Bauherren sind verantwortlich: Wie sicher sind Baustellen heute?

Bauherren sind verantwortlich : Wie sicher sind Baustellen heute?

Ein Bauherr oder eine Baugenossenschaft hat verantwortungstechnisch durchaus mehrere Eisen im Feuer. Er hat das Bauprojekt zu besichtigen, die Finanzen im Blick zu behalten und natürlich dafür Sorge zu tragen, dass die Baustelle allgemein abgesichert ist und die Arbeiter unter geschützten Konditionen arbeiten.

Da spielt es keine Rolle, ob es sich um ein kleines Projekt im Garten handelt, um den Bau eines Einfamilienhauses oder den Bau eines Wolkenkratzers. Fakt ist aber auch, dass die meisten Personen, sollten sie nicht selbst von Fach sein, die Bauleitung an eine externe Firma abgeben. Was allerdings nicht unbedingt bedeutet, dass ein Bauherr keine weitere Verantwortung trägt. Dieser Artikel schaut sich das Thema genauer an.

Wer ist für die Sicherheit auf Baustellen generell verantwortlich?

Natürlich ist der Bauherr als Auftraggeber eines Projekts verantwortlich. In diesem Punkt sieht der Gesetzgeber jedoch Abweichungen vor. Das liegt unter anderem daran, dass einer Privatperson, die ein Eigenheim baut, kaum auferlegt werden kann, sämtliche Belange und Regeln rund um den Bau zu kennen und somit beachten zu können. Aus diesem Grund ist es möglich und in allen Größenbereichen gängig, die Oberaufsicht an die Bauleitung - oft die ausführende Baufirma - abzugeben. Allerdings mit einer Einschränkung:

  • Schwarzarbeit - offensichtliche Schwarzarbeit darf vom Bauherrn nicht ignoriert werden, sondern muss zur Anzeige gebracht werden.
  • Offensichtliche Gefahren - stellt ein Bauherr beispielsweise fest, dass auf seiner Baustelle an Schutzhelmen, Sicherheitsschuhen oder Sicherungen gespart wird, muss er auch diese Punkte zur Anzeige bringen.

Generell bleibt der Bauherr also in der Pflicht, wenngleich er der Bauleitung oder einem anderen Sicherheitsbeauftragten die Aufsicht abtritt. In den meisten Fällen ist dieser Weg von Vorteil, denn:

  • Gerüstbau - selbst ein optimal aufgestelltes und abgesichertes Gerüst wirkt auf Laien unsicher. Es ist nur schwer vorstellbar, dass ein Laie nun echte Mängel oder Schwachstellen entdeckt.
  • Strom - Baustellenstrom und dessen Verkabelung ist für Laien oft ein einziges Chaos. Ein versierter Bauleiter, der tagtäglich mit Baustellen in Kontakt kommt, kennt jedoch die Tücken und Anforderungen.
Bei Seilwinden und Krantechnik ist es besonders wichtig, Sicherheitsmaßnahmen festzulegen. Der untere Bereich muss unbedingt gesichert sein. Foto: Adam King / Unsplash.com

Die Übergabe der Aufsicht muss immer vertraglich festgehalten sein. Anderenfalls kann es im Falle einer Beschwerde durch die Bauaufsicht schnell geschehen, dass sich niemand verantwortlich fühlt. In vielen Bauverträgen wird die Abtretung automatisch an die ausführende Baufirma erteilt. Aber: Dennoch sind Bauherren verpflichtet, nach bestem Wissen und Gewissen die Baustelle zu bewerten und auf die generelle Sicherheit zu achten.

Welche Versicherungen sind hier Pflicht?

Es gibt diverse Versicherungen, die teils Pflicht sind, teils angeraten. Für private Bauherren, die durchaus mit Freunden selbst Hand anlegen wollen, ist übrigens sehr wichtig zu wissen, dass die Tätigkeiten der Bauberufsgenossenschaft angemeldet werden müssen - inklusive der Helfer. Zudem ist eine Bauhelferversicherung für die Mithelfenden angeraten.

