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Biallos Ratgeber: Traumkonditionen für Hausbauer

Biallos Ratgeber : Traumkonditionen für Hausbauer

Das Thema Negativzinsen sorgt unter Sparern für schlechte Stimmung, doch für Bauherren sind sie höchst attraktiv. Möglich macht das die staatliche Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Einen Immobilienkredit über 120.000 Euro aufnehmen und im Idealfall nur 72.000 Euro zurückzahlen – was zu schön klingt, um wahr zu sein, gibt es wirklich. Möglich macht dies die staatliche Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Sie bietet zwar keinen negativen Sollzins, sondern verlangt für ihre Förderkredite zum energieeffizienten Bauen und Sanieren derzeit 0,75 bis 0,95 Prozent (Stand 9. September 2020).

Der Clou besteht jedoch in hohen Tilgungszuschüssen, die den Effektivzins – also den Zins, bei dem alle Finanzierungskonditionen berücksichtigt werden – ins Minus rutschen lassen. Diese sind umso höher, je höher die Energieeinsparung der Immobilie ist.

Im Optimalfall sind dies 30.000 Euro beim Neubau und 48.000 Euro bei der Sanierung. Wer beispielsweise die maximale Darlehenssumme von 120.000 Euro aufnimmt und den höchstmöglichen Zuschuss für die Sanierung erhält, zahlt unterm Strich nicht den Sollzins von 0,75 Prozent, sondern bekommt noch Geld geschenkt. „Das entspricht bei zehn Jahren Laufzeit einem Zinssatz von gerundet minus zwölf Prozent“, rechnet KfW-Pressesprecherin Alia Begisheva vor.

Negativzins beim Sanieren: Wer ein Haus oder eine Wohnung kaufen und energetisch sanieren will, profitiert von den KfW-Krediten 151 oder 152 (Sanieren). Alternativ fördert die KfW auch den Ersterwerb von saniertem Wohnraum, sofern die Sanierungskosten im Kaufvertrag separat ausgewiesen werden.

Die Förderkonditionen und die Darlehenssumme hängen vom Sanierungsumfang ab: Für Einzelmaßnahmen wie etwa den Austausch der Fenster und Außentüren gibt es bis zu 50.000 Euro und einen Tilgungszuschuss von 20 Prozent beziehungsweise maximal 10.000 Euro. Bei Erreichen eines sogenannten KfW-Effizienzhaus-Standards finanziert die KfW bis zu 120.000 Euro und spendiert einen umso höheren Zuschuss, je höher der neue energetische Standard ist. Die Staffelung reicht von 25 bis 40 Prozent. Der Sollzins beträgt 0,75 Prozent.

Negativzins bei Neubauten: Wer bauen will, erhält mit dem KfW-Kredit 153 „Energieeffizient Bauen“ unterm Strich ebenfalls eine Finanzierung zum Negativzins. Dabei finanziert die Förderbank die Bau- sowie Baunebenkosten – jedoch ohne Grundstück – oder den Kaufpreis einer Wohnung. Voraussetzung ist wie bei den Sanierungs-Programmen, dass ein Energieexperte mit der Baubegleitung beauftragt wird. Der Tilgungszuschuss hängt vom erreichten KfW-Effizienzhaus-Standard ab und beträgt bis zu 30.000 Euro. Der Sollzins ist von der Laufzeit abhängig und liegt zwischen 0,75 Prozent und 0,95 Prozent. Je nach KfW-Effizienzhaus-Standard liegt der Effektivzinssatz bei diesem Programm bei bis zu minus 5,5 Prozent (40-Plus-Standard, zehn Jahre Laufzeit).

Zuschuss ohne Kredit: Alternativ kommt für Sanierer das KfW-Programm 430 „Energieeffizient Sanieren – Investitionszuschuss“ infrage. Hierbei handelt es sich um einen Zuschuss ohne Kredit. Er richtet sich an Sanierer, die über ausreichend Eigenmittel verfügen oder einen Kredit bei einer anderen Bank abschließen. Die Höhe der Zuschüsse entspricht denen des Kreditprogramms. Für Neubauten gibt es diesen Zuschuss nicht.

Weitere Fördermittel: Familien können zudem über das Baukindergeld die Finanzierungskosten reduzieren. Weitere Zuschüsse spendiert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) für den Einbau einer mit erneuerbaren Energien betriebenen Heizungsanlage.

Alexander Krolzik, Finanzierungsexperte der Verbraucherzentrale Hamburg, empfiehlt darüber hinaus, sich beispielsweise mit Hilfe der Plattform baufoerderer.de der Verbraucherzentralen über weitere regionale Fördertöpfe zu informieren.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers.