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Fertighaus oder Massivhaus: Die Vor- und Nachteile der beiden Möglichkeiten

Vor- und Nachteile der beiden Möglichkeiten : Fertighaus oder Massivhaus?

Ein eigenes Haus mit Garten. Diesen Traum möchten sich nach wie vor viele Deutsche erfüllen.

So wurden laut dem Statistischen Bundesamt in den letzten fünf Jahren im Schnitt jährlich 226.000 Baugenehmigungen erteilt, wobei die Jahre 2016 mit 233.833 und 2020 mit 232.208 hier Spitzenreiter sind.  

Alleine im Jahr 2020 wurden demnach 151.657 neue Gebäude aus dem Boden gestampft. Dazu kommen 327.263 neue Wohnungen. Das Hamburger Statistik-Unternehmen Statista GmbH zeigt auf, dass außerdem viele weitere Bauherren bereits in den Startlöchern stehen: Laut einer Umfrage wollen 1,12 Millionen Personen in Deutschland in den nächsten ein bis zwei Jahren ein Haus bauen. Doch so schön es auch ist, Zukunftspläne zu schmieden und vom Eigenheim zu träumen, so schwierig sind dabei so manche Entscheidungen, die es zu treffen gilt. Eine davon lautet: Fertighaus oder Massivhaus. Welche Vor- und Nachteile haben also beide Möglichkeiten?

Massivhaus: Längere Bauzeit, mehr Spielraum

Häuser in Massivbauweise sind immer noch die Klassiker. Und das aus gutem Grund: Egal, ob ein Erker mit einer gemütlichen Fensterbank zum Lesen oder eine offene Wohnküche mit viel Platz für eine große Gästeschar – wer sich für ein Massivhaus entscheidet, kann sich dieses ganz nach den eigenen Vorstellungen und Wünschen errichten lassen.

Fertighaus oder Massivhaus: Die Vor- und Nachteile der beiden Möglichkeiten
Foto: Pixabay.com

 Doch die Individualität hat einen kleinen Haken: die Bauzeit. Während Fertighäuser oft binnen weniger Wochen an Ort und Stelle stehen, dauert es bei einem Massivhaus von den Plänen über den Baubeginn bis hin zum Einzug wesentlich länger. Im Schnitt sind es acht Monate, die vergehen, bis die erste Nacht im neuen Heim genossen werden kann. Kann ein bestimmtes Material nicht geliefert werden oder verzögert die Witterung den Baufortschritt, dauert es mitunter auch wesentlich länger. Zu berücksichtigen sind insbesondere die Trocknungsphasen, die manche Materialien verlangen.

 Dafür punktet das Massivhaus erneut in Sachen Bausubstanz. Diese speichert Wasserdampf besser und gibt ihn bei Bedarf rascher wieder ab. Das Ergebnis: Massivhäuser verfügen in der Regel über ein gesundes Raumklima. Gleichzeitig speichern ihre Wände Wärme sehr gut. Im Winter kühlt diese Häuservariante daher langsamer aus, was sich positiv auf die Heizkosten auswirken kann. Im Sommer heizen sich Massivhäuser hingegen nicht so schnell auf, was wiederum den Wohnkomfort in den warmen Monaten steigert. In Deutschland legen Hausanbieter besonderen Fokus auf Energieeffizienz. Mit einem Energiekonzept werden dabei die bestmöglichen Energie-Effizienzstufen erzielt. Wer energetisch baut, kann auch mit Fördergeldern vom Staat rechnen.

 Nicht zuletzt kommt es in Massivhäusern auch zu einer angenehmen Schalldämmung und sie besitzen einen besseren Brandschutz. Durch die robuste Bauweise und die hochwertigen Materialien trotzt ein Massivbauhaus darüber hinaus Wind und Wetter in der Regel länger als ein Fertigteilhaus und auf die Besitzer kommen niedrigere Folgekosten zu, kommt es zu Defekten im Haus. Ein Massivhaus hat damit durchaus eine Lebensdauer von 120 Jahren, wohingegen bei Fertighäusern nach rund 90 Jahren Schluss ist. Dies alles führt in Summe dazu, dass Massivhäuser über die Jahre hinweg kaum an Wert verlieren. Im Falle eines Verkaufs wirkt sich dies positiv auf die Geldbörse der Bauherren aus. Doch Achtung: Massivhäuser haben dafür auch ihren Preis und kosten daher meist mehr als ein Fertighaus.

