1. Leben
  2. Bauen und Wohnen

Mit Sympathie und Sorgfalt bei Vermietern punkten

Wohnungssuche : Mit Sympathie und Sorgfalt bei Vermietern punkten

Mit zig anderen in der Schlange zur Wohnungsbesichtigung stehen? Wohnungssuchende in Ballungsgebieten dürften das Szenario kennen. Nur: Wie schafft man es, aus der Menge herauszustechen?

Eine Wohnung zu finden, ist häufig Glückssache. Interessenten können ihrem Fortune aber etwas auf die Sprünge helfen: Indem sie einen guten Eindruck machen. Worauf es ankommt, wenn Wohnungssuchende bei Vermietern punkten wollen.

Wer sich um eine Wohnung bewirbt, sollte sich genauso sorgfältig vorbereiten wie auf eine Jobbewerbung, empfiehlt Karsten Statz vom Spar- und Bauverein Dortmund. Der größten Genossenschaft Nordrhein-Westfalens gehören rund 12.000 Wohnungen. Mit im Schnitt knapp über fünf Euro pro Quadratmeter ist die Miete sehr günstig. Von Bewerbern für seine begehrten Wohnungen wünscht sich der Bau- und Sparverein ein „gepflegtes, souveränes Äußeres und höfliches Auftreten“. Pünktlichkeit eingeschlossen.

Zusatzpunkte können Interessenten sammeln, wenn sie begründen, warum sie in eine Genossenschaftswohnung ziehen wollen, und wie sie sich dem Quartier und der Gemeinschaft verbunden fühlen. Ehrenamtliches Engagement kann ebenfalls zählen. „Wichtig ist ein guter Gesamteindruck“, sagt Statz.

Ausschlaggebend ist auch die Persönlichkeit

Ähnlich wie die Genossenschaft ticken Wohnungsunternehmen und private Vermieter. Sie wollen möglichst schon beim ersten Kontakt - unabhängig davon, ob schriftlich oder telefonisch - etwas über die Persönlichkeit von Mietinteressenten erfahren. Die meisten wollen zum Beispiel den Grund der Wohnungssuche wissen - etwa wegen eines kürzeren Arbeitswegs, aufgrund von Familienzuwachs oder Trennung. Das sollten Bewerber gleich mitteilen.

Dagegen sollten Einkommen, Schufa-Auskunft und Mietschuldenfreiheitsbescheinigung eigentlich erst ein Thema sein, falls nach der Besichtigung ernsthaftes Interesse an der Wohnung besteht. Vorher dürfen Eigentümer offiziell nicht danach fragen. So sehen es die Datenschutzregeln vor.

Obwohl kein Auskunftsanspruch bestehe, „haben Mieter oft keine andere Wahl als die Unterlagen vorzulegen, da sie andernfalls keine Chance auf die Anmietung der Wohnung haben“, sagt Jutta Hartmann vom Deutschen Mieterbund (DMB) in Berlin.

Mieter muss zum Objekt und zur Nachbarschaft passen

Von den Angaben versprechen sich Eigentümer frühzeitig einen Hinweis darauf, ob Kandidaten ihren Vorstellungen vom idealen Mieter entsprechen. Der soll üblicherweise nicht nur zum angebotenen Objekt, sondern auch zur Nachbarschaft und natürlich zum Vermieter selbst passen. Der Abgleich „ist das wichtigste Kriterium bei der Auswahl“, sagt die Hamburger Maklerin Simone Foth, die als Sozialbotschafterin im Immobilienverband Deutschland (IVD) fungiert. Es geht um Homogenität und Konfliktvermeidung.

Aus Wohnungsinseraten lässt sich aber nicht immer klar herauslesen, was erwartet wird. Das erschwert es Interessenten, einen Treffer zu landen. Foths Erfahrung nach bewerben sich viele deshalb blind. Die Maklerin rät, trotz allem genau zu lesen. Denn auch indirekte Hinweise können helfen: Eine als verkehrsgünstig gelegen beschriebene Lage ist nichts für Ruhebedürftige, eine ruhige Anlage taugt kaum für Familien.

Bewerbung so sorgfältig vorbereiten wie für den Job

Die meisten Wohnungssuchenden wenden sich zunächst über Internet und Mail an den Vermieter. Schon bei diesem Kontakt sollte das Anschreiben so sorgfältig abgefasst sein wie bei der Bewerbung um einen neuen Job: Der Text sachlich und knapp, um dem Leser bei der Vielzahl von Bewerbern Zeit zu sparen, der Inhalt möglichst frei von Rechtschreibfehlern.

Auf diejenigen, die gleich alle Unterlagen mitschicken, zielen Anbieter digitaler Bewerbungsmappen. Sie werben damit, dass Vermietern von Anfang an ohne großen Aufwand sämtliche Unterlagen zur Verfügung stehen, wodurch der Wohnungskandidat eine bessere Startposition gewinnen könne. Darüber hinaus kann das abgespeicherte Profil in der Regel mehrfach verwendet werden, was wiederum Bewerbern Arbeit erspart.

Von solchen Angeboten hält Maklerin Foth wenig. „Ich gucke nicht rein“, sagt sie. Sie bevorzugt den direkten persönlichen Kontakt. „Das ist zeitlich effizienter, als sich durch Datenmüll zu arbeiten“, sagt sie. Unter vier oder sechs Augen können Bewerber auch mit Qualitäten jenseits perfekter Unterlagen überzeugen: zum Beispiel mit Sympathie und Hilfsbereitschaft.

© dpa-infocom, dpa:220524-99-413210/4

(dpa)