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Köln: Der Lack muss ab: Möbel aus Massivholz überarbeiten

Köln : Der Lack muss ab: Möbel aus Massivholz überarbeiten

Möbel aus Massivholz sind ein Traum für Heimwerker: Denn sie haben viele Leben. Die Stücke lassen sich recht leicht immer wieder aufarbeiten. Kratzer und Flecken können entfernt werden. Und selbst unansehnliche alte Truhen oder Kommoden der Oma auf dem Dachboden bekommen einfach wieder neuen Glanz.

Aber nicht jedes Möbel kann ein Laie gut selbst aufarbeiten: „Ich empfehle sehr, die Finger von Antiquitäten und Designer-Möbeln aus den 60er Jahren zu lassen“, sagt Mareike Hermann von der Heimwerkerschule DIY-Academy in Köln. „Die Gefahr, sie irreparabel zu beschädigen, besteht immer.“ Solche Objekte seien bei einem Restaurator oder Tischler in besseren Händen als beim Heimwerker.

Bevor der Laie zum Werkzeug greift, muss er sich anschauen, wie das Möbel beschichtet ist. Denn der Heimwerker sollten über eine alte Schicht nicht einfach erneut streichen. Vertragen sich die Beschichtungen nicht, gehen sie keine Verbindung ein oder bilden Blasen. Aber: „In der Regel gibt es keine Wechselwirkungen oder Unverträglichkeiten, wenn ich denselben Anstrich wieder auftrage, der bereits auf der Oberfläche ist“, erklärt Holger Lohmann von der Tischler-Innung Berlin. Nur was genau der alte Anstrich ist, das ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.

Geöltes Holz lässt sich recht einfach identifizieren. Die Unterscheidung von Beize und Lasur ist schwieriger. Auch mit einer glänzenden Fläche ist der Laie schnell überfordert: „Dekorfolie sieht ganz genauso aus wie Lack“, erläutert Ursula Geismann vom Hauptverband der Deutschen Holzindustrie und Kunststoffe verarbeitenden Industrie und verwandter Industrie- und Wirtschaftszweige (HDH) in Bad Honnef bei Bonn. Auch Furnier wirkt oft ähnlich.

Zudem kann die Hochglanzbeschichtung viele Innenleben bedecken, die wiederum unterschiedliche Behandlungen erfordern. „Ob sich unter Dekorfolie, Furnier oder Lack eine Spanplatte, eine MDF-Platte oder auch Massivholz verbirgt, ist für den Laien kaum erkennbar.“ Das Gewicht oder auch die nicht lackierte Unterseite eines Möbels kann dem Heimwerker weiterhelfen. Zur Not hilft nur, das Material an einer verdeckten Stelle anzuschleifen.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, der fragt im Vorfeld einen Fachmann: „Ein Restaurator wird untersuchen, welche Farbschichten vorhanden sind“, erklärt Wolfram Bangen, Sprecher der Fachgruppe Möbel und Holzobjekte im Verband der Restauratoren in Bonn. „Er kann dann beurteilen, ob, wie und von wem das Möbel aufgearbeitet werden kann.“ Manche Restauratoren, Tischler oder Schreiner bietet Kurse an, wo man sein eigenes Stück unter Anleitung repariert kann.

Wer nicht das Urteil eines Fachmannes eingeholt hat, sollte sich zumindest langsam rantasten: „Wenn es die Möglichkeit gibt, sollte man immer ein Probestück bearbeiten und längere Zeit beobachten. Oder der neue Anstrich wird zuerst an einer möglichst wenig sichtbaren Stelle aufgetragen“, rät Lohmann.

Am einfachsten hat es der Heimwerker mit einem nur unansehnlich gewordenen, geölten oder gewachsten Möbel aus Massivholz. „Oft ist es schon damit getan, dass man Schmutz entfernt und leichte Unebenheiten mit Schleifpapier und Stahlwolle glättet“, sagt der Tischler Lohmann. Anschließend wird das Öl oder Wachs aufgefrischt. Soll statt diesen Materialien nun ein Lack auf die Oberfläche kommen, ist mehr Aufwand nötig. Denn: „Wasserbasierter Lack würde auf einer einmal geölten oder gebeizten Fläche kaum haften“, sagt Geismann. „Sie muss angeschliffen und mit einem Unterlack grundiert werden.“

Ist ein Möbel bereits lackiert, muss die Schicht unter Umständen ab. „Kleine Risse oder abgesprungene Lackstellen kann man glätten und mit Spachtelmasse auffüllen“, erklärt Hermann. „Dann wird das gesamte Möbel angeschliffen und neuer Lack aufgetragen.“ Auch hier gilt: Nicht jeder neue Lack verträgt sich mit dem alten. Wasserbasierte Lacke haften auf lösemittelhaltigen Kunstharzprodukten, umgekehrt klappt das jedoch nicht. Ist eine Lackoberfläche stärker beschädigt und platzen beim Kratztest mit dem Fingernagel größere Stücke ab, muss der alte Lack komplett entfernt werden. Dafür gibt es drei Methoden: Mit chemischen Mitteln, mit Heißluft oder durch Abschleifen.

Chemische Abbeizer rauen die Oberfläche stark auf. Sie werden auch mit mehrfach lackierten Schichten und Verzierungen fertig. Allerdings können die Mittel Leime angreifen oder Beschläge beschädigen. „Wenn überhaupt, dann sollten Heimwerker Abbeizer nur für sehr einfache Stücke verwenden“, erläutert Lohmann. Und die Mittel dürfen nur im Freien und mit Atem-, Gesichts- und Handschutz sowie geschlossener Brille verwendet werden. Umfangreiche Schutzmaßnahmen sind auch beim Arbeiten mit dem Heißluftfön nötig. Mit ihm wird der Lack erwärmt und dann mit einem Spachtel abgezogen.

„Glatte Flächen lassen sich am besten mit dem Exzenter-Schleifer bearbeiten“, erläutert Hermann die dritte Variante. „Dabei wird in drei Stufen erst grobes und dann immer feineres Schleifpapier verwendet.“ Für Leisten, Ecken und Verzierungen kommen Schleifschwämme oder -papier sowie Stahlwolle zum Einsatz.

Ist der alte Lack ab, kann das Möbel geölt, gewachst, gebeizt, lasiert oder wieder lackiert werden. Beachten sollten Verbraucher , dass geöltes oder gewachstes Holz pflegeintensiv ist, lackiertes hingegen sehr robust. Für stark beanspruchte Flächen empfiehlt die DIY-Expertin Hermann Kunstharz- oder Bootslacke.

Was mit der Truhe vom Dachboden oder der Kommode funktioniert, geht auch mit Türrahmen, Fensterbrettern und Co. Nur: Einbauten können für die Arbeiten oft nicht aus den Wohnräumen entfernt werden. Daher müssen Heimwerker und ihre Mitbewohner mit Staub und Dreck rechnen. Und beim Streichen sollten sie gut lüften.

(dpa)