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Ulm: Eine Kunst für sich: Bei Immobilien-Gesuchen das Richtige preisgeben

Ulm : Eine Kunst für sich: Bei Immobilien-Gesuchen das Richtige preisgeben

„Typischer Italiener, temperamentvoll und bärtig sucht Wohnung”: So oder so ähnlich versuchen Wohnungssuchende im Internet und in Zeitungen Vermieter und Makler anzusprechen. Das kann aus der Masse an Inseraten herausstechen.

Aber es muss nicht von Erfolg gekrönt sein - wie in diesem Beispiel, die eher an eine Kontaktanzeige erinnert. Der typische Italiener mit Bart dürfte kaum Hausbesitzer auf der Suche nach seriösen Mietern auf sich aufmerksam machen, sagt Maxi Schwarz vom Internetportal wohnung-jetzt.de.

Trotzdem sei es nicht falsch, eine kurze Charakterisierung in der Anzeige anzugeben, findet Schwarz. „Es kommt schließlich darauf an, Sympathie bei potenziellen Vermietern und Maklern zu wecken.” Angaben zu Hobbys können zum Beispiel positiv wirken und einen Bezug zum Vermieter herstellen: Der Fan des lokalen Fußballclubs fällt eher auf, als wenn man sich nur als Student bezeichne. Auch wer sich in seiner Freizeit ehrenamtlich engagiert, sollte das in die Anzeige schreiben.

Neben Sympathie geht es vor allem um eines: „Darum, Vertrauen zu erwecken und Zuverlässigkeit auszustrahlen”, sagt Schwarz. Ein gutes Foto kann das. „Das sollte dann am besten aussehen wie ein Bewerbungsbild”, sagt Schwarz. Von Selfies aus dem Urlaub rät sie ab. Wenn es um Kinder geht, sind die Experten aber streng: „Kinderfotos gehen zu weit”, sagt Stephan Kippes vom Immobilienverband Deutschland. Vor allem dann, wenn die Anzeige in einem Internetportal steht. Inserenten sollten bedenken, dass sie mit ihrer Anzeige nicht nur viele persönliche Informationen über sich preisgeben, sondern auch über ihre Familie.

Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund rät sogar generell von Fotos ab: „Inserenten sollten nur so viel preisgeben, wie wirklich erforderlich ist”, sagt er. Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus und & Grund weist auf die Möglichkeit hin, ein Foto nach dem ersten Kontakt mit Makler oder Vermieter an diese zu schicken. „Dann kann man immer noch eine Mappe mit Anschreiben, Foto und persönlichen Informationen fertigmachen”, sagt er. Die Mappe ist nur dem Vermieter zugänglich, die Daten können nicht Dritten in die Hände fallen.

Auch wer sich zusammen mit seinem Haustier fotografieren lässt, geht ein Risiko ein. Denn nicht alle Vermieter wollen Mieter mit Haustieren. Über Tiere sollten Wohnungssuchende besser erst dann mit dem Vermieter sprechen, wenn sie persönlichen Kontakt zu ihm haben. Denn ist erst mal Sympathie vorhanden, drücken manche Vermieter ein Auge zu - und lassen Hund und Katze mit in die neue Wohnung einziehen.

Maxi Schwarz rät aber dazu, Kinder zumindest im Text zu erwähnen. Denn meistens haben Vermieter klare Einstellungen zu Kindern in der Wohnung. „Die einen wollen gerne junge, lebhafte Familien, die anderen eher ein ruhiges Ehepaar, das keinen Lärm macht.” Ist der Kinder-Status direkt in der Anzeige angegeben, kann man letztendlich vergebener Mühe um eine Wohnung vorbeugen.

Eine Eigenschaft finden aber meist alle Vermieter gut: Langfristiges Interesse an einer Wohnung. Denn wechseln die Mieter oft, bedeutet das viel Aufwand für den Vermieter. „Es ist hilfreich, wenn man als Suchender angeben kann, dass man die Wohnung nicht nur für ein Jahr oder gar noch weniger sucht”, sagt Sonja May vom Internetportal Immobilienscout24.

Auch den Arbeitsplatz können Inserenten für ihre Zwecke einsetzen: „Das kann nicht schaden, denn es zeigt dem Vermieter, dass man ein gesichertes Einkommen hat”, sagt Schwarz. Aber auch Arbeitssuchende sollten keine Scheu haben, das in einer Anzeige zu nennen - die Expertin rät sogar dazu, offen damit umzugehen.

Dabei sollten Inserenten aber darauf achten, das Fehlen einer festen Anstellung positiv zu erklären: „„Ein Arbeitsloser in baldiger Erwartung einen neuen Job zu finden” klingt sympathischer”, gibt sie zu bedenken. Wer zuletzt zum Beispiel bei einer lokal angesehen und bekannten Firma gearbeitet hat, kann sogar das angeben, gegebenenfalls auch die Position. So schaffen es Arbeitssuchende, qualifiziert zu erscheinen.

Je enger der Wohnungsmarkt ist, desto mehr müssen sich Inserenten profilieren und in der Masse auffallen. Das können sie auch durch pfiffige Formulierungen erreichen, mit denen sie ihre Meldung beginnen. Interessant wirken etwa Sätze wie „Hilfe! Unsere Zwillinge brauchen mehr Platz”. Denn: „Alles, was sich im positiven Sinne von anderen Anzeigen abhebt, erhöht die Chance, tatsächlich kontaktiert zu werden”, sagt Sonja May.

Unumgänglich sind Angaben, die die eigene Vorstellung vom neuen Zuhause beschreiben. Also die gewünschte Zimmerzahl der Wohnung, die maximale Kaltmiete, die Größe der Wohnung und das Datum, ab dem die Wohnung bezugsfrei sein sollte. Das ermöglicht es Vermietern, zielgerichtet in den Anzeigen zu suchen.

(dpa)