1. Leben
  2. Bauen und Wohnen

Bonn: Kältetod im Wohnzimmer: Winter belastet Zimmerpflanzen

Bonn : Kältetod im Wohnzimmer: Winter belastet Zimmerpflanzen

Man mag es kaum glauben, aber: Zimmerpflanzen können im warmen Wohnzimmer erfrieren. Und zwar, wenn ihre Blätter an der eiskalten Scheibe liegen. Und noch mehr Gefahren drohen den grünen Mitbewohnern den Winter über im Haus.

„Doch das Lichtangebot an Wintertagen mit nur fünf Stunden Helligkeit ist ihnen zu gering”, erläutert Markus Gregg vom Bundesverband Raumbegrünung und Hydrokultur in Bonn. „Außerdem belastet sie die trockene Heizungsluft.” Damit die grünen Mitbewohner die Wintermonate gut überstehen, brauchen sie nun besondere Aufmerksamkeit.

- Lichtmangel: Zimmerpflanzen müssen das wenige Tageslicht voll ausnutzen. Deshalb sollten sie so nahe wie möglich am Fenster stehen, am besten ohne Gardine oder Jalousie dazwischen. Denn diese können wertvolles Licht wegnehmen. Wenn sich sogar noch ein Plätzchen an einem Fenster zur Südseite findet - umso besser.

„In vielen Wohnungen finden sich heute kaum noch Pflanzen auf den Fensterbänken, sondern eher ein oder zwei große Gefäße mitten im Raum”, sagt Olaf Beier vom Bundesverband der Einzelhandelsgärtner in Berlin. In der Tiefe des Raumes erreicht im Winter das ohnehin magere Licht diese grünen Mitbewohner kaum.

Sie sollten in dieser Zeit ebenfalls so nahe wie möglich ans Fenster gerückt werden. Zahlreiche Gewächse wie der Philodendron wachsen sehr gerne zum Licht hin. „Sie müssen ab und zu gedreht werden, sonst guckt man ihnen immer in den Rücken”, erläutert Gregg.

Ein Zuviel an Sonne gibt es in der ersten Hälfte des Winters kaum. Nur eines kann gefährlich werden: Bleibt Gießwasser auf den Blättern oder Pflanzenteilen, kann es die Sonnenstrahlen verstärken - die Tropfen wirken wie ein Brennglas. Wenn die Sonne zum Frühjahr hin wieder stärker wird, ist grundsätzlich Vorsicht geboten. „Im Februar oder März kann sie an einem Südfenster leicht zu Verbrennungen führen”, warnt Markus Gregg.

Dann ist etwas Abstand zur Scheibe sowie ein Platz an einem West- oder Ostfenster besser. Eine wichtige Pflegemaßnahme ist darüber hinaus regelmäßiges Abstauben. Ist das Blattgrün mit einer Staubschicht überzogen, kann es die lebensnotwendige Photosynthese nicht durchführen.

- Kälteschäden: Im ersten Moment klingt es absurd, doch im Winter besteht durchaus in manch einem Wohnraum Erfrierungsgefahr für Pflanzen. „Wenn Blätter längere Zeit an eine kalte Fensterfläche lehnen, werden sie weich und erfrieren”, sagt der Raumbegrüner Gregg. Mit einigen Zentimetern Abstand sind die Gewächse in Sicherheit.

Kälte droht mancherorts auch von unten. „Schlecht isolierte Stein- oder Marmorfensterbänke sorgen dafür, dass die Pflanzen kalte Füße haben”, erklärt Beier. Bei empfindlichen Gloxinien oder Usambaraveilchen könne das zu sogenannten Wuchsdepression führen. Die Pflanzen gedeihen nicht mehr gut.

Der Gärtnermeister empfiehlt deshalb, die Gefäße in Untersetzer zu stellen und diese zusätzlich mit Filzgleitern zu versehen. Auch Styroporuntersetzer halten warm. Dieser Schutz sei ebenfalls gut für größere Töpfe, die auf Stein- oder Fliesenboden stehen. Denn kalte Luft fällt im Raum immer nach unten.

Und schließlich kann auch kalte Luft beim Lüften den Erfrierungstod bringen: „Einmal Lüften bei Minusgraden und der Farn macht den Abgang”, sagt Karen Falch von der Saarländischen Gartenakademie in Lebach. Sie rät, alle Pflanzen aus der direkten Zugluft zu stellen. Gegen die zwar nicht tödliche, aber doch schädliche Kälte durch Verdunstung schützen Übertöpfe.

- Raumfeuchte: Trockene Heizungsluft macht den Pflanzen zu schaffen. „Ideal wäre eine relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent”, sagt Gregg. Und das ist auch das Maß, dass grundsätzlich in Wohnräumen eingehalten werden sollte. Bewohner können dies mit einem Hygrometer kontrollieren. Die Luftfeuchtigkeit in der Umgebung der Pflanzen erhöhen die Bewohner am besten mit Nebel aus der Sprühflasche: Die Pflanzen mögen eine Dusche mit lauwarmem, am besten kalkarmem Wasser.

Ab und zu können sie auch mal komplett und ausgiebig in der Wanne oder Dusche abgebraust werden. Damit das Substrat dabei nicht fortgespült wird, sollte es mit einer Folie abgedeckt werden. Wassertöpfchen zwischen den Blumen geben Feuchtigkeit an die Raumluft ab. „Eine gute Idee ist auch, etwas größere Übertöpfe zu wählen, in diese unten zum Beispiel durch Steine eine Erhöhung einzubauen und dann so viel Wasser aufzufüllen, dass ausreichend Abstand zum Boden des Pflanzgefäßes besteht”, schlägt Gartenberaterin Falch vor.

- Gießrhythmus: Außerhalb der Wachstumsperiode brauchen Pflanzen deutlich weniger Wasser. Daran muss der Gießrhythmus angepasst werden. „Am besten man wässert nur dann, wenn das Substrat kaum noch feucht ist”, empfiehlt Gärtnermeister Beier. Bei Pflanzen in Hydrokultur gibt der Wasserstandsanzeiger Orientierung. Bei zu viel Wasser besteht die Gefahr, dass sich im oder auf dem Granulat Schimmel bildet und die Blätter verfaulen.

- Schädlinge: Sobald die Lebensbedingungen einer Pflanze nicht optimal sind, wird sie leicht Beute von Schädlingen. „Typische Winterschädlinge sind Spinnmilben und Thripse”, sagt Falch. „Sie mögen die trockene Heizungsluft.” Sobald Hobbygärtner rote, gelbliche oder gräuliche Punkte oder auch feine Gespinste an der Blattunterseite entdecken, müssen sie handeln und die Schädlinge bekämpfen.

Außerdem sollte die betroffene Pflanze von ihren Nachbarn isoliert werden - diese könnten sich anstecken. Aber der Hobbygärtner kann auch vorbeugen: Besprüht er auch immer die Unterseite der Blätter, macht er den Tierchen zumindest das Leben schwer.

(dpa)