Verletzt sich ein helfender Freund auf dem Bau, tritt nun die Versicherung für die Kosten ein. Werden Meldung und Versicherung unterlassen, könnte es im Endeffekt Schwierigkeiten mit der Krankenkasse oder einer Unfallversicherung geben. Weitere Versicherungen rund um Bauprojekte:

  • Bauherrenhaftpflicht - sie schützt vor Schadenersatzforderungen, wenn es zu Personen- oder Sachschäden auf der Baustelle kommt. Gleichzeitig kommt sie für Schäden auf, die durch die Baustelle entstehen.
  • Weitere Versicherungen - die Rohbau- und Bauleistungsversicherung ist ebenfalls angeraten, wenngleich beide nicht mit der Sicherheit der Baustelle zusammenhängen.

Wie sicher sind Baustellen heute generell?

Wenn alles korrekt gesichert ist, dann sind die heutigen Baustellen relativ sicher. Natürlich können weiterhin Unfälle geschehen, doch entstammen diese dann Missgeschicken oder dem einfachen menschlichen Versagen. Die notwendigen Sicherungsmaßnahmen sind klar geregelt und es gibt keine größere Baustelle, die nicht unangemeldet von der Bauaufsicht besucht und auf ihre Sicherheit hin überprüft wird. Einige Beispiele rund um Sicherungen:

  • Schutznetze - Gerüste an Fassaden oder bei höheren Häusern auf dem Dach werden nicht allein in sich gesichert, sondern zugleich mit Netzen vor herunterstürzenden Gegenständen. Aus gutem Grund: Schon ein Schraubendreher kann eine tödliche Verletzung erwirken, wenn er aus dem vierten Stock vom Gerüstbrett rollt.
  • Kräne - Kräne müssen immer abgesichert sein. Nicht nur ist der Stand genau zu überwachen, auch die Position des Krans an sich ist abzusichern. So darf sich im Bewegungsbereich der Schwerlast niemand aufhalten. Bleibt der Kran über Nacht stehen, muss sichergestellt sein, dass Unbefugte nicht an ihn herankommen.
  • Elektroseilwinden - wo immer einer Seilwinde zum Einsatz kommt, ist bezüglich der transportierten Lasten Vorsicht geboten. Ein Beispiel: Werden Werkzeuge mit einem Eimer über die Seilwinde nach oben transportiert, muss der Eimer so gesichert sein, dass er nicht auskippt. Zugleich benötigt die Winde einen Nothalt. Grundsätzlich sind Elektroseilwinden heute von sehr guter Qualität, sofern das Bauunternehmen sich von Fachhändlern ausstatten lässt.
  • Wege und Treppen - wo immer ein Arbeiter auf der Baustelle fallen kann, sind Sicherungen notwendig. Hierzu dürfen Bretter genutzt werden, doch sind sie so fest zu befestigen, dass auch eine erwachsene Person, die dagegen stolpert, sie nicht durchbrechen oder lösen kann. Löcher in Böden sind abzudecken, damit keine Sturz- oder Fallgefahr herrscht.
  • Elektrik - auch sie ist so abzusichern, dass es nicht zu Stromstößen kommen kann. Beispiel: Verlängerungskabel über normale Steckdosenleisten auf feuchten Böden zu legen, ist klar verboten. Verlängerungskabel über speziell geschützte Optionen auf feuchten Böden zu legen, ist erlaubt.
  • Arbeiter - für Baustellen gelten besondere Sicherheitsvorschriften für sämtliche Arbeiter. Helme, Sicherheitsschuhe, teils auch Höhenabsicherungen sind Standard. Diese Vorschriften werden auch regelmäßig überwacht. Sollte ein Bauherr merken, dass auf »seiner« Baustelle diese nicht eingehalten werden, muss er unbedingt die Firma ansprechen.

Es sind natürlich weiterhin Unfälle möglich, doch werden diese durch die heutigen Vorschriften stark eingeschränkt. Voraussetzung ist natürlich, dass die Vorschriften auch eingehalten werden, denn nur mit den soliden Absicherungen ist es möglich, eine Baustelle als sicher zu bezeichnen.

Sicherheit ist Pflicht

Auch ein Bauherr kann sich nicht vollends zurücklehnen, sondern muss auf die Sicherheit achten. Sicherlich kann er die Aufsicht abtreten, doch spätestens, wenn er mit Bekannten Eigenleistungen unternehmen möchte, kommt die Berufsgenossenschaft samt Versicherung für ihn ins Spiel. Zugleich ist die Bauherrenhaftpflicht notwendig, denn nur sie kommt für Unfälle und Schäden auf der Baustelle oder durch die Baustelle auf.

(vo)
Mehr von Aachener Zeitung