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Biomüll: Kann der weg oder kann der was?

Biomüll : Kann der weg oder kann der was?

Das Thema Nachhaltigkeit ist aktueller denn je. Gewöhnlich steht die Ökobilanz von Plastikmüll oder die Wiederverwertung von Altpapier im Fokus. Aber auch Biomüll kann einiges abgewonnen werden.

Die Schale von vielen Obst- und Gemüsesorten kann einfach mitverzehrt werden - beispielsweise die von Roter Bete, Khaki, Äpfeln, Birnen, Karotten, Kartoffeln, Hokkaido-Kürbis, Feige und sogar Mango. Da sich die meisten Vitamine direkt unter der Schalte befinden, ist das sogar sehr gesund. Es sollte sich allerdings um Bio-Obst handeln; konventionelles Obst ist meist mit Pestiziden behandelt und sollte daher geschält werden.

Auch bei gekeimten Lebensmitteln ist Vorsicht geboten: Die Triebe bilden den in hoher Dosis giftigen Stoff Solanin. Knoblauch und Zwiebeln sind dagegen auch in gekeimtem Zustand unbedenklich. Auch einige Obst- und Gemüsekerne lassen sich verwerten: Der Avocadokern enthält beispielsweise zahlreiche gesunde Nährstoffe, Ballaststoffe und Aminosäuren. Als Topping für Salate und Smoothies lässt sich der gewaschene Kern einfach mit einer Reibe zerkleinern und bei niedriger Hitze anrösten.

Pflänzchen aus den Trieben ziehen

Ist das gekeimte Gemüse nicht mehr verzehrbar, können aus Ingwer, Knoblauch oder Zwiebeln neue Pflänzchen gezogen werden: Dazu einfach das weiße Endstück zu etwa einem Drittel mit Wasser bedecken und an einen hellen Platz stellen, bis sich die ersten Triebe zeigen. Je nach persönlicher Vorliebe können die kleinen Pflänzchen dann entweder zerkleinert zum Salat gegeben oder ausgepflanzt und großgezogen werden.

Wundermittel Kaffeesatz

Auch Kaffeesatz kann noch viele Wege gehen, bevor er im Müll landet: Aus fünf Teelöffeln abgekühltem Kaffeesatz, einem Teelöffel Honig und einem Teelöffel Olivenöl wird beispielsweise eine reinigende Gesichtsmaske. Auch für schnödere Anwendungsgebiete eignet sich Kaffeesatz wunderbar, beispielsweise um unangenehmen Kühlschrankgeruch zu neutralisieren - denn Kaffee oxidiert mit Sauerstoff und bindet Gerüche.

Auch bei der Grillreinigung bewährt sich der Kaffeesatz: Einfach auf einen Schwamm geben, den Grillrost damit abreiben und mit warmem Wasser abspülen. Textilien oder Ostereier können mit Kaffeesatz sogar gefärbt werden. Und zu guter Letzt taugt er wunderbar als Dünger: Das enthaltene Kalium, Phosphor und Stickstoff verhilft Pflanzen zu gesundem Wachstum. Dazu einfach ein bis zwei Esslöffel Kaffeesatz auf die Blumenerde geben.

Düngen mit der Wurmkiste

Was endgültig wegkann, muss noch lange nicht in die Tonne: Eine Wurmkiste verwandelt Biomüll in wertvollen organischen Dünger - auch ohne großen Garten oder Komposthaufen. In der Kiste verdauen Kompostwürmer den Biomüll zu Humus. Geeignete Wurmarten sind "Eisenia fetida", "Eisenia andrei" und "Dendrobena veneta". Sie können beim Angelbedarf gekauft oder online bestellt werden.

Da diese Würmer den Biomüll sehr schnell abbauen, kommt es nicht zu unangenehmen Gerüchen - eine Wurmkiste kann daher sogar im Wohnzimmer Platz finden. Sie sollte aus unbehandeltem Holz bestehen und nicht isoliert werden. Mittig wird die Wurmkiste durch ein Metallgitter geteilt. Auf der einen Seite des Gitters landet der Biomüll. Ist dort eine ordentliche Menge Humus zusammengekommen, wird der neue Biomüll auf die andere Seite des Gitters gegeben. Die Würmer wandern dann dorthin, und nach einigen Tagen kann der wurmfreie Humus entnommen werden.

Eigenen Komposthaufen anlegen

Wer einen großen Garten hat, entsorgt seinen Bioabfall einfach auf dem hauseigenen Komposthaufen. Der ist praktisch, ökologisch und pflegeleicht. Der Komposthaufen sollte direkt auf dem Gartenboden platziert sein, damit auch Regenwürmer Zugang zu ihm finden. Nasse Abfälle wie Obstreste sollten mit trockenen Holzhäckseln oder Laub vermischt werden, um Geruchsbildung zu verhindern. Damit der Kompost und seine fleißigen Helfer im Sommer nicht austrocknen, bewährt sich ein schattiger Standort.

Gemeinsam mit Asseln und unzähligen Mikroorganismen fressen sich die Regenwürmer dann fleißig durch den Abfall und verwandeln ihn in hochwertigen Dünger, der anschließend gesiebt in den Gartenboden eingebracht werden kann. Nicht auf den Komposthaufen gehören die Schalen von Südfrüchten, Fleischreste und gekochte Lebensmittel, Kohleasche sowie Unkräuter mit Samen.

Entsorgung von Grünschnitt und Erdaushub

Große Mengen Gartenabfall können einen Kompost überfordern. Das illegale Ablagern von Grünabfall oder Erdaushub im Wald wird allerdings mit Geldstrafen geahndet, da es ökologisch sehr bedenklich ist. Dennoch lohnt sich für leidenschaftliche Gärtner die Investition in eine passende Anhängerkupplung für den Pkw: Auf der lokalen Mülldeponie oder beim öffentlichen Entsorgungsunternehmen können Privatpersonen ihren Erdaushub und Grünschnitt nämlich bis zu einer bestimmten Menge kostenfrei entsorgen.

Auch der Verkauf von Erdaushub kann eine sinnvolle Option sein, schließlich wird er gerne zur Anlage von Beeten oder Hügeln im Garten verwendet. Mit einem eigenen oder gemieteten Anhänger lässt sich der Erdaushub schnell zu Interessenten oder zur Entsorgung bringen, und tritt von dort seinen zweiten Lebenszyklus an.

(vo)