1. Leben
  2. Bauen und Wohnen

Das Chamäleon im Garten: Hortensien können ihre Farben wechseln

Das Chamäleon im Garten: Hortensien können ihre Farben wechseln

Die Blüten sind einfach riesig: Viele einzelne Scheinblüten setzen sich zu großen runden Bällen, Tellern oder Rispen zusammen, die schwer an der Staude hängen. Hortensien sind einfach ein Hingucker und mit Sicherheit ein Klassiker im Garten. Im Frühsommer erblühen sie.

Die Bauernhortensien (Hydrangea macrophylla) mit den kugelförmigen Blütendolden sind die beliebtesten Hortensien, erläutert Katharina Adams, Buchautorin aus Linnich-Hottorf bei Düren (Nordrhein-Westfalen). Sie prägen das Bild der halbschattigen Bauerngärten ebenso wie Urlaubsfotos von der französischen Bretagne. Die Blütenfarben variieren von Rosa über Blau bis zu einem edlen Weiß.

Bei den alten Sorten sitzen die Blütenknospen am zweijährigen Holz und erfrieren im Winter leicht. Die neuen Sortengruppen bilden ihre Blüten aber erst später am diesjährigen Holz, erklärt Erika Brunken, Leiterin der Niedersächsischen Gartenakademie in Bad Zwischenahn (Niedersachsen). Außerdem können diese Sorten, deren Gruppen Endless Summer, Everbloom und Forever & Ever heißen, immer wieder neue Blüten produzieren. „Diese Hortensien sind zuverlässig winterhart.”

In der Pflege unterscheiden sich die neuen Sortengruppen nicht von anderen Hortensien. Sie brauchen einmal im Jahr einen Rückschnitt, sonst werden ihre Triebe zu lang. „Entweder schneidet man sie im Frühjahr auf etwa 20 Zentimeter zurück, dann treiben sie buschig aus und blühen später”, erläutert die Gartenbau-Ingenieurin. Oder der Hobbygärtner lasse die Gehölze zunächst im Frühsommer blühen und schneide sie nach der ersten Hauptblüte zurück.

Die Pflanzen brauchen ausreichend Wasser. Denn sie haben große Laubblätter, die viel Wasser verdunsten. Daneben mögen die Bauernhortensien einen nährstoffreichen, humosen Boden. „Sie sind Starkzehrer”, sagt Brunken. Die Gehölze bekommen daher im Frühjahr zusätzlich Nährstoffe sowie noch einmal eine kleine Düngergabe bis Ende Juni. Diese Zufuhr hat Einfluss auf das Aussehen der Blüten - eine Besonderheit der Bauernhortensien. Die Farbe der Blüten ist nicht genetisch festgelegt, sondern spiegelt die Zusammensetzung der Nährstoffe im Boden wider.

„Enthält der Boden Aluminium, so färben sich die Blüten blau”, führt die Buchautorin Adams aus. Diese Verbindungen sind in einem sauren Boden verfügbar und können von den Pflanzen aufgenommen werden. In einem kalkhaltigen Boden werden die Hortensienblüten rosa. Brunken ergänzt, dass der pH-Wert des Bodens bei etwa 4,5 liegen sollte, wenn der Hobbygärtner blaublühende Hortensien haben möchte. Es gibt spezielle Hortensiendünger mit Aluminium, die die Blaufärbung unterstützen. „Man kann aber auch einfach Alaun in der Apotheke kaufen”, sagt Adams. Dieses Salz wird in den Boden eingearbeitet.

Für die Pflanzung im Kübel rät Brunken eine Hortensienerde zu verwenden. „Bei normaler Blumenerde verliert sich wegen des hohen pH-Wertes die Blütenfarbe von Blau zu Rosa hin.” Weiße und jene Sorten, die den Grundstoff Delphinidin zur Blaufärbung nicht besitzen, verändern ihre Farbe in Abhängigkeit von der Bodenreaktion nicht.

Neben den Exemplaren mit ballförmigen Blüten zählen die tellerförmigen zu den Bauernhortensien. Ihre Blütenstände sind flach, die äußeren Scheinblüten sind groß. „Diese Hortensien haben in den vergangenen Jahren in der Beliebtheit zugelegt”, sagt Adams. Häufig finden Hobbygärtner Schneeball- und Rispenhortensien (Hydrangea arborescens beziehungsweise paniculata) im Angebot. Diese sommerblühenden Schönheiten benötigen zwar auch einen frischen bis feuchten Boden, sind aber toleranter bei der Standortwahl als Bauernhortensien. „Bei den Schneeballhortensien ist vor allem die Sorte Annabelle bekannt”, sagt Adams. Sie hat dichte, kugelige Blütenbälle in reinem Weiß.

Der Hobbygärtner kann die Sträucher bedenkenlos im Frühjahr zurückschneiden. Denn die Knospen bilden sich an dem in der Folge erst wachsenden Trieben. Da die Dolden außerdem ja auch nicht einem späteren Schnitt zum Opfer fallen, bleiben sie als Schmuck die Wintermonate über an der Pflanze. „Die Schneeballhortensie lässt sich durch den Schnitt zu kompakten Büschen formen”, erklärt Adams. Sie empfiehlt das Gehölz daher als dekorative Heckenpflanze.

„Rispenhortensien vertragen mehr Sonne und mehr Trockenheit.” Die Sträucher, die zwischen zwei und drei Metern Höhe erreichen, schmücken sich in den Sommermonaten mit kegelförmigen Blütenständen. Die schon breite Sortenpalette wächst immer weiter an.

Bei den Neuheiten gibt es vor allem zwei Trends: „Durch einen kompakten Wuchs sind Sorten wie Bobo und Bombshell auch für die Kultur im Kübel geeignet”, erläutert Adams. Eine andere Gruppe von Sorten spiele mit Farben: Sorten wie Pink Lady, Pinky Winky und Vanille Fraise verfärben sich im Verblühen rosa. Ausgefallen ist auch die Sorte Limelight: Die Blütenrispen sind beim Aufblühen grünlich und werden später weiß. „Leider sind die Blütenrispen allerdings so groß und schwer, dass sie in den meisten Fällen nach unten hängen”, erläutert die Expertin.

Weitere Arten wie die Eichblatt- und Samthortensien (Hydrangea quercifolia beziehungsweise petiolaris) werden recht groß. Sie sind dazu ein bisschen empfindlicher. Die Buchautorin Adams empfiehlt sie daher für Liebhaber. Wer für den Schatten eine zuverlässige Kletterpflanze sucht, der ist mit der Kletterhortensie auf der sicheren Seite. Die Triebe halten sich mit Hilfe von Haftwurzeln an einem rauen Untergrund fest. In den ersten Jahren wächst die Pflanze noch mäßig, doch wenn sie erst einmal eingewachsen ist, erweist sie sich als wuchs- und blühfreudig.

(dpa)