Berlin: Jede Minute zählt: Was beim Rohrbruch zu tun ist

Berlin: Jede Minute zählt: Was beim Rohrbruch zu tun ist

Tropfen um Tropfen wird der Schaden größer. Im Vorborgenen hinter einer Wand brechen Wasserleitungen, oder ein Rohr wird an einer winzigen Stellen beschädigt - bis der Bewohner das bemerkt, steht das Wasser schon im Haus, hat vieles beschädigt. Und das kommt gar nicht so selten vor.

Rund 1,3 Millionen Schäden durch Leitungswasser wurden den deutschen Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen 2013 gemeldet, berichtet Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Sie verursachten Kosten von mehr als 2,1 Milliarden Euro. Wer im Notfall schnell und sachgemäß reagiert, kann den Schaden aber begrenzen.

- Schritt 1: Der Schaden muss schnell eingeschätzt werden. Bei einem Rohrbruch im Keller ist die Feuerwehr gefragt. „Wenn das Wasser 30 oder 40 Zentimeter hoch steht, hat es oft Steckdosen oder elektrische Leitungen erreicht“, erläutert Hartmut Ziebs vom Deutschen Feuerwehrverband. „Wer da einfach rein marschiert, riskiert einen elektrischen Schlag.“ Auch beim schnellen Abpumpen großer Wassermassen hilft die Feuerwehr. Kleineren Wassermengen wird man mit Pumpe, Nass-Trocken-Sauger oder Lappen und Eimer Herr.

Weniger dramatisch ist die Lage, wenn es sich um eine kleine Leckage handelt. „Wenn man einen Rohrbruch entdeckt, sollte man am besten den betroffenen Leitungsabschnitt absperren, bis der Handwerker kommt“, sagt Matthias Wagnitz vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima. „Den sollte man allerdings auch sofort rufen.” Besondere Eile ist geboten, wenn Wasser aus der Decke kommt oder eine Wand durchnässt ist. „Das sind Zeichen, dass bereits große Wassermassen im Gebäude sind.“

- Schritt 2: Um einen Kurzschluss und Stromschlag zu vermeiden, werden alle Elektrogeräte abgesichert und der Strom abgestellt. Gefahrengüter wie Chemikalien oder Öl müssen schnellstmöglich raus aus dem Raum, bewegliche Güter werden gesichert.

- Schritt 3: GDV-Sprecherin Jarosch rät, schnell die Versicherung zu kontaktieren. „Dabei geht es nicht nur darum, den Schaden zu melden. Der Versicherer kann auch bei der Dokumentation und bei der Schadensregulierung hilfreiche Tipps geben.“ Sicher gut ist, direkt den Schaden mit Bildern zu dokumentieren.

- Schritt 4: Nach der ersten Reparatur wird aufgeräumt - aber auch das nur in Absprache mit der Versicherung. Sie kann darauf bestehen, den Schaden erst zu begutachten. Damit so viel Luft wie möglich an alle durchfeuchteten Oberflächen gelangt, wird der betroffene Bereich möglichst leer geräumt. „Holzständerkonstruktionen beispielsweise sollten freigelegt werden, damit sie vollständig trocknen können“, erläutert Corinna Kodim vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland.

Aber: Stark durchfeuchtete oder mehrschichtige Bauteile werden durch Lüften - auch mit einem Kondensationstrockner - kaum vollständig trocknen. Hier muss eine auf Gebäudetrocknung spezialisierte Firma beauftragt werden. Das schützt auch die Bewohner: „Größere Wassermassen im Haus sind schlecht für die Atemluft und die Bausubstanz“, sagt Wagnitz. „Sie sind die Basis für Schimmelbildung.“

- Vorsorge: Heute seien Alterserscheinungen von Kupfer, Edelstahl oder Kunststoff nur noch selten die Ursache von Rohrbrüchen, erklärt Wagnitz. Doch bei der Verlegung können Fehler passieren, später kann eine vergessene oder fehlerhaft ausgeführte Löt- oder Pressnaht bersten. Die Experten empfehlen deshalb, beim Neubau oder Leitungsaustausch das ganze System einer Druckprobe zu unterziehen. „Damit werden Leckagen an Verbindungsstellen sichtbar“, so Kodim.

Beim Kauf eines Altbaus sollte geklärt werden, ob es an ungedämmt verlegten Rohren Korrosionsschäden gibt. Feuchte Stellen an Decken oder Wänden sind Alarmzeichen, hier sollte der Fachmann genauer hinschauen. Doch bei Altbauten liegen oft keine Installationspläne vor - dann müssen Handwerker vorsichtig sein, damit sie beim Bohren keine Leitung erwischen. „Meist werden Rohrbrüche durch mechanische Beschädigungen verursacht“, weiß Wagnitz.

Der Hausbesitzer muss immer einen Wintercheck machen. Denn gefriert das Wasser in den Leitungen, können diese platzen. Am besten werden gefährdete Leitungen im Freien im Herbst entleert und möglichst abgestellt. Dachrinnen und Fallrohre müssen frei von Laub und Schmutz sein, damit das Wasser ungehindert abfließen kann. Auch im Gebäude kann der Frost zuschlagen: „Bei Frost sind Kaltwasserleitungen in unbeheizten Räumen wie Dachboden, Keller oder Gästezimmer gefährdet“, erklärt Kodim. Dort müssen alle Fenster intakt und geschlossen sein. Falls vorhanden, sollte die Raumheizung auf niedrigster Stufe laufen.

In Räumen ohne Heizung sind Rohrdämmungen zwar hilfreich. Doch sie verzögern das Gefrieren von stehendem kaltem Wasser in der Leitung nur. „Auf der sicheren Seite ist man nur mit einer Kombination aus Rohrbegleitheizung und Dämmung“, sagt Kodim. Während des Winters werden am besten alle Rohre regelmäßig überprüft.

(dpa)
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