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Kaufen oder nicht? Auswirkung des Coronavirus auf Immobilienmarkt

Auswirkung des Coronavirus auf Immobilienmarkt : Kaufen oder nicht?

Der Coronavirus wirbelt auch die Immobilienbranche durcheinander. Experten vermuten, dass die Bautätigkeiten zwar nicht gestoppt, aber stark gebremst werden können. Welche Auswirkungen zeigen sich auf dem Immobilienmarkt und welche Entwicklungen sind zu erwarten?

Gewerbeimmobilien-Besitzer unter Druck

Der Staat hat flächendeckend Betriebe schließen lassen und zahlreiche Geschäftsinhaber können Mieten ihrer Gewerbeimmobilien nicht mehr begleichen. Sie bitten Vermieter um Stundung. Der Gesetzgeber hat beim Rettungspaket die Vermieter vergessen, denn auf der einen Seite hat sie die Kündigungsmöglichkeiten für Vermieter eingeschränkt, auf der anderen Seite aber müssen Vermieter Zahlungsverpflichtungen bei Kreditinstituten erfüllen.

Die Branche steht Kopf und verlangt Nachbesserung, denn sie fühlt sich übergangen. Einnahmeausfälle werden steigen, Leerstandsquoten in Gewerbeimmobilien ebenfalls und das wiederum führt dazu, dass Verbindlichkeiten gegenüber Banken nicht mehr erfüllt werden können. Diese Situation schlägt sich auch an der Börse nieder.

Eine Performance von Immobilienfonds von drei Prozent wie im Jahr 2017 ist in weite Ferne gerückt. Investoren sehen ihre Geldanlagen in Immobilienfonds gefährdet, weil die Wertpapiere deutliche Einbrüche zu verzeichnen haben. Der DAX ist ebenfalls eingebrochen, und zwar stärker als in der damaligen Finanzkrise 2008.

Foto: michaelmko / Pixabay.com

Immobilienbasierte Aktien und Wertpapiere zu kaufen ist in der jetzigen Phase möglicherweise langfristig eine denkbare Strategie für einen Vermögensaufbau. Denn dass sich die Wirtschaft langfristig wieder erholen wird und mit ihr die Aktien steigen, ist sehr wahrscheinlich. Allein der Zeithorizont ist unklar.

Privater Wohnungsmarkt vergleichsweise stabil

Offensichtlich ist die Corona-Krise noch nicht am Wohnungsmarkt angekommen, dafür ist es vielleicht auch noch zu früh. Im Gegensatz zu den Kapitalmärkten dauert es in der Regel einige Zeit, bis Wirtschaftskrisen sich am Immobilienmarkt bemerkbar machen.

Ein Blick auf die Preise für Wohnimmobilien lässt erkennen, dass extreme Schwankungen bislang nicht eingetreten sind. Wer sich über die aktuellen Preise informieren will, kann dies unter quadratmeterpreise.de tun. Um einzuordnen, in welcher Wohnlage welche Preise gelten, hilft die Website bodenrichtwert.de weiter. Die Bodenrichtwerte sind keine Preisempfehlung, doch sie helfen bei der Einordnung von Verkaufspreisen. Mit ihrer Hilfe können Immobilienkäufer und Verkäufer abschätzen, welcher Verkaufs- bzw. Kaufpreis realistisch und angemessen ist. Eine Kontrolle beider Werte dient zur Unterstützung, um ein Kaufangebot zu prüfen bzw. einen Verkaufspreis festzusetzen.

Lage generell stabil, Ausnahmen sind möglich

Üblicherweise werden Angaben in Bodenrichtwertkarten im Zweijahresrhythmus aktualisiert. Die Quadratmeterpreise können sich aber regional und auch im Einzelfall kurzfristig stark verändern. Das trifft beispielsweise dann zu, wenn ein Verkäufer gezwungen ist, eine Immobilie abzustoßen - beispielsweise, weil seine Gewerbeimmobilien keine Einnahmen mehr abwerfen und er dringend flüssiges Kapital benötigt. Wer unter Druck verkauft, verkauft oft günstiger.

Vorsichtige Immobilienbesitzer warnen davor, dass die Krise mit Verzögerung eintreffen wird. Sie weisen auf die Gefahr hin, dass die hohen Immobilienpreise sich nicht mehr halten können und reden davon, dass „eine Immobilienblase platzt“.

