Wolfsburg: VW Arteon: Schick, familientauglich und komfortabel

Wolfsburg : VW Arteon: Schick, familientauglich und komfortabel

Einen VW Arteon als Familienauto zu bezeichnen mag angesichts seiner Positionierung als Topmodel der Marke vermessen sein. Und doch ist etwas Wahres dran, denn schließlich findet jeder in der Familie einen Grund, das Auto gut zu finden.

So sorgt schon allein die sportlich-dynamische Karosserie des 4,86 langen, 1,87 breiten und nur 1,43 Meter hohen Viertürers dafür, dass es pubertierende Kinder ziemlich cool finden, mit diesem Wagen zur Schule gefahren zu werden. Die an den Seiten leicht überlappende mächtige Motorhaube, die muskulösen Radhäuser, in denen sich die 20-Zöller (Aufpreis: 1030 Euro) ausgesprochen gut machen oder das klar gezeichnete Heck unterstreichen den kraftvollen Auftritt. Nahtlos in den breit gezogenen Kühlergrill integrierte LED-Scheinwerfer, rahmenlosen Scheiben, sowie das coupéhaft nach hinten ins Heck fließende Dach sind indessen Anlass für anerkennend gemeinte Aussagen wie: „Der sieht eher aus wie ein Sportwagen und nicht wie ein Passat.“

Mit dem hat der Arteon zwar viel gemein, aber schon der um gut fünf Zentimeter längere Radstand zeigt, dass Volkswagen das Coupé ein Stück höher positioniert sehen will. 2,84 Meter Abstand zwischen Vorder- und Hinterachse sorgen in jedem Fall für großzügige Platzverhältnisse im Innenraum. Fahrer und Beifahrer dürfen sich über die für ihre besonders gute Ergonomie von der Aktion Gesunder Rücken (AGR e.V.) ausgezeichneten Sitze freuen. Wohlgeformte Seitenwangen geben auf beiden Seiten besten Halt. Die Lehnen sind angenehm hoch. Die Möglichkeit, die Oberschenkelauflage zu verlängern, die Lordosenstütze in Höhe und Tiefe elektrisch zu verstellen oder sich sogar eine Massage während der Fahrt zu gönnen, bleibt dem Inhaber des Platzes hinter dem Lenkrad vorbehalten. Tadellos ist die Möglichkeit, an beiden Kopfstützen nicht nur die Höhe, sondern ebenfalls den Abstand zum Hinterkopf einzustellen.

Optisch in die Breite gezogen und edel gestaltet ist der Instrumententräger. Die Anzeigen erschließen sich auf den ersten Blick. Dabei lässt sich die Ansicht des als Display gestalteten Kombiinstruments (510 Euro) ganz nach eigenen Wünschen und Vorlieben gestalten. Gegen einen Aufpreis von 565 Euro werden Informationen wie Geschwindigkeit oder Routenführung zudem per Head-Up-Display vor die Windschutzscheibe gespiegelt. In der Mittelkonsole in guter Sichthöhe installiert ist ein 9,2 Zoll großer TFT-Touchscreen, über den unter anderem die Bedienung von Radio, Navigation (1995 Euro) oder Telefon erfolgt. So angenehm groß die Icons beispielsweise zur Eingabe von Adressen darauf sind, bei der Lautstärkeregelung oder für die Maßstabsveränderung der Karte wäre ein konventioneller Drehknopf noch immer die bessere Wahl.

Fast schon mit der Größe eines Kombis kann es der Stauraum des Arteon aufnehmen. Das Volumen des Kofferraums unter einer weit öffnenden Klappe beträgt 563 Liter. Werden die Lehnen der Rückbank (asymmetrisch geteilt) vorgeklappt, lässt sich das Raumangebot bis auf 1557 Liter vergrößern. Da passt ein komplettes Herrenrad ebenso problemlos hinein wie eine Menge großer Blumenkübel aus dem Gartencenter - wenn das nicht familientauglich ist.

Reise- und langstreckentauglich sind hingegen Antrieb und Fahrwerk. Mit dem 190 PS starken Benziner ist 1,4-Tonnen schwere Arteon durchaus ausreichend motorisiert. Der mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kombinierte Vierzylinder geht laufruhig zu Werke, zeigt sich drehfreudig und hängt gut am Gas. Kein Wunder, schließlich liegt das von Volkswagen angegebene maximale Drehmoment von 320 Newtonmetern (Nm) zwischen 1500 bis 4180 Umdrehungen an. Das lädt geradezu dazu ein, entspannt dahinzugleiten. Der Sprint aus dem Stand auf die Tempo-100-Marke ist im Datenblatt mit 7,7 Sekunden angegeben; die Höchstgeschwindigkeit mit knapp 240 Kilometern in der Stunde (km/h). Dabei bleibt der Lärmpegel angenehm niedrig. So, wie es sich für ein Auto dieser Klasse gehört. Wobei dazu sicher auch das 550 Euro teure „Akustikpaket“ beiträgt, das Verbundglasscheiben enthält, die Windgeräusche besser dämmen sollen.

Der der Verbrauch pendelt sich laut Bordcomputer bei einem Mix aus zügigen sowie ruhigeren Überlandfahrten und einigem Stadtverkehr bei 7,9 Litern ein. Mit sechs Litern ist das Wolfsburger Topmodell angegeben.

Bei der Abstimmung von Federung und Dämpfung haben die Techniker den Spagat zwischen Komfort und Sportlichkeit, den der Arteon optisch verspricht, gelungen gemeistert. Schon im Normalmodus des adaptiven Fahrwerks (1200 Euro) tragen der serienmäßige Allradantrieb sowie das um 20 Millimeter tiefer gelegte Sportfahrwerk der R-Line ihren Anteil an dem problemlosen Handling bei. Schaltet man das System auf „Sport“, dann verändert das Ansprechverhalten des Motors, die Lenkung wird noch ein wenig direkter als sonst.

Diverse Sicherheits- und Assistenzsysteme, teils gegen Aufpreis, gestalten die Fahrt angenehmer und sicherer. Gönnt man sich dann noch Extras wie die Soundanlage von Dynaudio (1325 Euro), das Parklenk-System (325 Euro) oder die Umgebungsansicht inklusive Rückfahrkamera (870 Euro), dann kommen bei einem derart motorisierten Arteon zum Grundpreis von 43.175 Euro schnell nochmal knapp 16.000 Euro dazu, eine Preisregion, die für ein Familienauto nicht unbedingt üblich ist.

(amv)
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