 Fertighaus: Kürzere Bauzeit, geringerer Wert  

Mal eben schnell ein Eigenheim aufstellen lassen und ohne großen Aufwand schon nach kurzer Zeit einziehen – das versprechen Fertighäuser. Kein Wunder, dass sie sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Doch sie verlangen trotzdem viel Geschick und eine präzise Arbeitsweise: Um Schimmel zu vermeiden und sicherzugehen, dass sich Wände nicht aufgrund von Feuchtigkeit mit der Zeit auflösen, muss eine absolute Luftdichtigkeit gewährleistet sein.

 Ein weiterer Nachteil: Die Wände von Fertighäusern speichern Wärme weitaus schlechter, denn meistens kommen hier keine Steine, Beton oder Ziegel zum Einsatz, sondern Holz, Gipskarton und zum Beispiel eine mineralische Dämmung. Die Folge: Im Sommer kann es innerhalb kürzester Zeit sehr heiß in den eigenen vier Wänden werden, während im Winter viel geheizt werden muss, damit es die Besitzer wohlig und warm haben. Aber auch hier schreitet die Entwicklung kontinuierlich voran, sodass es mittlerweile zum Beispiel bereits möglich ist, Passivhäuser oder Plusenergiehäuser auf diese Art und Weise zu bauen.

 Fertighäuser sind nicht nur rasch aufgestellt, sondern der Baufortschritt wird auch weniger durch äußere Einflüsse wie Schnee oder Regen gefährdet. In Summe kann hier also weitaus witterungsunabhängiger gebaut werden. Und: Das Fertighaus-Unternehmen übernimmt die Koordination der Gewerke, die gesamte Kommunikation mit den Behörden und steht auch nach der Schlüsselübergabe für Fragen bereit.

 Ein individuell geplantes Heimkino oder ein in puncto Schall perfekt geplantes Musikzimmer gibt es hierbei allerdings nicht – Menschen, die sich für ein Fertighaus entscheiden, müssen in Hinblick auf den Gestaltungsspielraum Abstriche machen. Zwar handelt es sich bei dieser Art von Häusern längst nicht mehr um „Häuser von der Stange“, wie sie vor ein paar Jahren noch bezeichnet wurden, trotzdem sind die Möglichkeiten nach wie vor begrenzter und individuelle Abänderungen vor allem teuer. Bauherren können zwar mittlerweile beim Ausbau mithelfen, es lauern allerdings auch hier einige Tücken.

Dafür ist es bei dieser Hausvariante möglich, schon einmal vorab durch das potentielle, neue Eigenheim zu streifen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es darin sein wird, denn viele Anbieter setzen mittlerweile auf ganze Musterhäuser-Parks. In Summe kosten Fertighäuser heutzutage nach wie vor meist weniger als Massivhäuser, doch Achtung: Sie verlieren auch rascher an Wert. Wer also vor hat, sein Fertighaus nach 20 oder 30 Jahren wieder zu verkaufen, sollte dies bedenken.

 Auf die Besitzer kommt es an

Letztendlich kommt es auf die individuellen Wünsche, Bedürfnisse und Möglichkeiten an. Wer vorausschauend planen kann, viel Wert auf Individualität legt, über die nötigen finanziellen Mittel verfügt und lange daran Freude haben möchte, wird eher zum Massivhaus tendieren. Wer rasch einziehen will, die Planung und Koordination gerne anderen überlässt und lieber vorgefertigte Designs und Elemente bevorzugt, könnte mit einem Fertighaus gut beraten sein.