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Betriebskosten: Mieter müssen immer mehr bezahlen

Betriebskosten : Mieter müssen immer mehr bezahlen

In Ballungszentren steigen die Kaltmieten seit Jahren. Fast ebenso schnell schießen die Nebenkosten in die Höhe.

Laut dem Deutschen Mieterbund mussten Mieter schon 2018 mit durchschnittlich 2,19 Euro pro Quadratmeter rechnen. Seitdem ist die zweite Miete noch weiter angestiegen.

Wieso die Nebenkosten 2021 steigen

Millionen Deutsche fühlen sich wegen hoher Wohnkosten überlastet. Im vergangenen Jahr hat sich diese Überlastung wegen der Coronakrise sogar zugespitzt. Man verbrachte mehr Zeit zu Hause und verbrauchte mehr Energie. Der daraus resultierende Anstieg der Nebenkosten hatte hohe Betriebskostennachzahlungen zur Folge. In diesem Jahr wird sich die Lage im Hinblick auf die Nebenkosten keineswegs entspannen. Schuld daran sind unter anderem:

  • die neue CO2-Abgabe
  • die Rückkehr zur regulären Mehrwertsteuer
  • die anhaltende Homeoffice-Pflicht

Verbraucher-Tipp: Trotz tendenziell steigender Betriebskosten sollten Verbraucher ungewöhnlich hohe Nebenkosten prüfen lassen. In fast 90 Prozent aller Fälle liegen Fehler wie versäumte Abrechnungsfristen oder falsche Umlageschlüssel vor. Mieter müssen die Kosten in diesen Fällen nicht tragen.

Wie die Energiewende Versorgerpreise verändert

Im Kampf gegen den Klimawandel peilt die Bundesregierung in ihrem nationalen Klimaplan die schrittweise Reduktion von CO2-Emissionen an. Bis zum Jahr 2050 will Deutschland vollständig klimaneutral werden. Die Energiewende soll dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen. Erneuerbare Energien wie Solarstrom sollen Schritt für Schritt fossile Energieträger und Kernenergie ersetzen. Für Verbraucher sollen Anreize zum Umstieg geschaffen werden.

Das sind die Preistreiber: Was Strom betrifft, soll die EEG-Umlage Umstiegsimpulse zur Energiewende schaffen. Zahlten Verbraucher im Jahr 2012 noch 3,592 Cent pro Kilowattstunde, sind es 2021 satte 6,5 Cent. Im Hinblick auf Wärmeerzeugung ist in diesem Jahr außerdem die CO2-Steuer in Kraft getreten. Pro Tonne produziertem CO2 ist seit Januar eine Abgabe von 25 Euro fällig. Öl- und Gasheizungen werden dadurch teurer.

Beziehen Privatverbraucher im Jahr 2021 3.500 Kilowattstunden, zahlen sie durchschnittlich 38 Euro mehr für ihren Stromverbrauch. Die genauen Mehrkosten hängen vom Versorger und der Region ab. Die Stadtwerke im bayrischen Bamberg setzen mit 7,7 Prozent die höchsten Erhöhungen durch. Noch größere Preissprünge sind ab diesem Jahr für das Heizen einzuplanen.

Wer ein Einfamilienhaus mit Gas heizt, verbraucht typischerweise 20.000 Kilowattstunden pro Jahr. Dabei entstehen vier Tonnen CO2, die Verbraucher im Jahr 2021 120 Euro mehr kosten. Mit 158 Euro Zusatzkosten sind Ölheizungen noch teurer.

Verzwickte Lage für deutsche Mieter

Im vergangenen Jahr hatten deutsche Verbraucher im Hinblick auf die Entwicklung der Energiekosten Glück im Unglück. Durch die Coronakrise fiel der Reinölpreis. Außerdem trat die reduzierte Mehrwertsteuer in Kraft, die von vielen Versorgern in voller Höhe an Kunden weitergegeben wurde. Die Nebenkosten waren dadurch grundsätzlich billiger, als zu erwarten gewesen wäre. Dass viele Verbraucher trotzdem eine höhere Jahresabrechnung erhalten haben, lag unter anderem an der Homeoffice-Entwicklung und den Ausgangssperren.

Die abgesenkte Mehrwertsteuer gilt seit dem ersten Januar 2021 nicht mehr, obwohl die Krise noch nicht bewältigt wurde und Deutschland auch Anfang des Jahres im Lockdown ist. Erst in diesem Jahr wird der Mehrverbrauch durch die Stunden zuhause wirklich ins Gewicht fallen. Mieter sind durch die steigenden Kosten stark benachteiligt, meinen Verbraucherschützer. Anders als Immobilienbesitzer können sie beispielsweise nicht einfach auf alternative Heizsysteme umsteigen oder Solaranlagen installieren. Sie können höchstens ihren Energieverbrauch reduzieren. Beispielsweise, indem sie

  • möglichst effiziente Geräte verwenden.
  • Fenster und Türen geschlossen halten und ordentlich abdichten.
  • richtig lüften.
  • Heizungen angemessen regeln.
  • Stand-by-Modus vermeiden.
  • Prognose: Nebenkosten werden auch in den nächsten Jahren steigen

Durch den Atomkraftausstieg steigt die Angst vor einer Stromlücke. Davon abgesehen werden fossile Energieträger wie Erdöl immer weniger. Dass die Energiepreise in den nächsten Jahren fallen könnten, ist vor diesen Hintergründen unwahrscheinlich. Was die CO2-Abgabe betrifft, will die Bundesregierung ab 2025 sogar 55 Euro pro Tonne abkassieren. Öl- und Gasheizungen kosten dann verglichen mit dem aktuellen Jahr mehr als doppelt so viel.

Viele Verbraucherschützer fragen offen, wie Mieter die Mehrbelastungen künftig bewältigen sollen. Mit Energiesparen allein wird es für finanziell schlechter gestellte Familien nicht getan sein. Die Bundesregierung plant daher Unterstützungsmöglichkeiten aus den neu eingenommenen CO2-Steuergeldern.

Außerdem hat man sich zur Deckelung der EEG-Umlage entschieden. Hätte jene nicht stattgefunden, würde Strom schon in diesem Jahr annähernd neun Cent pro Kilowattstunde kosten. Weil Immobilienbesitzern Förderungen zum Umstieg auf erneuerbare Energien in Aussicht gestellt werden, soll sich die Lage für Mieter binnen des nächsten Jahrzehnts entspannen. Wie genau bis dahin mit der Verteilung der Mehrkosten umgegangen werden soll, bleibt dennoch eine viel diskutierte Frage.