausbau der Solarenergie blockieren.? Er fordert den massiven Ausbau aller erneuerbaren Energieformen. Nur so hätte Deutschland eine Chance, seine Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig seine Wirtschaft anzukurbeln.

Lohnt sich eine PV-Anlage im Jahre 2021?

Der erste PV-Boom zu Beginn der 10er-Jahre wurde hauptsächlich durch die staatliche Solarvergütung befeuert. Diese Traumrenditen sind aus rein wirtschaftlicher Sicht nicht mehr zu erzielen. Die Vergütung für kleinere Hausanlagen liegt heutzutage bei ca. acht Cent pro kWh (Kilowattstunde).

Trotzdem ist eine Solaranlage auch heute noch rentabler als jede Stromquelle herkömmlicher Art. Als ein schwerwiegendes Argument werden dabei die stark gesunkenen Preise für die Module ins Feld geführt. Neben den schwer einzuschätzenden, eher noch ideell bewerteten Aspekten, persönlich dem Klimawandel entgegenzutreten, sollten die Anlagen zukünftig den Aspekt Eigenverbrauch in den Vordergrund rücken. Übergroß dimensionierte Anlagen zum Zwecke der Rendite weichen individuellen, dem jeweiligen Stromverbrauch angepassten Bestückungen.

Eigenverbrauch tritt in den Fokus

Die sinkende Einspeisevergütung bedingt, dass die Volleinspeisung weniger attraktiv wird. Es wird darauf ankommen, dass die hauseigene Anlage so konzipiert wird, dass die Stromeinspeisung ins Netz und der Eigenverbrauch abgestimmt werden.

Angesichts immer weiter steigender Energiepreise kommt dem Eigenverbrauch eine entscheidende Bedeutung zu. Insbesondere dann, wenn das E-Bike oder das Elektroauto von der heimischen Steckdose aus "betankt? werden können. So errechnete Focus für einen 4-köpfigen Haushalt ein Einsparpotenzial bei der Stromrechnung von 500 Euro jährlich, wenn mit der Anlage 38 % des eigenen Strombedarfs gedeckt wird.

(vo)