Nachhaltigkeit ist mehr als nur geringer Energieverbrauch

Leuchtmittel : Nachhaltigkeit ist mehr als nur geringer Energieverbrauch

Nachhaltigkeit ist ein Thema, welches in der 80er Jahren ins öffentliche Bewusstsein gerückt worden ist und spätestens seit der „Fridays for Future“-Bewegung omnipräsent ist. Seitens des (EU)Gesetzgebers ist dieses Thema bereits Anfang der 2000er Jahre aufgegriffen worden, als mit dem Ziel von Energieeinsparungen Glühbirnen weitgehend verboten worden sind.

Das Ziel war, durch Verbot von Herstellung und Import energieineffizienter Leuchtmittel ab 2009 den Energieverbrauch zu senken.

Energieersparnis vordergründig und real

An dieser Stelle wurden sehr schnell intensive Diskussionen geführt, ob der Ersatz von Glühbirnen durch Kompaktleuchtstofflampen (sogenannte Energiesparlampen) denn wirklich mit dem Ziel von Nachhaltigkeit übereinstimmt. Vordergründig wurde meist nur mit dem Energieverbrauch während des Betriebs gerechnet, in dem Energiesparlampen aufgrund des geringeren Energieverbrauchs bei gleicher Helligkeit besser abschnitten.

Grob gerechnet verbraucht eine Kompaktleuchtstofflampe bei vergleichbarer Lichtstärke ca. 20% der Energie, die eine Glühbirne umsetzt. Bei einer Lebensdauer von 1000 Stunden einer klassischen Glühbirne gegenüber bis zu 10.000 Stunden einer Energiesparlampe kommen hier enorme Summen zustande. Hier wurden schnell weitergehende Berechnungen angestellt, ob diese einfachen „Milchmädchenrechnungen“ nur einen vordergründigen Aspekt wiedergeben.

Hier kam man zur Erkenntnis, dass neben der Energieersparnis im Betrieb unter anderem Energie zur Herstellung verbraucht wird, zum Abbau der Rohstoffe und zur Entsorgung bzw. Wiederverwertung.

Kompletter Lebenszyklus eines Leuchtmittels

Studien der Leuchtmittelhersteller zeigen, dass ca. 2% des Energieverbrauchs eines Leuchtmittels auf die Produktion entfällt und der Rest für den Betrieb aufgewendet wird. Vor diesem Hintergrund ist es durchaus sinnvoll, statt Glühbirnen Energiesparlampen oder LED-Lampen zu verwenden. Diese werden in Bauformen gefertigt, die in der Regel einen 1:1 Austausch von Glühbirnen ermöglichen. Weitere Beispiele von Retrofit-Möglichkeiten sind beispielsweise unter leuchtmittelmarkt.com präsentiert.

Der Lebenszyklus eines Leuchtmittels verbraucht jedoch nicht nur Energie. Ein weiterer, aktuell oft vernachlässigter Faktor besteht aus Sekundärfaktoren wie Umweltverschmutzung durch Freisetzung von Abfällen während der Produktion. Der Energieverbrauch entfällt auf folgende Phasen: Gewinnung der Rohstoffe, Produktion des Leuchtmittels selbst, Energieverbrauch im Betrieb und Entsorgung bzw. Recycling. An dieser Stelle kommt der fachgerechten Entsorgung eine immer stärker werdende Bedeutung zu, da einerseits Schadstoffe wie Quecksilber als auch seltene Rohstoffe wie seltene Erden bei LED wiedergewonnen werden sollten.

Nicht zu unterschätzen ist die Verarbeitungsqualität auf die Lebensdauer: Anfällig sind hier oft die Vorschaltgeräte von Energiesparlampen.

Einsatz von Leuchtmitteln

Abhängig vom Einsatzzweck lassen sich vermeintlich ineffiziente Glühbirnen umweltfreundlich betreiben. An Stellen, die selten beleuchtet werden müssen, wie Kellerräume oder Dachboden, ist eine Glühbirne gut aufgehoben. Da dort nur wenige Brennstunden im Jahr anfallen, fällt der Energieverbrauch im Betrieb weniger ins Gewicht als die Energie, die zur Herstellung benötigt wird. Anstelle der verbreiteten Energiesparlampen, die als Kompaktleuchtstofflampen gebaut sind, bieten sich LED-Lampen an. In diesen sind weniger Schadstoffe wie Quecksilber verarbeitet, außerdem sind sie unempfindlicher gegen Stöße und halten zudem mehr als doppelt so lang.

Hierüber lassen sich an Stellen, die ständig erleuchtet werden müssen (Wohnzimmer, Hausflur, Büros), signifikante Einsparungen erzielen. LED-Leuchten emittieren ebenfalls keine UV/Infrarotstrahlung und sind damit speziell im Außenbereich insektenfreundlicher.

Der beste Beitrag zu Nachhaltigkeit besteht nach wie vor im bewussten Einsatz von Ressourcen. Muss ein Raum wirklich sehr hell sein, oder ist eine etwas weniger helle Umgebung ebenfalls ausreichend? Kann ein Leuchtmittel, wenn es vorzeitig ausgetauscht wird, eventuell woanders eingesetzt werden, beispielsweise im Keller oder Badezimmer? Eine weitere Voraussetzung für Nachhaltigkeit ist eine fachgerechte Entsorgung und Aufarbeitung der abgebrannten Leuchtmittel. Nur so lassen sich Rohstoffe effizient verwerten.

(ka)
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