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Düsseldorf: Kleine Bäumchen mit hohen Ansprüchen: Der Bonsai will Aufmerksamkeit

Düsseldorf : Kleine Bäumchen mit hohen Ansprüchen: Der Bonsai will Aufmerksamkeit

Bonsai ist eine Gartenkunst für Zimmerpflanzen. Gehölze werden durch das Schneiden der Zweige und der Wurzeln in eine Miniaturform gebracht. Landläufig verstehen Hobbygärtner unter einem Bonsai auch das winzige Gewächs selbst, das so gepflegt ist.

Seit Jahrhunderten wird die Kultur um die kleine Topfpflanze in Japan und China gepflegt - und nach und nach haben sie auch einen Platz auf unseren Fensterbänken gefunden.

Die Miniaturbäumchen verschiedenster Arten lassen sich gut gestalten, und sie sind besonders langlebig. Aber: „Dass Indoor-Bonsais sehr anspruchsvoll sind, wissen die meisten Schenkenden und Beschenkten nicht”, sagt Werner Busch, Fachbuchautor aus Düsseldorf. Gerade im Winter brauchen diese grünen Kunstwerke viel Aufmerksamkeit.

„Im Raum sind die klimatischen Bedingungen oft so ungünstig, dass man einfach froh sein muss, wenn die Gewächse überleben”, erläutert Busch. Sowohl Licht- als auch Feuchtemangel machen dem Bonsai zu schaffen - vor allem jenen Pflanzen, die aus tropischen oder subtropischen Gefilden stammen. Am ehesten kommen die klassische Birkenfeige und verwandte Arten zurecht.

Wenn es ohnehin nur wenige Stunden hell ist und das Tageslicht noch dazu nicht mehr so stark ist, muss es voll ausgeschöpft werden. Direkt am Fenster, jedoch nicht in der prallen Sonne ist daher der beste Platz. „Wenn die Pflanze auch nur einen halben Meter vom Fenster entfernt platziert wird, erhält sie 50 Prozent weniger Licht, als sie eigentlich brauche”, erklärt Klaus Willberg, Präsident des Bonsai-Club Deutschland aus München.

Wenn dem Bonsai wild Triebe sprießen, ist das ein Hilferuf: Das Gehölz sucht Sonne. Dann genügt das Tageslicht nicht oder der Fensterplatz liegt zu sehr im Schatten - etwa durch Häuser in der Nachbarschaft. Helfen kann eine zusätzliche Blumenlampe aus dem Fachhandel. „Wir machen gute Erfahrungen mit einfachen LEDs”, sagt Michaela Pieper von der Bonsai-Schule in Enger (Nordrhein-Westfalen). Die Produkte seien zwar teuer in der Anschaffung, jedoch langlebig und sparsam im Energieverbrauch. „Ein wichtiger Vorteil ist: Sie geben keine Wärme ab.”

Dennoch sollte so eine Lichtquelle der Pflanze nicht zu nahe kommen, sonst verfärben sich die Blätter. Steht der Bonsai im Fenster, kommt künstliche Beleuchtung am besten auf die gegenüberliegenden Seite. Hat das Gewächs einen Platz tiefer im Raum, sollte der Lichtschein von oben herabfallen. Pieper empfiehlt, die Lampe mit Hilfe einer Zeitschaltuhr so zu programmieren, dass der Lichtrhythmus den Tageszeiten angepasst ist.

Mindestens genauso problematisch wie der Lichtmangel ist für den Zimmerbonsai trockene Raumluft. „Ideal für die Pflanzen, aber auch für uns Menschen wäre eine Luftfeuchte von mindestens 45 bis 50 Prozent - die ist aber im Winter nie vorhanden”, sagt Willberg. Also sollten Hobbygärtner das Beste aus den ungünstigen Bedingungen machen: „Die Luftfeuchte lässt sich ein wenig verbessern, indem der Bonsai in der Nähe eines Aquariums platziert wird”, sagt Bonsaiexperte Busch.

Eine beliebte Methode ist auch, eine Schale mit dem Bonsai auf ein wasserdichtes Tablett zu stellen, das mit feinem Kies oder Blähton gefüllt ist. Das Granulat sollte feucht sein - so verdunstet und erhöht es die Luftfeuchtigkeit direkt bei der Pflanze. Der Zimmerbonsai ist außerdem dankbar, wenn er ab und zu eine Dusche bekommt oder mit Wasser besprüht wird.

Beim Gießen heißt die Devise: Feucht, aber nicht nass halten. „Wenn die Oberfläche des Substrates abgetrocknet ist, sollte gewässert werden”, erläutert Willberg. Angesichts des geringen Substratvolumens kann das durchaus tägliches Gießen bedeuten. Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn staut sich das Wasser, können die Wurzeln faulen.

Im Winter dürfen sich Hobbygärtner nicht verunsichern lassen: „Die Pflanze reduziert aufgrund der wenigen Sonnenstunden ihr Laub und reguliert ihren Stoffwechselhaushalt auf diese Weise selbst”, erklärt Pieper. „Viele Hobbygärtner sind dadurch verunsichert und meinen, besonders viel gießen zu müssen.”

Sie rät, die Pflanze in der Küche oder auch im Bad zu wässern. Denn über einem Becken könne man sofort erkennen, wenn unten aus dem Topf Wasser heraustropft - ein Zeichen, dass die Pflanze genug hat. „Mit Gießbällen mit einer feinen Brause kann man die Wassermenge sehr sorgfältig dosieren”, nennt Pieper eine Alternative zur Gießkanne. Optimal ist der Bonsai mit Regenwasser oder abgestandenem Leitungswasser versorgt.

Im Sommer wie im Winter braucht der Minibaum alle zwei Wochen Dünger, beispielsweise einen mineralischen Flüssigdünger. Und auch den Schnitt darf der Hobbygärtner in der kalten Jahreszeit nicht vergessen - etwa alle vier Wochen, um die Form zu erhalten, sagt Busch. „Dabei kann man wenig falsch machen, wenn man vom Neuaustrieb immer mindestens ein Blatt stehen lässt.”

Dann schauen sich Hobbygärtner am besten auch die Blätter und Ästchen an und suchen sie nach Schädlingen ab. Braune Flecken auf der Blattunterseite weisen auf Schildlausbefall hin. Dagegen wirken Kombi-Stäbchen sehr gut, sagt Busch. Spinnmilben müssen umgehend mit Spezialpräparaten behandelt werden. Wind härtet die Gewächse im Freien ab, und so gestärkt können sie Schädlinge abwehren. Wer seinem Bonsai im Zimmer etwas Gutes tun will, könne das mit einem Ventilator mit einer Zeitschaltuhr nachahmen, erläutert Busch.

Haben die lebenden Kunstwerke die kalte Jahreszeit überstanden, kommen sie am besten für den Sommer ins Freie. Dort ist das Licht immer besser als in einem Zimmer. Und die Gehölze können für den nächsten strapaziösen Winter Kraft sammeln.

(dpa)