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Düsseldorf: Pflanzenparadies hinter Glas: Wintergarten planen und bauen

Düsseldorf : Pflanzenparadies hinter Glas: Wintergarten planen und bauen

Im Wintergarten ist das ganze Jahr über Sommer. Selbst wenn vor dem Glas Schneestürme toben, hinter dem Glas gedeiht eine sommerlich grüne Landschaft voll zarter Blüten und betörender Düfte. Oder der Wintergarten ist Teil des Wohnraums. „Der erste Planungsschritt ist immer die Definition der Nutzung”, sagt daher Jan Schüsseler von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Denn je nachdem, ob er als lichtdurchfluteter Wohnraum, als gartennaher Sitzplatz für die Vor- und Nachsaison, als Lebensraum für exotische Pflanzen oder als Winterquartier für empfindliche Kübelgewächse genutzt werden soll, müssen Hausbesitzer den Wintergarten unterschiedlich planen.

„Besonders beliebt sind in den vergangenen Jahren Konstruktionen aus Aluminium”, sagt Steffen Spenke, Vorsitzender des Bundesverbandes Wintergarten in Berlin. Das Material benötige wenig Pflege. „Gerne werden auch Kombinationen aus Aluminium und wohnlichem Holz eingesetzt.” Die tragende Konstruktion aus Holz ist nach innen sichtbar. Außen ist sie mit einer Wetterschutzschicht aus Metall versehen. Kunststoff wird nach Auskunft des Experten aufgrund der geringen Tragfähigkeit am ehesten für die Fenster verwendet.

Als Grundfläche empfiehlt Spenke mindestens 15 bis 25 Quadratmeter. Je größer die Fläche ist, umso vielfältiger sind die möglichen Bauformen. Ein Wintergarten kann rechteckige oder mehreckige Grundrisse haben, die frei in den Garten ragen. Er füllt einen rechten Winkel zwischen zwei abgesetzten Gebäudeteilen oder zieht sich um eine Ecke des Wohnhauses. Er kann ein gerades Pultdach, Erker oder Giebel haben.

„Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein: Je aufwendiger die Konstruktion ist, umso kostenintensiver und fehleranfällig wird sie”, warnt Thomas Weber vom Regionalbüro des Verbandes Privater Bauherren (VPB) in Fulda. Das ist auch die Erfahrung von Peter Struhlik, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Wintergärten aus Minden (Nordrhein-Westfalen): „Die wenigsten Fehlerquellen birgt ein kastenförmiger Anlehnwintergarten mit einem Pultdach, das unterhalb der Dachrinne endet und dessen Stützen auf einer Sohlplatte aufgebaut werden.” Diese sollte höher oder in gleicher Ebene mit dem angrenzenden Terrain liegen.

Grundsätzlich gilt: Je weniger Anschlüsse es an das Haus gibt, desto unproblematischer ist der Anbau eines Wintergartens. Denn durch fehlerhafte Dichtungen kann Wärme entweichen oder Wasser eindringen.

Viele stört das Naheliegendste am Wintergarten: Er ist aus Glas. Zwar soll er lichtdurchflutet sein, doch die pralle Sommersonne erzeugt auch fast unerträgliche Hitze. „Die Sonneneinstrahlung muss sinnvoll begrenzt werden”, sagt daher der Architekt Schüsseler. „Das geht am einfachsten mit einer innenliegenden Beschattung.” Auch die Be- und Entlüftung ist wichtig. „Unerwünschte Wärme muss durch Öffnungen im oberen Bereich abgeführt werden, Frischluft im Sockelbereich nachströmen können”, erläutert Schüssler.

Wird der Wintergarten ganzjährig genutzt, braucht er eine richtig dimensionierte Heizung. Wird diese mehr als vier Monate im Jahr genutzt, dann muss der Wintergarten die aktuelle gültige Energieeinsparverordnung (EnEV) erfüllen. Mancherorts und je nach Bauweise kann es Einschränkungen von den Behörden geben. Oder es ist eine Baugenehmigung nötig. Interessenten sollten sich daher vor den Planungen beim örtlichen Bauamt nach Auflagen erkundigen.

Mit all diesen planerischen Details ist ein Laie oft überfordert. Auf den Internetseiten der beiden großen Unternehmensorganisationen, Bundesverband Wintergarten und Fachverband Wintergarten, sind Fachbetriebe und Lieferanten aufgelistet. Aber die Suche ist kompliziert. „Sie brauchen dabei alle möglichen Gewerke wie den Fensterbauer, den Dachdecker und den Experten für Klimatechnik”, sagt der Sachverständiger Struhlik. Das Spezialwissen all dieser Fachleute könne ein Betrieb nur durch den Einsatz von entsprechenden Subunternehmern gewährleisten oder durch vieljährige Praxis erwerben. Beides kann ein Bauherr nur schwer überprüfen.

Aber er könne versuchen, die Qualität der Firma zu hinterfragen. „Man sollte sich auf jeden Fall Referenzobjekte benennen lassen, die mehr als eine Saison hinter sich haben”, sagt VPB-Experte Weber. „Auch wenn jeder Wintergarten ein individuelles Bauwerk ist - man bekommt zumindest ein Gefühl für die Zufriedenheit der Kunden und erfährt, wie eine Firma mit Problemen umgeht.”

Hinzu kommt: Wenn ein Fachbetrieb beauftragt wird, gibt es keinen unabhängigen Kontrolleur. Mehr als die Hälfte der Streitigkeiten, zu denen später ein Sachverständiger hinzugezogen werde, resultieren nach Angaben von Struhlik aus Problemen mit der Abdichtung. Das kann etwa der Fall sein zwischen senkrechten Elementen und der Bodenplatte. Hier kann Wasser eindringen und schlimme Schäden verursachen.

Was Verbraucher selbst tun können, ist, sich einen Überblick über Möglichkeiten und Angebote mit Hilfe der Internetseiten von Fachverbänden und Herstellern sowie der Kataloge zu verschaffen. Was umsetzbar ist, gibt der Grundriss des Hauses vor. Es sollte mit dem Wintergarten eine harmonische Einheit bilden.

(dpa)