1. Leben
  2. Bauen und Wohnen

Berlin: Bitte nicht stören - Haushaltsgeräte werden immer leiser

Berlin : Bitte nicht stören - Haushaltsgeräte werden immer leiser

Bloß nicht stören sollen Hausgeräte, wenn sie arbeiten. Denn wie kann ein Mensch seine Ruhe finden, wenn die Spülmaschine von der Küche bis ins Wohnzimmer zu hören ist? Wenn die Dunstabzugshaube so laut ist, dass man sich beim Kochen nicht unterhalten kann? Oder der Staubsauger den Fernseher übertönt?

„Das ist furchtbar nervig”, sagt die Trendanalystin Gabriela Kaiser. Denn Haushaltsgeräte arbeiten ja vornehmlich dann, wenn man zu Hause ist und seine Ruhe haben möchte. „Ich, und so geht es den meisten, lasse ungern Geräte laufen, wenn ich außer Haus bin. Und für Berufstätige ist dann abends die einzige Zeit dafür - gerade dann, wenn man sich hinsetzen und ein Glas Wein trinken will.”

Eine neue Art zu wohnen, der offene Grundriss, hat dieses Problem verschärft: „Die Küche ist nicht mehr auf zwölf Quadratmeter abgeschottet”, erläutert Ursula Geismann, Trendexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie. Stattdessen sind Küche, Ess- und Wohnzimmer verbunden. Wo einer den Haushalt schmeißen will, werden die anderen gestört. Türen gibt es nicht. Teils führen sogar offene Treppen direkt nach oben ins Schlafzimmer.

„Häuser, die in den vergangenen fünf bis sieben Jahren gebaut wurden, sind schon so offen gestaltet - Tendenz steigend”, sagt Geismann. „Bereits 20 Prozent der Deutschen haben so ein Konzept.” Und so gebe es derzeit zwei ganz große Anforderungen an die Haushaltsgeräte: Sie sollen so wenig Energie wie möglich verbrauchen - denn Strom wird immer teurer. Und sie müssen in dieses neue Wohnkonzept passen - genauer gesagt: Sie dürfen im Wohnraum nicht mehr störend auffallen.

Daran arbeitet eine Vielzahl von Herstellern, die entsprechende Geräte für den Haushalt auf der Elektronikmesse IFA in Berlin im September vorgestellt haben. Flüsterleise nennt man diese Modelle - aber so genau dürfen Verbraucher das mit der Bezeichnung nicht immer nehmen.

Geschirrspüler sind eine klassische Lärmquelle in der Küche. Das Geschirr klappert, das Wasser plätschert gegen die Tür, der Motor wummert. Vergleichsweise leise sind da die neuen Geräte, sagen die Hersteller. Die Geschirrspüler der „Silence Edition” von Bosch Hausgeräte zum Beispiel sind nur 38 beziehungsweise 39 Dezibel laut. Das ist dem Bundesumweltministerium zufolge mit dem Geräuschpegel in einer ruhigen Wohnstraße vergleichbar.

Den „RealLife” höre man selbst bei voller Beladung kaum, verspricht Electrolux. 42 Dezibel schafft der Geschirrspüler. AEG stellte auf der IFA den „Pro Clean” vor. Diese Spülmaschine läuft mit 39 Dezibel, mit einer „ExtraSilent-Funktion” mit 37 Dezibel.

Waschmaschinen können da nicht mithalten - auch nicht die leisen Modelle auf dem Markt. Im Schleudergang ist die Waschmaschine „HomeProfessional” von Bosch 70 Dezibel laut, was der Lautstärke einer lauten bis sehr lauten Unterhaltung entspricht. Im Normalwaschgang bringt es das Gerät auf immerhin nur 45 Dezibel - das ist in etwa vergleichbar mit einem normal lauten Gespräch. Der Wärmepumpen-Trockner „WTY8873D SuperSilence” erzeugt 62 Dezibel.

Diese Geräte laufen aber nur ab und zu. Kühlgeräte brummen ständig in der Küche. Die Hausgeräte seiner leisen Kollektion konnte Bosch auf immerhin 34 Dezibel bringen, was laut dem Ministerium dem Ticken einer Uhr entspricht. Oder eben, wenn Menschen flüstern.

Wer viel kocht, kennt das: Der lärmende Luftzug des Dunstabzugs legt sich wie eine Schallglocke um alles, was sich direkt am Herd abspielt. Aber auch daran arbeiten die Hersteller: Siemens-Electrogeräte hat auf der IFA die Wandesse „LC91KA552” präsentiert. Sie habe einen besonders ruhigen Motor, der zusätzlich eine Dämmung habe, erläutert der Hersteller. So sei das Gerät im Normalbetrieb lediglich 51 Dezibel laut, was dem Geräuschpegel einer normalen Unterhaltung entspricht. Bosch hat seine neue Abzugshaube „DWB091U51” mit einem bürstenlosen Antrieb ausgestattet. Das habe weniger Verluste durch Reibungswärme zur Folge spare somit Energie und macht weniger Lärm. Sie entlüftet mit 64 Dezibel.

Staubsauger sind nervtötend laut. Aber sogar „superleise” sollen neue Modelle sein - zumindest verspricht dies Miele für seinen „S8 Silence Plus Allergy”. Er erreicht einen Geräuschwert von 69 Dezibel. Dem Bundesumweltministerium zufolge entsprechen 70 Dezibel dem Lärm eines Autos in zehn Metern Entfernung. Mit 63 Dezibel saugt der „Silence Force Extreme RO 5931” von Rowenta. Als „Saubermann mit Flüsterton” beschreibt AEG seinen „UltraSilencer”. Modellabhängig bleibe dieser zwischen 61 und 65 Dezibel leise - was einem normal lauten Gespräch entspreche.

Mit diesem Wert kann man laut Andreas Gelsheimer, Product Line Manager Raumpflege bei AEG, beim Saugen telefonieren oder Musik hören. Dafür hat das Unternehmen sogar zum Geräusch des Staubsaugers passend ein Meditationsprogramm entwickelt: „Clean your mind” läuft so lange wie die durchschnittliche Dauer dieser Hausarbeit und beinhaltet Hintergrundgeräusche, die mit den Geräuscheigenschaften des Staubsaugers harmonieren sollen.

Über einen „activeSound Control” verfügt der Staubsauger „Q 8.0” von Siemens-Electrogeräte: Einerseits hat er einen Motor mit reduzierten Vibrationsgeräuschen, andererseits wurde der Lärm des Luftstroms gesenkt. Zugleich soll es weniger Pfeifen und Rauschen an der Düse geben, und eine Dämmung schluckt zusätzlich Lärm. Er läuft so mit 66 Dezibel. Das Modell „Relaxxx ProSilence 66” von Bosch schafft denselben Wert. Es hat einen Motor, der Luft besser bei reduziertem Widerstand durch den Rüssel presse, so der Hersteller. Die Düse selbst sei auch „geräuschoptimiert”.

(dpa)