Fahrbericht: Wenn man vom Porsche Macan S träumt

Fahrbericht : Wenn man vom Porsche Macan S träumt

Was ist passiert, wenn ein elfjähriger Junge unversehens am Frühstückstisch verkündet, er müsse so schnell wie möglich etwas mehr als sechs Jahre lang monatlich 2000 Euro verdienen? Er hat sich verliebt. Verliebt in einen Porsche Macan S.

Nach ein paar Mitfahrtagen stand für den Jungen fest, dass der sportliche SUV sein Zukunftstraum von einem Fortbewegungsmittel ist.

Keine Frage - der Junior zeigt Geschmack. Der 4,70 Meter lange Wagen ist optisch gelungen. Die Designer haben augenscheinlich viel Wert daraufgelegt, porschetypische Merkmale auf das kompakte SUV zu übertragen. Dazu zählt die typische Linienführung mit Kotflügeln, die höher liegen als die Motorhaube, ebenso wie die sanft nach hinten abfallende Dachlinie oder die sich zum Heck hin verjüngende Kabine mit den elliptischen Fenstern. Bei der aktuellen Generation geben die LED-Scheinwerfer mit Vierpunkt-Grafik der Karosserie noch etwas mehr Glanz als bisher.

Eindeutig erkennen lässt sich der Macan Jahrgang 2019 zudem an den großen Lufteinlässen entlang der Front, den geschärften Linien der Motorhaube oder an dem dreidimensional herausgearbeiteten Leuchtenband, das die Rücklichter miteinander verbindet. Letzteres lässt das Heck ungemein edel aussehen und unterstreicht zusätzlich die Breite des Wagens.

Hinter der elektrisch agierenden Kofferraumklappe verbirgt sich ein Ladeabteil mit 500 Litern Fassungsvolumen. 1500 Liter auf einer nahezu ebenen, 1,70 Meter langen Ladefläche sind es bei umgelegten Lehnen der Rücksitzbank. Ebenso großzügig geschnittenen Passagierabteil muss sich niemand beengt fühlen. Die lederbezogenen Sportsitze (3177 Euro) sind - bis auf den Mittelplatz im Fond - bequem geschnitten, geben guten Halt und lassen sich für Fahrer und Beifahrer vielfach anpassen (1785 Euro). An der Optik der breiten Mittelkonsole mit den zahlreichen Tasten stört sich zunächst auch der junge Beifahrer. Doch schnell konstatiert er mit Kennerblick, dass sich der logische Aufbau der Funktionen im Alltag bewährt.

So analog dieser Part ist, so vielfältig sind die digitalen Möglichkeiten am elf Zoll großen Touchscreen. Dessen Gestaltung kann mit vordefinierten Kacheln ganz individuell ausfallen. Mit dem im Porsche Communication Management serienmäßig verbauten Connect-Plus-Modul ist der Macan S zudem voll vernetzt. Damit lässt sich beispielsweise das Reiseziel schon vom heimischen Rechner aussuchen, ins Navi übertragen, so dass es beim Start bereits vorgegeben ist. Die generell integrierte Online-Navigation überträgt Verkehrsinformationen in Echtzeit. Außerdem gibt es eine intelligente Sprachsteuerung.

Ganz echt und real ist wiederum das sportliche GT-Lenkrad (1017 Euro), an dem gleich zwei Details für Freude sorgen. Da sind zu einen die kleinen, knubbelähnlichen Regler. Mit dem linken Daumen lässt sich die Lautstärke verstellen, mit dem rechten wird im Menü geblättert. Ergonomisch haben die Porsche-Designer hier eine äußerst praktische Lösung gefunden. Zum anderen ist da aber auch der integrierte Mode-Schalter, der in Verbindung mit dem Sport Chrono Paket den Zugriff auf unterschiedliche Fahrprogramme möglich macht.

Ein Druck auf den mittigen Response Button und schon steht 20 Sekunden lang ein Höchstmaß an Performance zur Verfügung. Die Beschleunigungswerte von null auf 100 Kilometer pro Stunde (km/h) beziffert Porsche mit 5,1 Sekunden. Bis die Nadel auf der Ziffer 160 steht vergehen gerade einmal 13 Sekunden. Die Basis für solche Beschleunigungswerte liefert der mit einer Siebengang-Automatik kombinierte 354 PS starke Dreiliter-V6-Turbo mit einem Drehmoment von 480 Newtonmetern (Nm) zwischen 1360 und 4800 Umdrehungen. Das garantiert einen kraftvollen und beeindruckenden Durchzug, bei Überholmanövern ein Plus an Sicherheit. In der Spitze gibt Porsche Tempo 254 an.

Für die entsprechende fahrdynamische Performance sorgt das Fahrwerk. Der Allradler liegt problemlos in der Hand und zeigt sich selbst bei durchaus flotten Kurvenfahrten bestens beherrschbar. Wer sich für die überarbeitete Luftfederung entscheidet, bekommt für 2629 Euro eine neue Stoßdämpfer-Hydraulik und neu abgestimmten Stabilisatoren. Damit verbessern sich die Fahreigenschaften nochmals spürbar. Während der Macan auf schlechter Wegstrecke souverän dahinrollt, die Insassen vor Schlägen und Stößen verschont, zeigt er bei der wilden Kurvenhatz echte Sportwagenqualitäten. Präzise und spurtreu geht es bei ambitionierter Fahrt um die Ecken.

Bei so viel Power schaltet sich das schlechte Gewissen beim Blick in Richtung Verbrauchsanzeige im Bordcomputer schon vorbeugend ein. Doch die Überraschung ist groß. Trotz diverser zügig gefahrenen Strecken sind „nur“ 11,2 Liter im Durchschnitt an der Anzeige abzulesen. Dass das unter ökologischen Gesichtspunkten natürlich noch immer zu viel ist, ist unbestritten. Für ein nahezu zwei Tonnen schweres Fahrzeug mit dieser Leistung muss dieser Wert aber als akzeptabel bezeichnet werden. Immerhin ist der Sechszylinder mit einem Partikelfilter ausgerüstet und erfüllt die Euro 6d-Temp-Norm. Als Normverbrauch gibt Porsche übrigens 8,9 Liter an.

Leicht getrübt wird die junge Liebe des Juniors von der Tatsache, dass er für 64.356 Euro mit dem Basis-Modell des Macan S auskommen müsste. Spartanisch ausgestattet ist der zwar keineswegs. Auf Dinge wie die Trittbretter (1023 Euro), an denen die Hosenbeine beim Aussteigen regelmäßig beschmutzt werden, kann der Bub vermutlich locker verzichten. Doch Extras wie das Sport-Design-Paket (3570 Euro), die Sportabgasanlage mit entsprechenden Endrohren (2403 Euro) oder der Dachhimmel in Alcantara (1309 Euro) wären eben doch schick. Mit solchen und ein paar anderen Optionen schnellt der Preis aber auf 99.901 Euro.

Dafür hat der junge Porsche-Fan indessen nach einer kurzen Denkpause eine Lösung parat: Dann muss er eben mehr verdienen und bleibt zuhause wohnen.

(amv)
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