Experten erwarten keine einschneidenden Veränderungen

Die Experten des Instituts der deutschen Wirtschaft im Fachbereich Finanz- und Immobilienmärkte steuern gegen. Der Geschäftsbereichsleiter Michael Voigtländer sagt auf iwokoeln.de, er sehe nicht, dass eine Spekulationsblase am deutschen Immobilienmarkt entstanden wäre. Aus seiner Sicht waren die Banken bei der Vergabe von Immobiliendarlehen sorgfältig und hätten wie gewohnt nach eingehender Prüfung Darlehen vergeben. Auch sei in der Vergangenheit keine übermäßige Bautätigkeit entstanden. Von dieser Warte aus betrachtet ist der Fachmann der Meinung, dass einschneidende Korrekturen am Wohnimmobilienmarkt durch die Corona-Krise nicht zu erwarten sind.

Corona-Krise hinterlässt vermutlich leichte bis mittlere Spuren

Vor dem Hintergrund der aktuell unklaren Situation könnte es geschehen, dass Privatinvestoren vorerst abwarten, wie die Entwicklung weitergeht. Für private Bauherren gilt außerdem, dass sich die Baustellenplanung verändert. Sie müssen mit Verzögerungen rechnen, denn zahlreiche Handwerksunternehmen haben ihre Aktivitäten auf den Baustellen minimiert oder komplett eingestellt.

Sollte die Bundesregierung entscheiden, dass an die Zeit der sozialen Kontaktsperre ein landesweites Ausgangsverbot angeschlossen wird, dürften die Bautätigkeiten für neue Immobilien erst einmal zum Stillstand kommen. Die Dauer der wirtschaftlichen Einschränkungen wird darüber entscheiden, wie stark sich die Corona-Krise auf den Immobilienmarkt auswirkt. Klar ist schon heute, dass die Spuren umso tiefer werden, je länger die gebremste wirtschaftliche Tätigkeit anhält.

Baugeld bleibt günstig

Diejenigen, die kurz bis mittelfristig die Anschaffung einer Immobilie planen, können vermutlich auf günstiges Baugeld zurückgreifen. Denn dass die Bauzinsen in naher Zukunft anziehen, ist unwahrscheinlich. Finanzexperten gehen davon aus, dass die derzeit unsichere Situation dazu beiträgt, dass sich an den Zinsen vorläufig nicht verändert. Manche erwarten sogar, dass die Zinsen wieder fallen werden, weil die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen gestiegen ist - das wirkt sich auch auf die Bauzinsen aus.

Tatsächlich ist es im März 2020 so, dass Anleger vorwiegend Papiere kaufen, die als sicher eingestuft werden, zum Beispiel zehnjährige Bundesanleihen. Die Rendite dieser Papiere ist in der 2. März Hälfte auf den negativen Wert von -0,86 % gefallen. Banken kalkulieren die Höhe der Bauzinsen in Anlehnung an Pfandbriefe, die wiederum an die Bundesanleihen gekoppelt sind. Durch diesen Dominoeffekt sind die Bauzinsen im März auf 0,41 % gefallen und werden nach Expertenmeinung bis auf Weiteres dort verweilen und keine nennenswerten Anstiege erleben. Auf zinsentwicklung.de sind aktuelle Zahlen in einer Grafik dargestellt.

Immobilienangebot wird breiter

Einige Immobilienbesitzer werden von der Corona-Krise auf die eine oder andere Weise betroffen sein. Diejenigen, die ihren Job oder den Hauptverdiener der Familie verlieren, werden ihre Immobilie verkaufen müssen. Auch Gewerbeimmobilienbesitzer, deren Einnahmen durch ausbleibende Mieten und Pachten stark leiden müssen nach Lösungen suchen. Einige werden sich von Wohnimmobilien trennen müssen, um ihre wirtschaftliche Existenz abzusichern.

So schwer es für die Betroffenen auch ist: Des einen Freud ist des anderen Leid, und auch dadurch ist ein breiteres Angebot auf dem Immobilienmarkt zu erwarten. Mit Blick auf die sinkenden Zinsen ist ein Immobilienkauf in den nächsten 18-36 Monaten und vermutlich noch darüber hinaus aus ökonomischer Sicht zu empfehlen. Allerdings ist es ratsam, die erste Panik abzuwarten und erst dann aktiv zu werden, wenn sich das gesellschaftliche Leben wieder auf ein gewisses Normalmaß eingependelt hat.

(vo)