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Nachhaltigkeit neu denken - große Wirkung mit einfachen Ansätzen

Nachhaltigkeit neu denken : Große Wirkung mit einfachen Ansätzen

Der Trend geht zur Nachhaltigkeit und zum Umweltschutz. Viele Bürger achten bewusst auf Mülltrennung und nachwachsende Rohstoffe, doch leider kämpft Deutschland immer noch gegen riesige Müllberge. Dabei kann jeder auch mit kleinen Maßnahmen dazu beitragen, Abfälle zu reduzieren.

Wo kann jeder Bürger mit der Müllvermeidung beginnen?

Wo kann jeder Bürger mit der Müllvermeidung beginnen?
Viele Alltagsgegenstände und vor allem Lebensmittel sind hygienisch verpackt und kommen häufig in mehreren Umverpackungen daher. Dabei sind besonders die Plastikverpackungen schädlich für Menschen, Tiere und die Umwelt, da sie nicht biologisch abbaubar sind und sich stattdessen in winzige Partikel zersetzen - wofür sie unglaublich lange benötigen.

Gefahr von Mikro- und Makroplastik

Dass es wichtig ist, vor allem Plastikabfälle zu vermeiden, zeigen die Folgen:
Makroplastik sorgt an Land und im Meer dafür, dass Tiere sich daran verletzen oder sich darin verheddern und sterben können. Viele fressen auch das Plastik und verenden dann daran. Beispielsweise werden weggeworfene Einweghandschuhe von Meeresschildkröten für Quallen gehalten und verspeist. Sie verstopfen den Magen und das Tier verhungert.
Mikroplastik ist eine Gefahr für Mensch und Tier, da die winzigen Partikel sich überall befinden können. Es wird mit der Nahrung aufgenommen, wodurch auch enthaltene Giftstoffe wie beispielsweise Weichmacher aufgenommen werden. Sie können die Organe schädigen und sich im Körper anreichern. Viele sind auch krebserregend.

Warum sollte man mit dem Zero Waste Konzept in der Küche ansetzen?

Je nach Art des Kunststoffs benötigen Obst- und Gemüsebeutel aus dem Supermarkt bis zu 20 Jahre, bis sie sich zersetzen, eine Chipstüte bis zu 80 Jahre. Plastikflaschen benötigen sogar bis zu 500 Jahre. Da ein großer Anteil des Plastikmülls und der Lebensmittelabfälle in der Küche entstehen, sollte für jeden umweltbewussten Menschen das Konzept der sogenannten Verschwendungsreduzierung hier beginnen.

Welche Möglichkeiten der Nachhaltigkeit bieten sich in der Küche?

Gerade die Küche bietet besonders viele Möglichkeiten, die anfallenden Abfälle zu reduzieren.

Schritt 1: Richtig einkaufen

Eine gute Einkaufsplanung ist das A und O. Frische Produkte können somit direkt verarbeitet werden und landen nicht nach langer und falscher Lagerung ungenutzt im Müll. Beim Einkauf selbst können verschiedene Tipps zusätzlich dafür sorgen, dass wenig oder kein Abfall entsteht:

  • Beim Bäcker und Metzger mit eigenen Brotbeuteln oder Tupperdosen einkaufen.
  • Länger haltbare Lebensmittel in modernen Unverpackt-Läden kaufen, wo sie direkt in eigene Behältnisse abgefüllt werden können (beispielsweise Nudeln, Zucker, Salz, Mehl, Kaffee).
  • Produkte wie Obst und Gemüse nicht in Tüten, sondern lose kaufen oder auf biologisch abbaubare Verpackungen achten.

Schritt 2: Richtig lagern

Damit die Lebensmittel nicht ungenutzt im Müll landen, sollten sie im Brotkasten, Vorratskeller, Küchenschrank oder Kühlschrank sach- und fachgerecht gelagert werden. Dabei ist es beispielsweise wichtig, auf einen energiesparenden Kühlschrank zu setzen.

An den jeweiligen Energielabels der Geräte lässt sich konkret ablesen, wie viel Strom sie verbrauchen. Auch die Größe der Schränke sollte zum Haushalt passen. Übergroße Geräte, die immer nur halb voll sind, sind ebenfalls eine Verschwendung.

Schritt 3: Richtig verarbeiten

Kartoffeln und Äpfel schälen ist kein Problem, doch häufig landen dabei nicht nur die Schalen, sondern auch große Teile von Obst und Gemüse mit im Müll. Es ist also wichtig, bei der Verarbeitung und Zubereitung der Produkte ebenfalls auf Nachhaltigkeit zu setzen. Nicht nur, um Abfall zu vermeiden, sondern auch, um den größtmöglichen Nutzen der Lebensmittel zu haben. Hier können beispielsweise Sparschäler zielführend eingesetzt werden.
Neben den Sparschälern können auch andere Geräte dabei behilflich sein, nicht zu viel Müll zu produzieren. Beispielsweise sollten Kaffeetrinker auf die Verwendung von Kapsel-Kaffeemaschinen verzichten. Denn die Kapseln erhöhen rasant die Abfallberge.

