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Der New German Garden Style begeistert sogar die Engländer

Der New German Garden Style begeistert sogar die Engländer

Stuhr (dpa/tmn) - Man stelle sich ein Staudenbeet wie ein Blütenmeer vor: Hier ein paar Königskerzen, jede Menge Margeriten, dazu ein paar zierliche Blütenbälle und immer wieder Gräser. Alle diese Pflanzen wachsen bunt durcheinander - fast wie auf einer Wiese.

So ein Beet wird von Kennern dem „New German Garden Style” zugeordnet, dem neuen deutschen Gartenstil.

Was steckt dahinter? Der New German Garden Style ist robust, pflegeleicht und erscheint möglichst natürlich gewachsen. Diese Bepflanzungsweise geht auf den Wunsch der Kommunen und Städte ein, pflegeleichte, gut funktionierende Staudenpflanzungen für das öffentliche Grün zu haben, erklärt Bettina Rehm-Wolters, Gartenjournalistin und Landschaftsarchitektin aus Stuhr (Niedersachsen). „Außerdem sollten die Staudenpflanzungen natürlicher als die klassischen, englischen Staudenrabatten erscheinen.” Wissenschaftlich wurden Kombinationen entwickelt und getestet. „Diese naturnah wirkenden Mischungen fanden auch ihren Weg in die privaten Gärten.”

Auch wenn das Wort „neu” schon im Namen vorkommt und dieser sich erst in den letzten Jahren verbreitete, geht die Bewegung eigentlich auf eine sehr lange Tradition zurück, sagt Mascha Schacht, Gartenbuchautorin aus Frankfurt am Main. Die Grundlagen schufen in Deutschland der Staudengärtner und -züchter Karl Foerster (1874-1970) und der Gartenbauwissenschaftler Richard Hansen (1912-2001). Und im Grunde war auch William Morrison (1838-1935) prägend für diesen Stil, ergänzt Schacht. Er war in Großbritannien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Gesicht eines naturalistischen Stils.

„Man kann diesen Stil nicht an einer einzelnen Person festmachen”, erläutert Schacht. „Es ist ein Ping-Pong-Spiel zwischen Züchtern und Gartengestaltern.” Denn neben dem naturalistischen Erscheinungsbild zeichne das wissenschaftliche Herangehen diesen Gartenstil aus. Richard Hansen teilte mehrjährige Gartenblumen in ein System unterschiedlicher Standorte ein. Aus dieser Ordnung lassen sich Pflanzen, die gleiche Ansprüche an einen Standort haben, gut miteinander kombinieren.

Dass der New German Garden Style einen englischen Namen erhalten hat, geht auf britische Gestalter zurück, die sich Anfang der 1990er Jahre auf der Suche nach Innovation in Deutschland umsahen. Sie entdeckten im Münchener Westpark eine Bepflanzung der Planerin Rosemarie Weise (1928-2002). Das Vorbild war eine Steppenheide mit Gräsern und Stauden. Ebenso beeindruckt waren die Briten von Urs Walsers Pflanzungen im Schau- und Staudensichtungsgarten Hermannshof in Weinheim. Zurück in Großbritannien fiel nun immer häufiger der Begriff New German Garden Style.

Heute wird der wissenschaftliche Ansatz vor allem von Cassian Schmidt verfolgt. Er ist Direktor des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof und Professor für Pflanzenverwendung an der Hochschule Geisenheim University. Er hat sich etwa an Pflanzkombinationen ausprobiert, die möglichst wenig Pflege brauchen - ein weiteres Charakteristikum des Stils. „In den Anfangsjahren brauchen die Beete noch etwas mehr Pflege wie Gießen, Jäten und Rückschnitt”, berichtet Rehm-Wolters. Nach dem Einwachsen reicht ein jährlicher Rückschnitt, der dann sogar mit einem Rasenmäher, einer Motorsense oder der Heckenschere im zeitigen Frühjahr erfolgen kann.

Der Stil ist nicht nur etwas für Profis. Auch Hobbygärtner können ihn einfach umsetzen: „Zunächst stellt man sich die Frage: Was finde ich vor?”, erklärt die Buchautorin Schacht. „Und dann wählt man Pflanzen aus, die mit dieser Situation klarkommen.” Denn laut Rehm ist für den Stil wichtig: „Es sind Pflanzungen, die gut zum Standort passen und sich in Eigendynamik weiterentwickeln dürfen.”

Schacht betont, dass es sich nicht um das Nachahmen von natürlichen Gesellschaften handelt, sondern ihre Anordnung im Beet quasi bewusst übertrieben durchdacht ist. Das macht sich in der Pflanzenauswahl und in der Verteilung der Pflanzen bemerkbar. Sie werden nicht wie in einer klassischen Staudenrabatte statisch und bewusst platziert. „Alles soll so wirken, als wäre es zufällig so gewachsen”, erklärt Schacht.

Sie hat für Hobbygärtner einen Tipp, wie man das am besten umsetzt: Man nimmt einige Kieselsteine und wirft sie zusammen in die Luft, so dass sie auf dem vorbereiteten Beet landen. Nun werden jene Stauden, die aufgrund ihrer Höhe das Grundgerüst der Kombination bilden sollen, an diese Stellen gepflanzt, auf denen die Steine gelandet sind. Anschließend werden nach der gleichen Methode Begleiter, Bodendecker und Zwiebelblumen gesetzt.

Die Auswahl der Pflanzen von Stauden über Zwiebelblumen, Ziergräser, Einjährige bis zu kleinen Gehölzen hängt stets von den Standortverhältnissen ab. „Man pflanzt standortgerecht, um einen möglichst geringen Pflegeaufwand zu haben”, sagt Rehm-Wolters. Und das teils nach neuen Vorgaben: „Die Kombination von Rose und Lavendel, die über viele Jahre als perfektes Duo gepriesen wurde, hat im New German Garden Style keine große Chance”, erklärt Schacht. Die Rosen brauchen einen richtig guten Gartenboden, während es Lavendel lieber karg, heiß und trocken mag.

Die Gestaltungen können sich stark voneinander unterscheiden. „Ein Schattenbeet am Gehölzrand wird anders bestückt als ein sonniger Platz mit magerer, kiesiger Erde”, sagt Rehm-Wolters. Als Beispiel nennt sie für einen sonnigen Platz eine Kombination aus Steppen-Salbei, Duftnesseln, Katzenminze, Sonnenhut und Ziergräsern wie Diamantgras, Federgras oder Rutenhirse.

Hochgezüchtete Liebhabersorten werden kaum gepflanzt. „In der Regel finden im New German Garden Style langlebige Pflanzen Verwendung, die möglichst wenig Pflege benötigen”, sagt Rehm-Wolters. Wichtig ist auch, dass die Pflanzen das ganze Jahr über attraktiv sind. Neben dem Austrieb im Frühling spielen die Blätter, eine Herbstfärbung und ein attraktiver Samenstand eine ebenso bedeutende Rolle wie Blüte und Blütenstand. „Wildstauden auch aus anderen Regionen der Erde bieten sich perfekt für den neuen Gartenstil an.”

(dpa)