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Bremerhaven: Blühende Schwerter: Gladiolen fallen auf

Bremerhaven : Blühende Schwerter: Gladiolen fallen auf

Der Blumengarten ist im Sommer sehr farbenfroh. Die vielen Blüten verschwimmen zu einem bunten Teppich. Aber eine Blume erkennt man immer, selbst aus der Ferne: Es ist die Gladiole mit ihren langen, kräftigen Blütenstielen.

„Aufgrund der üppigen Blüte passt die Gladiole sehr gut zum Stil eines Bauerngartens”, sagt der Buchautor und Botaniker Wolfgang Hensel.

Die Schwertliliengewächse mit ihren in der Mitte breiten und an den Enden dünnen Blättern wachsen in einem lockeren Boden, der Feuchtigkeit speichert, aber nicht zu Staunässe neigt. Ein hoher Humus- und Nährstoffanteil fördert gesundes Wachstum. Die Garten-Gladiolen haben ein breites Spektrum an Farben und Formen, denn es sind zahlreiche verschiedene Arten miteinander gekreuzt worden. Ursprünglich stammen diese Schwertliliengewächse aus Südafrika. In Europa wurden sie Ende des 17. Jahrhunderts eingeführt. „In der Jugendstilzeit waren die extravaganten Blüten sehr gefragt”, erläutert Ilka Siedenburg, Floristmeisterin aus Bremerhaven.

Man unterscheidet zwischen der eher zierlichen Nanus-Gruppe, der blütenreichen Primulinus-Gruppe mit leicht helmförmigen Blüten und der Grandiflorus-Gruppe. Letztere ist am variantenreichsten, was Blütenform sowie ihre Farbe und die Anzahl der Blüten am Stiel angeht. Die Pflanzen werden zwischen 90 und 130 Zentimeter hoch, mitunter auch bis zu zwei Meter. Je kleiner der Garten ist, desto eher sollte man zu niedrigen Sorten greifen. „Sonst werden die Proportionen gesprengt”, sagt Buchautor Hensel.

In großflächigen Gärten kommen die höheren Formen zwar angemessen zur Geltung. Allerdings müssen Hobbygärtner wissen, dass Wind oder Gewitterregen die Gladiolen mit ihren hohen Stielen beschädigen können - ausgenommen die Zwerggladiolen. „Die unauffälligste Lösung, den Stielen Halt zu verleihen, sind Einzelstäbe mit Ringen zum Einhängen von jeweils ein bis zwei Pflanzen”, erläutert Hensel. Allerdings kann man auch einen einfachen Bambusstab nehmen und die Stiele mit einer Gartenschnur locker daran festbinden.

„In einem normalen Bauerngarten hinter einem Reihenhaus würde ich zwei bis drei Fünfergruppen möglichst frühblühender Zwerggladiolen pflanzen”, empfiehlt der Buchautor. Ein bis zwei Fünfergruppen spätblühender, höherer Hybriden runden die Bepflanzung ab. Hier sollte man nicht unbedingt das breite Farbspektrum der Pflanze nutzen. Denn gleiche Farbtöne schaffen in der Gruppe Ruhe - was vor allem dann von Bedeutung ist, wenn man unterschiedlich hohe Sorten verwendet.

Als Schnittblumen eignen sich Gladiolen wunderbar. Denn sie sind lange haltbar, erläutert die Floristmeisterin Siedenburg. „Die Blüten haben eine starke Ausstrahlung und große dominante Blüten.” Das Spektrum der Blütenfarben reicht von Weiß über Grün, Gelb, Orange, Lachs bis hin zu Rot, Lavendel und Violett. Auch mehrfarbige Sorten gibt es, und ungewöhnliche Blütenfarben wie ein fast schwarzes Mokkabraun, ein rauchiges Violett und ein zartes Limonengelb.

Will man die Schnittblumen im eigenen Garten ziehen, sollte man sie laut Botaniker Hensel am Rand der Beete pflanzen. Denn werden sie geerntet, bleiben keine Lücken zurück. „Geschnitten werden die Stiele in knospigem Zustand”, erklärt Siedenburg. „Nur die unteren Blütenknospen sollten bereits Farbe zeigen.” Bevor man die Stiele in eine gut mit Wasser gefüllte Vase stellt, werden die Enden schräg angeschnitten und die unteren Blätter entfernt. Ein Frischhaltemittel im Wasser fördert die Haltbarkeit der Blüten.

Viel Beiwerk benötigen Gladiolen in der Vase nicht. „Ich würde höchstens mit farbigen Zweigen von Hartriegel oder einigen Gräsern die schlichte, geradlinige Form unterstreichen”, rät die „Floristin des Jahres 2010”. Gladiolen wirkten sehr modern und fügten sich in die Schlichtheit eines puristischen Ambientes gut ein. „Im Sommer bringen die Schwertliliengewächse Kraft in die Wohnung und unterstreichen eine moderne, grafische Gestaltungsnote”, sagt die Blumenexpertin.

Alle Gladiolen haben eine Knolle, mit deren Hilfe sie den Winter überdauern. Allerdings sind die eleganten Blumen in unseren Breiten nicht winterhart. Daher werden die Knollen erst im Frühjahr gepflanzt, wenn sich der Boden leicht erwärmt hat und keine Nachtfröste mehr drohen. „Im Oktober, spätesten Anfang November, wenn das grüne Laub der Gladiolen zu welken beginnt, werden die Knollen vorsichtig ausgegraben”, erläutert Hensel.

An einem luftigen, trockenen Ort lässt man die Knollen dann antrocknen. „So kann man die trockene Erde mit den Händen oder einer weichen Bürste entfernen”, sagt der Botaniker. Auch das abgetrocknete Laub wird abgezupft. Im kühlen, trockenen und dunklen Keller lagern die Pflanzen dann über den Winter nebeneinander in einem Pappkarton. Hensel empfiehlt für Regionen mit nicht zu kalten Wintern frostharte Zwerggladiolen. Sie dürfen in der Erde bleiben, wenn man sie mit Laub und Gartenvlies abdeckt.

(dpa)