1. Leben
  2. Bauen und Wohnen

Münster: Gräser sorgen für das großes Finale im Beet

Münster : Gräser sorgen für das großes Finale im Beet

Sie wehen sanft im Wind und gehören zu den eher unauffälligen Gestalten im Garten. Lange kamen Ziergräser nur als Beiwerk für blühende Stauden zum Einsatz, doch damit wird man ihnen kaum gerecht.

Denn die schlanken Pflanzen sind anspruchslos in der Pflege und bereichern durch ihre unterschiedlichen Größen, Farben und Formen den Garten bereichern. Jetzt - im Herbst - haben sie ihren großen Auftritt.

„Sie sind sowohl Hingucker als auch Ruhepol im Beet und vom Sommer bis spät in den Winter attraktiv”, sagt Melanie Wiethölter vom Botanischen Garten in Münster. Während im Sommer die eleganten Blütenstände im Wind wehen, fallen im Herbst die schönen Goldschattierungen der Halme auf. „Im milden Winterlicht ist dann Raureif auf den Blättern und Fruchtständen sehr dekorativ.”

Gräser sollten in keinem Staudenbeet fehlen. Schon der Staudenzüchter, Schriftsteller und Philosoph Karl Foerster (1874-1970) warb für den Einsatz und fand Gärten ohne Gräser „grässlich”. Mit seinem Buch „Der Einzug der Gräser und Farne in die Gärten” und mit seinen zahlreichen Züchtungen besiegelte er das Ende ihres Schattendaseins. „Bis dahin gab es Gräser eigentlich nur im Rasen”, erläutert Wiethölter.

Inzwischen sind Gräser geradezu populär. Sie bringen eine grazile Leichtigkeit und Bewegung ins Staudenbeet, erläutert Ruth Bredenbeck, Leiterin der Gartenakademie-Thüringen in Erfurt. „Mit ihrer linearen Struktur eignen sie sich dabei sowohl für moderne formale Gärten, als auch für naturnahe Landhausgärten.” So passen sie zu Rosen und Stauden wie Astern, Rudbeckien und Helenium. „Die Braun- und Grüntöne der Herbstfärbung unterstreichen dabei das Lila und Blau der Astern und steigern sich gegenseitig in ihrer Wirkung.”

Inzwischen sind auch reine Gräsergärten auf dem Vormarsch. Und aus dem sogenannten Präriegarten, der der weiten Landschaft Amerikas nachempfunden ist und je nach Standort verschiedene nordamerikanische Pflanzengemeinschaften zeigt, sind Gräser nicht wegzudenken. „Zusammen mit der Stauden-Sonnenblume (Helianthus), der Prachtkerze (Gaura lindheimeri) und dem Patagonischen Eisenkraut (Verbena bonariensis) ergibt sich ein herrliches Bild”, erläutert Wiethölter.

„Ob im Schatten oder in der Sonne, feucht oder trocken, für alle Bereiche und für jeden Standort gibt es passende Gräser”, erklärt Ruth Bredenbeck. Sie empfiehlt, sich bei der Auswahl vom Stauden-Fachmann beraten zu lassen.

Wenn Gräser am für sie passenden Standort gepflanzt werden, sind sie anspruchslos und pflegeleicht. Sie benötigen wenig Dünger und müssen - je nach Sorte - selten gewässert werden. Hobbygärtner sollten sie erst im Frühjahr zurückschneiden, denn das Laub ziert den sonst strukturlosen winterlichen Garten und schützt sich selbst vor Frost.

Auch wenn Gräser im Herbst besonders attraktiv erscheinen, haben die Pflanzen die besten Startbedingungen, wenn sie im Frühjahr gesetzt werden. Für sonnige Standorte empfiehlt Bredenbeck Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides), Rutenhirse (Panicum virgatum), Pampasgras (Cortaderia selloana) oder Chinaschilf (Miscanthus sinensis Gracillimus). Für eher schattige bis halbschattige Standorte eignen sich verschiedene Seggenformen wie Riesensegge (Carex pendula), Breitblattsegge (Carex plantaginea) und Schattensegge (Carex umbrosa) sowie Zwergbambus (Pleioblastus pumilus) und Schneemarbel (Luzula nivea).

„Gräser schmücken durch ihr besonderes Laub und ihre Blüten”, beschreibt die Gartenexpertin. So reicht das Farbspiel von Dunkelgrün bis Maigrün, von Blau bis Graugrün und von Orange über Tiefrot zu Braun. Auch gestreifte und getupfte Blätter sind keine Seltenheit. „Kleinere Gräser pflanzt man am besten in Gruppen, größere zu dritt oder in Einzelstellung”, rät Bredenbeck.

„Wichtig ist, die Gräser nicht zu dicht zu pflanzen und im Beet nach Größen zu staffeln”, erklärt Wiethölter. Hohe Formen können als Solitär in den hinteren Bereich gepflanzt werden. Sie geben der Rabatte Struktur und Halt. „Das Riesen-Federgras (Stipa gigantea) hat hübsche, goldglänzende, haferähnliche Blütenrispen und kommt vor einem dunklen Hintergrund besonders gut zur Geltung.”

Hobbygärtner legen am besten auch auf die Farbzusammenstellung besonderes Augenmerk. So schwärmt Melanie Wiethölter von der schönen Farbzeichnung des Japanischen Blutgrases (Imperata cylindrica Red Baron), das im Laufe des Sommers in kräftigen Rottönen schillert. Es ist auch sehr gut für die Kübelpflanzung geeignet, da es in unseren Breiten nur bei gutem Schutz winterhart ist.

Ein richtiger Blickfang ist auch das Kleine Zebraschilf (Miscanthus sinensis Little Zebra). Es hat sehr elegante, bogig überhängende gestreifte Halme und blüht von bis Oktober silberweiß. Es erreicht eine Höhe von 90 bis 120 Zentimeter.

(dpa)