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Mechtersen: Ein Überraschungsei in Grün: Was die Kapuzinerkresse alles kann

Mechtersen : Ein Überraschungsei in Grün: Was die Kapuzinerkresse alles kann

Spiel, Spaß, Spannung und was zum Naschen: Hinter dieser Werbebotschaft könnte Schokolade stecken. Oder eine Pflanze, die Kapuzinerkresse (Tropaeolum). Wer Kinder an das Gärtnern heranführen will, hat mit ihr die richtige Pflanze gefunden. Und erwachsene Hobbygärtner haben auch viel davon.

„Wohl kaum eine Pflanze vereint so viele Vorzüge wie die Kapuzinerkresse”, sagt Tanja Beddies, Diplom-Biologin und Fachautorin aus Mechtersen (Niedersachsen). Die Pflanze wächst rasant, begrünt im Handumdrehen Spaliere, Zäune oder etwa ein Tipi zum Spielen für die Kinder, und sie bedeckt kahlen Gartenboden. Darüber hinaus vertreibt sie Schädlinge, wird von Schnecken verschont, blüht unermüdlich bis zum Frost. Und sie schmeckt.

Die Kapuzinerkresse ist verwandt mit Kreuzblütlern wie Kresse oder Radieschen. Sie alle schmecken auch ähnlich scharf, erklärt Corinne Buch, Erste Vorsitzende des Bochumer Botanischen Vereins. Kresse wird daher gerne in den Salat gegeben. Die Senföle sind aber nicht nur geschmacklich eine Bereicherung, sondern machen die Pflanze auch zu einer wichtigen Arzneipflanze. „Die Senföle hemmen erwiesenermaßen das Wachstum von Bakterien, Viren und Pilzen”, erklärt Beddies. Auch die körpereigene Durchblutung wird angeregt. „Im 18. Jahrhundert wurde die Kapuzinerkresse sehr wirkungsvoll gegen die Vitamin-C-Mangelkrankheit Skorbut eingesetzt.”

Ihren deutschen Namen hat die Kapuzinerkresse dank ihrer Blütenform, denn sie erinnert an die Kopfbedeckung der Kapuzinermönche. Sie stammt aus Südamerika, ist verbreitet von Peru bis Kolumbien. Dort gedeihen die Pflanzen auf kargen Felsfluren in der Sonne. Allerdings wächst die Kapuzinerkresse laut Beddies auch im lichten Schatten nicht erheblich schlechter.

In Peru befruchten Kolibris die Pflanze, bei uns suchen etwa Hummeln und Schmetterlinge nach Nektar in ihren glockenförmigen Blüten, erklärt Diplom-Biologin Buch. Die gelben, orangenen oder roten Blüten haben an ihrer Rückseite einen bis zu drei Zentimeter langen Sporn. Die Blätter sind rund, und ihr Stängel geht in der Mitte ab - daran erkennt man die Pflanzen gut.

Etwa 90 Arten der Kapuzinerkresse sind bekannt, doch in unseren Gärten kommen nur einige wenige vor. Die Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) spielt meist die Hauptrolle. Liebhaber säen auch die Kanarische (T. peregrinum) und die Dreifarbige Kapuzinerkresse (T. tricolor) aus.

Beliebt sind Sorten, die eine abwechslungsreiche Blattfärbung oder Blütenfarbe haben. Tief schwarzrot blüht etwa Black Velvet, die Beddies empfiehlt. Salmon Baby trägt lachsfarbene Blüten und Tip Top Apricot, wie der Name schon verrät, apricotfarbene. Interessant sind die Blüten von Peach Melba und Cream Purple Spot, die bunte Flecken tragen, die die Insekten zu den Pollen locken sollen. Schöne Blätter in einem kontrastreichen Blau-Grün bietet die Sorte Empress of India, die Alaska-Sorten tragen grün-marmoriertes Laub.

Es gibt Sorten, die einen buschigen Wuchs haben, und solche, die klettern können. Zu letzteren zählen die lachs- und rosablühende Sorte Salmon Gleam, die relativ neue rotviolette Sorte Purple Emperor sowie die cremefarbene Milkmaid und Jewel of Africa mit einem Mix aus roten, orangenen und gelben Blüten. Für die rankend wachsenden Arten empfiehlt Beddies ein Klettergerüst. Gut geeignet für Töpfe und kleine Beete sind die sogenannten Whirlybird-Kressen in verschiedenen Farben. Ihre Blüten stehen über dem Laub und verstecken sich nicht wie üblich darunter.

Je nach Witterung blüht die Kapuzinerkresse bis in den November hinein. „Der erste Frost lässt die Pflanzen über Nacht komplett absterben”, sagt Beddies. Aus diesem Grund sollte der Hobbygärtner mit der Aussaat im Frühjahr auch bis Mai warten oder die Pflanzen an einem frostgeschützten Ort vorziehen. Die Fachautorin rät bei der Direktsaat im Garten, den Boden stets feucht zu halten. „Zur Ausbildung ihrer fleischigen Ranken benötigt die Kapuzinerkresse steten Wassernachschub.”

Mit Dünger muss der Hobbygärtner vorsichtig sein. Stehen den Pflanzen Nährstoffe im Überfluss zur Verfügung, produzieren sie fast nur noch Blätter. „Wird der Boden hingegen nicht gedüngt, bilden sich vermehrt Blütenknospen”, erklärt Beddies. Und auch wenn der Gärtner regelmäßig Verblühtes entfernt, entwickelt die Pflanze immer wieder neue Knospen statt Samen. Später im Jahr kann der Gärtner durchaus einige Samenkapseln ausreifen lassen - die Pflanze sät sich dann selbst aus und einige Samen bringen im folgenden Jahr einen farbenfrohen und dichten grünen Teppich im Garten hervor.

(dpa)