1. Leben
  2. Bauen und Wohnen

Baubranche bleibt trotz Corona stabil

Trotz Corona : Baubranche bleibt stabil

Kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie kamen die unterschiedlichsten Prognosen auf. Teilweise erwarteten Experten sogar den vollkommenen Zusammenbruch der Weltwirtschaft. Und auch der Baubranche wurden verheerende Folgen vorausgesagt.

Mit etwas Abstand betrachtet stellt sich heraus, dass diese Szenarien glücklicherweise vollkommen übertrieben waren. In Deutschland wird nach wie vor überall gebaut und die Auftragslage sieht für die Branche sehr erfreulich aus.

Ging Corona völlig spurlos an der Baubranche vorbei?

Wie auch in vielen anderen Branchen herrschte im Bau zu Beginn der Pandemie vor allem große Verunsicherung. Die Unternehmer standen vor neuen Herausforderungen, mit denen sie noch nie zuvor konfrontiert waren und die sie auch in ihren düstersten Katastrophen-Szenarien nicht auf dem Plan hatte.

Das führte letztlich dazu, dass es auch auf den Baustellen anfangs zu großer Verunsicherung kam. Doch entgegen aller Erwartungen wurde die Arbeit sehr schnell wieder aufgenommen. Laut Einschätzung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie konnten rund 75 Prozent der Unternehmen ihren Betrieb weitestgehend am Laufen halten. 

Auch am Aktienmarkt wurden die Auswirkungen kurzfristig sichtbar. Die Börsenkurse rasselten im März 2020 in den Keller und davon betroffen waren auch jene von Bau-Unternehmen, Zulieferern und Herstellern von Baustoffen. Doch die meisten Kurse hatten sich bereits im Spätsommer wieder erholt. 

Bei Betrachtung der Zahlen des statistischen Bundesamts lässt sich feststellen, dass das erwartete Jahr der Krisen 2020 sogar ein Jahr der Rekordumsätze war. Der Gesamtumsatz der Branche stieg im Vergleich zu 2019 um insgesamt 6,6 Prozent auf 98,3 Milliarden Euro. Auch die Anzahl der Beschäftigten stieg dabei immerhin um 3,7 Prozent. 

Es sind jedoch nicht immer nur die offiziellen Kennzahlen, an denen sich erkennen lässt, wie es einer Branche gerade geht. Oftmals lässt sich der Zustand auch über Umwege erkennen. Zum Beispiel durch die Betrachtung der Auktionen bei gewerblichen Auktionshäusern. Auch dort blieb das Niveau der Auktionen mit Produkten aus dem Baugewerbe in den letzten Monaten stabil.

Insgesamt ist die Baubranche in Deutschland also mit einem kleinen blauen Auge davongekommen. Doch ist das tatsächlich der Fall oder kommt das bittere Erwachen eventuell erst?

Welche Entwicklung nimmt die Baubranche in den nächsten Monaten?

Der Konjunkturbericht vom Zentralverband des deutschen Baugewerbes (ZDV) im ersten Quartal 2021 zeigt einen verhaltenen Start in das Baujahr 2021. Dafür nennt der ZDV vor allem drei Gründe:

  • Es waren zwei Arbeitstage weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
  • Der Wintereinbruch hat den Start verzögert.
  • Das Pendel der Vorzieheffekte der Bauproduktion wegen der zum Ende des Jahres 2020 auslaufenden Mehrwertsteuersatzabsenkung schlägt nun zurück.

Insgesamt wird im Wohnungsbau für das Jahr 2021 ein Umsatz von 55,9 Milliarden Euro erwartet. Das entspricht einem Zuwachs von etwa drei Prozent zum Vorjahr. Die Zukunft scheint hier positiv zu sein und die Nachfrage ist nach wie vor ungebrochen.

Im Wirtschaftsbau erwarten die Experten einen Umsatz von 48,8 Milliarden. Das würde einem Rückgang von rund 2 Prozent entsprechen. Die einzelnen Gebäudetypen sind davon jedoch unterschiedlich betroffen. Während beispielsweise der Bau von Lagerhallen für den Online-Handel boomt, stagnieren vor allem die Büroflächen. 

Die gute Nachricht für den Arbeitsmarkt: Die Zahl der Beschäftigten bleibt zumindest stabil und soll laut den Prognosen sogar leicht von 893.000 auf insgesamt 900.000 steigen. Auch hier ist eine Verlagerung unter den einzelnen Tätigkeiten zu erkennen.

Die Digitalisierung spielt auch in der Baubranche eine wichtige Rolle und entsprechende Experten werden hier händeringend gesucht. Um dieses Nachwuchsproblem in den Griff zu bekommen, wird es für die Unternehmen von entscheidender Bedeutung sein, entsprechende Förderprogramme zu etablieren. 

Deutschland ist kein isolierter Markt in der Baubranche

Auch wenn die heimische Baubranche bisher gut durch die Corona-Pandemie gekommen ist, leidet sie stark unter den internationalen Entwicklungen. In Zeiten der Globalisierung gibt es so gut wie keine isolierten Märkte mehr. Davon ist auch Deutschland stark betroffen.

Das zeigt sich zum Beispiel an den zahlreichen Lieferschwierigkeiten, mit denen die Bauunternehmen aktuell zu kämpfen haben. Wenn das so weitergeht, könnte die Materialknappheit den Bauboom dämpfen. Betroffen davon sind vor allem Rohstoffe wie Baustahl, Dämmstoffe und PVC-Rohre.

Felix Pakleppa vom ZDB empfiehlt den Unternehmern, wieder vermehrt auf regionale Produktion zu setzen, um die Abhängigkeit von importierten Baustoffen zu reduzieren. Bei Kies, Gips und Sand ist das sehr einfach möglich.

Das würde auch zu weniger Preisschwankungen führen. Denn durch die Pandemie sind die Kosten für einzelne Baustoffe teilweise erheblich gestiegen. Bei Holz und Erzeugnissen aus Mineralöl lag er zum Beispiel bei etwa 15 bis 20 Prozent, Betonstahl wurde sogar um bis zu 30 Prozent teurer. 

Die Gründe dafür sind immer noch die Nachwehen von weltweiten Lockdowns, die dazu führten, dass nicht genügend Material hergestellt wurde. Bei der Abarbeitung der Rückstände erhalten dann oftmals jene Länder den Vorzug, in denen produziert wird.

Doch nicht immer sind die Schwierigkeiten auf die Globalisierung zurückzuführen. Das gilt vor allem beim Thema Genehmigungen. Viele Bauunternehmen berichten hier von Verzögerungen, weil in den Kommunen lange Zeit Stillstand bei den Genehmigungsprozessen herrschte und es auch hier zu einem großen Rückstau gekommen ist, der erst langsam wieder aufgearbeitet wird.

Das alles ist jedoch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Bei Betrachtung der Gesamtsituation sieht es aktuell so aus, als ob diese Entwicklungen nicht allzu schwerwiegend sind.

Denn die Baubranche ist nicht so abhängig vom Export wie andere Branchen und somit wirkt sich auch eine sinkende Anfrage nicht so stark aus. Darüber hinaus ist der Neubaumarkt ein stabiler Investitionsmarkt, der von langfristigen Überlegungen geprägt ist. Und letztlich konnten sich viele Bauunternehmen durch den Bauboom vor Corona solide Reserven anlegen, mit denen sie die aktuelle Situation locker überstehen können.