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Birsfelden: Flacher, kleiner, stylisher: Neue Schreibtische fürs Homeoffice

Birsfelden : Flacher, kleiner, stylisher: Neue Schreibtische fürs Homeoffice

Computer, Drucker und andere Bürogeräte werden immer kleiner. Daher brauchen Schreibtische heute nicht mehr so viel Fläche wie einst. Die neuen „Working Stations” sind schlanke Designerstücke, die sich vor allem für das Homeoffice hervorragend eignen.

„Die moderne Technik ist der entscheidende Faktor bei der Nachfrage nach kleinen Schreibtischen”, sagt Eckart Maise, Chief Design Officer von Vitra.

Das Schweizer Unternehmen hat analysiert, welche Wünsche die Verbraucher haben - egal, ob es ums Arbeiten zu Hause oder in der Firma geht. Dabei kam heraus, dass viele Menschen den großen Esstisch als Arbeitsplatz zweckentfremden. „Aber eigentlich hat doch jeder gerne einen Ort für seine Papiere”, sagt Maise. „Und da bieten sich kleine Schreibtische einfach an, um zusätzlich noch ein Notebook oder einen Tablet-Computer daraufzustellen.”

Oft ist gar nicht viel Platz für so ein Möbel im Haus - es steht nicht selten im Schlafzimmer oder im Flur. Die zeitgemäßen Entwürfe sind daher meist klein oder zumindest schlank. Sie lassen sich zusammenklappen oder an der Wand flach machen.

Der Zürcher Designer Christophe Marchand hat mit „Wogg 54” einen klaren und leichten Entwurf vorgestellt. Er besteht aus einem schwarz lackierten oder verchromten filigranen Stahlgestell und einem Korpus aus dünnen, weißen Verbundplatten. Ergänzt wird das Modell durch elegante schwarze Aufbewahrungskästen, die in die Nischen des Schreibtisches passen. „Zart und sorgfältig, präzise und leicht - das gefällt zur Zeit”, sagt Marchand. „Vor allem Frauen reagieren positiv auf diese puristische und geradlinige Ästhetik.”

Seine Inspiration hat der Designer aus der Vergangenheit: „Kleine persönliche Sekretäre sind - bei mir selbst und bei vielen Menschen - mit positiven Erinnerungen verbunden”, erläutert der Designer. „Früher war da der geschlossene Tisch, und darin waren kleine persönliche Schätze sowie die Wertsachen meiner Eltern.”

Der Berliner Designer Michael Hilgers hat im Januar auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne in Köln äußerst raffinierte Entwürfe für das Homeoffice vorgestellt: Der Sekretär „flatmate” ähnelt einem extrem flachen Schrank. Die Schreibplatte ist ausklappbar. Der Hersteller Müller Möbelwerkstätten wirbt damit, dass das Möbel im geschlossenen Zustand eine Grundfläche von lediglich 0,09 Quadratmeter beansprucht. Es schaffe „einen kleinen funktionalen Arbeitsplatz, der sich bei Nichtgebrauch einfach unsichtbar macht”, sagt Hilgers. „Ich finde sofort alles, was ich benötige, und verschwende für diese Teilzeitfunktion keinen wichtigen Lebensraum.”

Sein weiterer Entwurf „workframe” ist so etwas wie der kleine Bruder von „flatmate”. „Ich habe versucht, den Grundgedanken des minimalistischen Sekretärs so weit wie möglich auszureizen”, erläutert Hilgers. „Herausgekommen ist dabei ein temporärer Arbeitsplatz, der sich als Bilderrahmen tarnt - sich also hinter einer dekorativen Funktion versteckt.” Egal, ob iPad, Tagebuch, Lieblingsstift oder Smartphone - alle Gegenstände lassen sich senkrecht in das nahezu zweidimensionale Möbel stecken. Die Platte wird zum Arbeiten heruntergeklappt.

Auch das Designduo GamFratesi hat sich mit dem Thema Wandsekretär beschäftigt. Für Ligne Roset entwarf das italienisch-dänische Paar das Objekt „Nubo”. Das platzsparende Wandtablett erinnert an die runden Reisekoffer der Fluggesellschaften in den 60er Jahren. In geöffnetem Zustand bietet es eine funktionelle Arbeitsfläche mit Kabeldurchlass sowie Halterungen für Dokumente und kleine Geräte.

Die Gestaltung von Büromöbeln ist vor allem eine Frage der technischen Entwicklungen - immer schon. Um 1900, als die Schreibmaschine ihren Vormarsch antrat, wurde dafür ein passender Tisch entwickelt. Dieser war meist deutlich kleiner und niedriger als ein normaler Schreibtisch.

Seit den 50er Jahren war er mit dem Haupttisch meist winkelförmig verbunden und verschwand erst, als sich in den 80er Jahren der PC durchsetzte. Durch die großen Monitore waren damals Platten mit 90 Zentimetern Tiefe das gängige Maß. Heute geht man wegen der Flachbildschirme auf 80 Zentimeter breite Tische zurück. Dass die Geräte inzwischen kabellos sind, forciert die Loslösung von dem einen festen Schreibtisch noch zusätzlich.

Marcel Breuers Stahlrohr-Schreibtisch „B65” von 1930 ist eines der wenigen frühen Beispiele für die Beschäftigung mit einer attraktiven Arbeitsplatzgestaltung. Das Möbel, das heute Thonet produziert und noch immer vertrieben wird, war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine Art Einzelstück seiner Gattung.

Franco Albini schuf 1958 für Knoll einen ästhetisch ebenso schlichten wie raffinierten Sekretär. Dessen Platte aus Kristallglas ruht auf einer Konstruktion aus Stahlrohren. Eine auf Kniehöhe verlaufende Verbindungsstange zwischen zwei x-förmigen Seitenteilen dient nicht nur zur Stabilisierung, sondern auch als Basis für ein Aufbewahrungselement mit zwei Schubladen.

George Nelson, seinerzeit Designchef bei Herman Miller, hatte 1947 begonnen, das Büro in den Fokus der Kreativen zu rücken. Ein bis heute populärer Sekretär ist sein „Home Desk” aus dem Jahr 1958, den Vitra produziert. Der Tisch zeichnet sich durch seine schlanke Silhouette und die geschwungenen Metallbeine aus. Er hat ein Nussbaumfurnier, einen weißen Hartbelag und farbige Bretter zur Unterteilung. Der Schreibtisch inspiriert sogar heute noch Designer: Gesa Hansen reinterpretiert mit ihrem Sekretär „Desk” für das Unternehmen The Hansen Family Nelsons Tisch in einer begradigten Version aus Eichenholz und mit bunten Schubkästen.

All diese Entwürfe haben nichts gemein mit der Steifheit und der Sterilität herkömmlicher Büromöbel. Statt reiner Funktionalität und Ökonomie spielen vor allem heute auch die emotionalen Aspekte eine wichtige Rolle für den Verbraucher. Denn, wie Eckart Maise sagt: „Klassische Arbeitssituationen lösen sich auf und die Nutzer wollen, egal ob im Büro oder zu Hause, ansehnliche Schreibtische haben.”

(dpa)