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Kaltwaschsalon in Hamburg: Alles mit nur 30 Grad waschen?

Aktionswochenende : Kaltwaschsalon in Hamburg: Alles mit nur 30 Grad waschen?

Die Waschmaschinen lassen sich nicht höher als 30 Grad einstellen: In Hamburg öffnet ein Kaltwaschsalon. Die mehrtägige Aktion soll vor Ort überzeugen, dass das Waschen bei niedrigen Temperaturen meist reicht. Experten erklären, was das für Geldbörse und Umwelt bringt.

Wäsche wird auch schon bei niedrigen Temperaturen richtig sauber - davon soll der laut Initiatoren erste Kaltwaschsalon Deutschlands in Hamburg die Verbraucher überzeugen.

Bei der Aktion im Stadtteil Winterhude laden die Umweltstiftung WWF und Ariel (Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble) von Freitag bis Sonntag (30. September bis 3. Oktober) Bürger ein, kostenlos zu waschen - allerdings lassen die Waschmaschinen sich nur auf höchstens 30 Grad einstellen. Privaten Haushalten soll bei der nun vorgestellten Idee gezeigt werden: Kaltwaschgänge sparen Energie, schonen den Geldbeutel und die Umwelt.

„Viele Menschen glauben, wenn man besonders warm wäscht, wird es hygienischer“, sagt Christoph Heinrich, Geschäftsführender Vorstand beim WWF. „Wir wollen den Menschen verdeutlichen, wie hygienisch und energiesparend Waschgänge bei niedrigen Temperaturen sind.“ Ob Unterwäsche oder Handtücher - das könne man problemlos mit 30 Grad waschen.

Waschen bei 30 Grad funktioniert meist gut

Der Waschsalon im modernen Design bietet den Angaben zufolge zahlreiche Informationen, Helfer stehen für Fragen bereit. „Wir erläutern, warum Waschen bei 30 Grad gut funktioniert und wir sagen natürlich auch, wann es nicht geht - etwa wenn Sie zuhause einen Norovirus-Fall haben oder jemand sehr immungeschädigt ist“, sagt Gabriele Hässig, Geschäftsführerin Kommunikation und Nachhaltigkeit bei Procter & Gamble. „In Deutschland werden jährlich 20 Millionen Tonnen Wäsche gewaschen. Deshalb ist es wichtig, jetzt alle Haushalte zu erreichen und die Menschen mitzunehmen.“

Der Kaltwaschsalon ist Teil der im Juli gestarteten Kampagne „#Wirdrehenrunter“ des Konsumgüter-Konzerns und der Umweltstiftung. Eine Erhebung zur Kampagne zeigt, dass Wäsche in Deutschland aktuell bei durchschnittlich 43,18 Grad gewaschen wird. Es brauche unglaublich viel Energie, um das Wasser beim Waschen zu erhitzen, erklärt Heinrich vom WWF. Werde die Temperatur von 60 Grad auf 30 Grad runtergedreht, senke das die CO2-Emissionen um bis zu 60 Prozent.

Die Botschaft, dass angesichts moderner Waschmittel niedrige Temperaturen bei normal verschmutzter Wäsche reichen, ist nicht neu. „Es gab immer mal wieder Initiativen zum Kaltwaschen, doch echte gesellschaftliche Verhaltensänderungen sind schwierig“, sagt Hässig.

Umweltschützer hoffen auf ein Umdenken

Da Energiesparen und Klimaschutz derzeit wichtige Themen in der Gesellschaft sind, hoffen Umweltschützer, dass es nun verstärkt zu einem Umdenken kommt. „Wir wollen mit Hilfe von zwei wissenschaftlichen Instituten auch messen lassen, ob es bei den Verbrauchern eine Verhaltensänderung gibt“, berichtet Heinrich.

Auch das Umweltbundesamt (UBA) betont, Buntwäsche wie Oberbekleidung, Unterwäsche oder Socken könne man problemlos bei 30 statt 40 Grad waschen. Die meisten bunten Textilien seien schon von Hersteller-Seite auf 30 Grad ausgewiesen. Auch Waschlappen und Handtücher brauchen Familien nicht anders zu behandeln - solange niemand krank ist, wie UBA-Experte Marcus Gast auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur erklärt. Aber er macht einige Einschränkungen: „Wenn es um Weißwäsche geht, sollte eher auf 40 Grad mit einem Vollwaschmittel gewaschen werden, weil so das Bleichmittel besser aktiv ist.“

Waschen mit 60 Grad nicht immer vermeidbar

Geschirrtücher oder Babylätzchen: „Immer wenn etwas einen höheren Hygieneanspruch hat, weil es mit Lebensmitteln oder mit dem Mund in Kontakt kommt, doch lieber 60 Grad und ein bleichhaltiges Vollwaschmittel nutzen, weil bei dieser Temperatur das Bleichmittel Keime besser abtötet.“ Wichtig auch: „Wenn Menschen verschiedener Haushalte eine Waschmaschine gemeinsam nutzen, besteht eine Verantwortung der Bewohner, die Wäsche anders zu behandeln, wenn ein Kranker im Haus ist.“

Generell gilt: „Es ist wichtig, einmal im Monat mindestens ein 60-Grad-Programm mit entsprechendem bleichhaltigem, pulverförmigen Vollwaschmittel durchlaufen zu lassen“, sagt Gast. „Damit die Maschine nicht leer läuft, könnten dann beispielsweise Putzlappen gewaschen werden, welche sowieso bei 60 Grad gewaschen werden sollten.“

© dpa-infocom, dpa:220927-99-919762/2

(dpa)