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Göttingen: Garantiert nicht zerbrechlich: Die Porzellanblume ist unverwüstlich

Göttingen : Garantiert nicht zerbrechlich: Die Porzellanblume ist unverwüstlich

Sie ist vor allem in Wintergärten beliebt: Die Porzellanblume zieren viele rosafarbene Blüten, die aussehen, als wären sie filigrane, zerbrechliche Kunstformen. Aber so zerbrechlich sie wirken, die Pflanze gilt als robust.

Hoya carnosa war viele Jahre lang die einzige Art dieser vielfältigen Gattung, die als Topfpflanze kultiviert wurde. „Die Artbezeichnung carnosa bezieht sich auf die Blütenfarbe”, erläutert Schwerdtfeger. Das Wort steht für fleischfarben, den Rosaton der Blüten. Sie duften kräftig und sondern reichlich Nektar ab. Ein Nachteil: „Der tropft dann herunter, so dass die ganze Fensterbank klebt”, so der Pflanzenexperte.

Das natürliche Verbreitungsgebiet reicht von den Regenwäldern im Nordosten Asiens bis nach Australien. Kultiviert werden sie in Europa laut Schwerdtfeger seit dem 18. Jahrhundert. Porzellanblumen leben nach Angaben von Brigitte Goss von der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim in der Natur als sogenannte Epiphyten - also in luftiger Höhe auf Bäumen. Das heißt, die Pflanzen wurzeln nicht in der Erde, sondern sitzen auf einer anderen Pflanze auf.

Die verdickten, mit einer Wachsschicht überzogenen Blätter verleihen den Pflanzen ein robustes Aussehen. „Obwohl die Porzellanblumen eine Luftfeuchte von etwa 60 Prozent bevorzugen, kommen sie im lufttrockenen Zimmer gut zurecht”, sagt Goss. Denn sie können laut Schwerdtfeger in dem dicken Gewebe ihrer Blätter Wasser einlagern. Hobbygärtner können die Pflanzen unterstützen, indem sie die Wurzeln in ein lockeres Substrat pflanzen, damit genügend Luft an sie gelangt.

Die Hoya benötigt viel Licht - vor allem zum Blühen, erläutert Goss. Von einem Platz mit praller Sonne raten allerdings beide Experten ab, da es sonst leicht zu Verbrennungen an den Blättern kommt. Auch wenn die Pflanze als robust gilt, brauchen Hobbygärtner Fingerspitzengefühl bei der Pflege - vor allem, wenn es um die Wasserversorgung geht: „Gießen Sie mit kalkarmem Wasser und lassen Sie den Topfballen danach abtrocknen”, erläutert Goss. Staunässe schade den Pflanzen.

Die Porzellanblumen sollten zwischendurch mit lauwarmem Wasser besprüht werden. Die Fach-Journalistin Goss rät, im Frühjahr und Sommer alle zwei Wochen einen handelsüblichen flüssigen Blumendünger zu geben. „Porzellanblumen mögen es gar nicht, wenn sie ständig an einen anderen Platz gestellt werden”, erläutert Goss. Nicht nur die Neubildung von Blüten leidet darunter, die Pflanze wirft auch ihre Blüten ab.

Fehler in der Pflege bemerkt der Hobbygärtner daran, dass sich keine Blüten bilden oder Krankheiten auftreten. Ursache für Blütenarmut können dunkle Standorte, Überdüngung und eine Verletzung der kurzen, verdickten Seitentriebe sein, an denen sich die Blütenansatzpunkte befinden.

Wenn die Pflanzen im Winter an zu warmen Standorten stehen, treten vor allem Wollläuse, Schildläuse und Spinnmilben auf. Fallen Blätter und sterben die Triebe ab, sollte man mit dem Finger in der Erde überprüfen, ob die Pflanze zu feucht steht. Denn Nässe führt zu den genannten Symptomen und zum Faulen der Wurzeln.

Das Schöne an der Pflanze ist, dass sie an ein und demselben Blütenstand immer wieder neue Blüten bildet. „Die Einzelblüte hält in der Regel etwa eine Woche”, erläutert Schwerdtfeger. Der Botaniker erklärt Hobbygärtnern: „Wenn die letzte Blüte abgefallen ist, wird der Blütenstand nicht abgeschnitten”.

Bilden sind an den langen Trieben zunächst nur winzige Blütenansätze, müsse man sich nicht wundern. Dies sei bei allen Hoya-Arten normal. „Die Blätter entwickeln sich erst viel später ? wenn überhaupt”, so der Botaniker.

Während sich Hoya carnosa im Winter mit einem eher kühlen Standort von cirka 14 Grad begnügt, sollte die Hoya bella in den Monaten etwas wärmer stehen. Diese schwächer wachsende Kleine Porzellanblume schmückt ihre weißen, wachsartigen Kronblätter mit zierlichen rosaroten Blütensternen. Als Hängepflanze empfiehlt Goss die Hoya linearis, die sich durch längliche, verdickte Blätter auszeichnet. Sie ist sehr robust und eignet sich auch für Zimmer, die im Winter geheizt werden.

Als Zimmerpflanze ist in den vergangenen Jahren die sogenannte Herzblattpflanze (Hoya kerrii) immer häufiger zu finden. Sie hat ihrem Namen entsprechend herzförmige Blätter, die man einzeln bewurzeln kann. Ein Blatt wird etwa zum Valentinstag oder Muttertag einfach in die Erde gesteckt - ein herzförmiges Geschenk mit Symbolkraft. Außer den Wurzeln gedeiht über viele Jahre allerdings nichts weiter, erläutert Schwerdtfeger.

Der Botaniker schwärmt, dass es neben den Zimmerpflanzen tolle Arten in Botanischen Gärten zu bewundern gibt. „Hoya imperialis stammt aus dem Regenwald und ist ein riesige Liane”, sagt Schwerdtfeger. Die Blütendolden sind gewaltig - und eine einzelne Blüte kann einen Durchmesser von gut fünf Zentimetern haben.

(dpa)