Schritt 4: Aufessen und Reste-Essen

Viele Lebensmittel lassen sich fast vollständig essen, nur wird das häufig nicht praktiziert. Beispielsweise werden meistens Bananenschalen entsorgt, obwohl sie tatsächlich roh ins Müsli gewürfelt werden könnten - oder gebacken und sogar in einen Smoothie gemixt werden können. Sogar ein Apfel ist komplett essbar, inklusive Gehäuse und Kernen - nur der Stiel sollte entsorgt werden.
Es gibt noch mehr Lebensmittel, die fast komplett verzehrbar sind. Wer sich nicht scheut, das einmal auszuprobieren, wird überrascht sein, was hier alles möglich ist. Rezepte dafür gibt es überall im Internet.
Manchmal bleiben Lebensmittel auch übrig, wenn absichtlich mehr vorbereitet wurde und wenn versehentlich zu viel gekocht wurde. Hier gibt es viele Rezepte, die aus übriggebliebenen Lebensmitteln ein leckeres Reste-Essen produzieren. Beispielsweise lässt sich altes Brot vom Vortag in "Brotlinge" verwandeln, wie Bestsellerautorin Sophia Hoffmann in ihrem Kochblog zeigt.

Welche anderen Möglichkeiten bieten sich noch?

In der Küche gibt es einen guten Ansatzpunkt, um Müll zu vermeiden, doch Nachhaltigkeit lässt sich in anderen Lebensbereichen genauso gut umsetzen.

Grundprinzipien von Zero Waste und Nachhaltigkeit

Wer die Grundlagen der Nachhaltigkeit und Müllvermeidung verstanden hat, kann sie leicht auf jeden Bereich anwenden.

Beispielsweise gehören dazu:

  • Produkte, die nicht umweltfreundlich sind, sollten gar nicht erst angeschafft werden, wenn sie mit zu viel Verpackung daherkommen oder später nicht recyclebar oder schwer zu entsorgen sind. Für viele Produkte gibt es umweltfreundliche Alternativen!
  • Häufig werden zu viele Produkte verwendet, beispielsweise ein großes Sortiment an Reinigungsmitteln für verschiedene Zwecke. Diese sind nicht immer umweltfreundlich und außerdem in Plastikflaschen verpackt. Bio-Alternativen sind Allzweckreiniger, von denen nicht mehrere Flaschen parallel angeschafft werden müssen.
  • Gebrauchsgegenstände wie Elektrogeräte oder Kleidung sollten so lange wie möglich verwendet oder bei Bedarf repariert werden. Dinge, die man vielleicht nur ein- oder zweimal einsetzen möchte, kann man sich auch ausleihen, anstatt sie anzuschaffen. Was nicht mehr gut aussieht, lässt sich bei Bedarf umgestalten und wieder verwenden. Besonders praktisch ist dies bei Möbeln.

Nachhaltigkeit beim Gebrauch von Elektrogeräten

Bei Elektrogeräten rund ums Haus sind verschiedene Punkte zu beachten. Das beginnt schon damit, am besten nur netzbetriebene oder batteriefreie Geräte zu kaufen. Akkus sind Batterien vorzuziehen. Dabei sollten Batterien und Akkus ohne giftige Schwermetalle bevorzugt werden.
Dazu kommt, dass alle Geräte energiesparend betrieben werden sollten, was sich an den Energielabels beim Kauf bereits ablesen lässt. Beim Kauf ist auch wichtig, dass die Geräte außerdem langlebig und reparaturfreundlich sind. Alternativen sind gebrauchte oder geliehene Geräte.
Auch Geräte, die mit Strom anstelle giftiger Batterien arbeiten, sind nicht ideal, da die Stromerzeugung Treibhausgasemissionen verursacht. Wer kann, sollte daher auf Ökostrom aus erneuerbaren Energien umsteigen. Am Ende der Geräte-Lebenszeit ist eine sachgerechte Entsorgung der Altgeräte wichtig. Beim Kauf von neuen Haushaltsgeräten übernimmt häufig der Verkäufer (Händler) der neuen Geräte die Entsorgung.

Weitere Nachhaltigkeit im Haushalt

Neben Lebensmitteln und Elektrogeräten sind noch viele weitere Dinge im Haushalt zu berücksichtigen, die langlebig und umweltfreundlich sein sollten. Beispielsweise Möbel und Kleidung. Hier könnten gebrauchte Waren zum Einsatz kommen. Wer im Bereich Kleidung gerne trotzdem etwas Neues tragen möchte, kann seine Kleidungsstücke beispielsweise mit Freunden/Freundinnen tauschen.
Im Haushalt ist auch die Erzeugung von Warmwasser täglich notwendig. Um dennoch sparsam damit umzugehen, helfen wassersparende Armaturen oder die Nutzung von Sonnenkollektoren bei der Erwärmung. Selbstverständlich ist stets darauf zu achten, das Wasser nicht länger als nötig laufen zu lassen.
Heizen ist teuer und verursacht Co2. Es ist daher ideal, eine regelmäßige Raumtemperatur von ungefähr 20°C beizubehalten, undichte Türen und Fenster abzudichten und dafür zu sorgen, dass die Gebäudedämmung optimal gesichert ist. Um keine Energie zu verschwenden, sollte nur kurz und intensiv stoßgelüftet werden.
Zuletzt, aber nicht am unwichtigsten, kommt die Mobilität. Um Sprit zu sparen und die Unterhaltskosten für ein Fahrzeug zu senken, kommen individuell auch weitere Alternativen infrage: auf Fahrrad, Bus und Bahn umsteigen; Fahrgemeinschaften oder CarSharing nutzen.

Weiterführende Infos:

Viele weitere Tipps listet das Umweltbundesamt auf seiner Webseite auf. Hier kann jeder Leser gezielt nach Tipps in den unterschiedlichsten Bereichen suchen und somit der Umwelt etwas Gutes tun.

(vo)