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Mazda3 skyactive-x 2.0 M Hybrid: Wenig Schatten

Mazda3 skyactive-x 2.0 M Hybrid : Wenig Schatten

Bei all dem Hype um SUV in jeglichem Segment geraten sie schon fast in Vergessenheit: die ganz normalen Kompaktwagen. Wobei „ganz normal“ beim Mazda3 eigentlich nicht stimmt. Der Viertürer hebt sich in vielerlei Hinsicht vom Wettbewerb ab.

Schon ein erster Blick genügt, um zu sehen, dass Mazda dem 4,46 Meter langen Schrägheckmodell eine besondere Art des Auftritts in seiner Liga gönnt. Die Linienführung ist sehr klar, fast schon elegant und fließend. Selbst auf Stoßfänger haben die Designer verzichtet. Sie setzen vielmehr darauf, dass sich Licht und Umgebung in den glatten Flanken spiegeln und dadurch eine Struktur entsteht. Das heißt aber keineswegs, dass es dem Mazda3 optisch an Dynamik fehlt. Sie entsteht durch die flach verlaufende A-Säule, das coupéartig geschnittene Dach sowie die nach hinten ansteigende Fensterlinie.

Die Formgebung besitzt allerdings einige kleine Nachteile. So fallen die Türöffnungen hinten relativ schmal aus, was von den Reisenden im Fond ein gewisses Maß an Geschmeidigkeit verlangt, um auf ihre Plätze zu gelangen. Einmal dort angelangt ist die Sicht durch die verhältnismäßig kleinen Fenster nicht unbedingt üppig. Dass zudem wenig Licht einfällt, ist für den Fahrer weniger störend als die eingeschränkte Sicht nach hinten. Die breite C-Säule verstärkt das noch. Unter dem Aspekt Knie- und Kopffreiheit betrachtet, ist indessen alles gut. Raum für die Beine und über dem Scheitel ist für jeden ausreichend vorhanden. Der Kofferraum fällt mit 358 Liter bis 1026 Liter klassenüblich groß aus. Beim Ein- und Ausladen muss jedoch eine Kante überwunden werden.

Besonders großen Wert legt Mazda seit einigen Jahren auf die Gestaltung des Fahrerplatzes. Was hierzulande unter dem sachlichen Begriff „Ergonomie“ zusammengefasst wird, nennt sich in Japan „jinba ittai“ (Harmonie von Pferd und Reiter) - alles soll so gestaltet sein, dass es sich selbstverständlich und intuitiv anfühlt und nutzen lässt. Vom Platz am Steuer aus liegt tatsächlich alles bestens im Blick. Die Bedienelemente sind einfach sowie schnell zu erreichen. Lenkrad, Pedalerie und Sitze liegen in einer geradezu perfekten Linie. Die Verstellbarkeit des Lenkrads ist vor allem in der Tiefe im Vergleich zu anderen Herstellern deutlich besser justierbar. Im Zusammenspiel mit der Sitzhöhen- und einer serienmäßigen Neigungseinstellung der Sitzfläche, kann der Fahrer ganz leicht die für ihn angenehmste Position finden. Zumal die Sitze so bequem konstruiert sind, dass sie eine wirbelsäulenfreundliche Haltung während der Fahrt, eine gute Beckenunterstützung und einen geringen Einfluss von Fahrzeugschwingungen gewährleisten.

Gut und klar ablesbare Anzeigen liefern das Sieben-Zoll-Display des Kombiinstruments und ein 8,8-Zoll-Bildschirm in der Mitte des Armaturenträgers für Informationen über die Navigation, den Fahrzeugzustand oder das Infotainmentsystem. Die Bedienung erfolgt intuitiv über den zwischen den Sitzen liegenden „Multi Commander“ mit Drehrad und Tasten. Auch ein Head-Up-Display ist bereits ab Werk mit an Bord. Eine enorme Erleichterung, da Geschwindigkeitsanzeige oder Richtungsanweisungen so direkt im Blick liegen.

Für den Antrieb sorgt ein Zweiliter-Benziner mit Mild-Hybrid-Technik. Mazda leitet bei diesem Triebwerk die Verbrennung wie bei einem Diesel über eine Kompressionszündung ein. Verbrauch und CO2-Ausstoß sollen dadurch auf Dieselniveau sinken. In der Realität gelingt das nicht ganz. Der laut WLTP angegebene Normwert von 4,5 Litern (103 Gramm CO2/Kilometer) steigt bei einem Mix aus viel Stadtverkehr und einigen durchaus zügiger gefahrenen Überlandstrecken schnell um gut 2,5 Liter an. Überraschend zurückhaltend indessen die Fahrleistungen. Angesichts von 180 PS und einem maximalen Drehmoment von 224 Newtonmetern bei 3000 Umdrehungen pro Minute würde man eigentlich mit mehr Spritzigkeit und Kraft rechnen. Doch die entfaltet der Vierzylinder eher auf die ruhige Art. 8,2 Sekunden für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 drücken das in Papierform aus. Wobei die ruhige Angehensweise ja auch ein Vorteil sein kann: die Motorgeräusche bleiben selbst in Beschleunigungsphasen angenehm zurückhaltend. Einmal auf Touren - 216 Kilometer in der Stunde (km/h) gibt Mazda als Spitzenwert an – gleitet der Kompakte angenehm laufruhig dahin. Die leichtgängige und exakte Lenkung sowie das knackig und präzise zu schaltende Sechsgang-Getriebe passen bestens dazu.

Das gilt überdies für das Fahrwerk. Die Entwickler haben die Spreizung zwischen Sportlichkeit und Komfort gut hinbekommen. Zügige Kurvenfahrten oder schnelle Ausweichmanöver bei hohem Tempo meistert der Mazda3 souverän. Kaum Stöße oder Schläge sind im Innenraum zu spüren, wenn die Fahrt über ramponierte Straßen geht.

Wo viel Licht ist, da bleibt Schatten kaum aus. Den wirft die beim Start generell aktivierte Handbremse, die immer erst gelöst werden muss, bevor es losgehen kann. Das nervt. Ebenso die Ungenauigkeiten der serienmäßigen Verkehrszeichenerkennung, die nicht wirklich zuverlässig agiert. Serie sind außerdem der adaptive Tempomat inklusive Stauassistenzfunktion, Parksensoren am Heck samt Rückfahrkamera, Notbremsassistent mit Fußgängererkennung, Spurwechselerkennung, Licht- und Regensensor oder LED-Scheinwerfer. Sitz- und Lenkradheizung, Klimaautomatik, Apple Car Play und Android Auto, Freisprecheinrichtung, USB-Anschluss, Sport-Multifunktionslederlenkrad und 18-Zoll-Aluräder gehören bei der Version Selection mit zum Lieferumfang. Im Preis von 33.479 Euro sind zusätzlich besondere Extras wie die burgunderrote Lederausstattung (2000 Euro) oder ein Soundsystem (1200 Euro) enthalten.

(amv)