Offenbach/Stuttgart: Vom Privileg zum Allgemeingut: Die Auswahl an Hybridautos wächst

Offenbach/Stuttgart: Vom Privileg zum Allgemeingut: Die Auswahl an Hybridautos wächst

Wer Ende der 1990er Jahre einen der ersten Toyota Prius bestellte, konnte sich als grüner Vorreiter feiern lassen. Damals war der Hybridantrieb noch etwas Besonderes.

Mittlerweile aber hat die japanische Stromlinien-Limousine ihr Alleinstellungsmerkmal verloren: Die Kombination aus Benzin- und Elektromotor gibt es längst auch bei großen Geländewagen und teuren Luxuslimousinen. Und die Auswahl wächst weiter.

„Nach aktuellem Stand sind unter den 6608 Modell- und Motorvarianten auf dem deutschen Markt gerade mal 45 mit Hybridantrieb”, sagt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg zwar. „Aber in diesem Jahr kommen beinahe monatlich neue Teilzeitstromer auf den Markt.” Damit gibt es nicht nur eine größere Vielfalt in der Kompakt- und Luxusklasse. Auch andere Segmente erobert der Hybridantrieb.

So bringt Honda die Technologie in diesem Frühjahr erstmals auch in den Kleinwagen: Für einen Aufpreis von 2000 Euro verkaufen die Japaner künftig ihren Jazz mit einem unterstützenden Elektromotor. Damit kommt der Fünfsitzer auf einen Verbrauch von 4,5 Litern, was einem CO2-Ausstoß von 104 g/km entspricht. Mit vorsichtigem Fuß am Gaspedal kann der Wagen kurze Strecken rein elektrisch fahren.

Auch Toyota erweitert das Angebot: Auf dem Genfer Autosalon hat der Hersteller die Studie eines Yaris-Hybrid vorgestellt. Der Serienstart des 3,6-Meter-Autos ist laut Pressesprecher Jürgen Stolze für nächstes Jahr vorgesehen. Bereits im Handel ist eine weitere Hybridneuheit des Konzerns: Der Lexus CT200h. Das Fahrzeug ist das erste der Schwestermarke in der Kompaktklasse. Technisch basiert das Fahrzeug auf dem Prius. Seine Leistung liegt bei 100 kW/136 PS, der Verbrauch bei 3,8 Litern (CO2-Ausstoß 8,7 g/km). Die Preise beginnen bei 28 900 Euro.

Neben den Klein- sind es vor allem die Familienwagen, die elektrifiziert werden. „Von unseren Kunden haben wir gelernt, dass sich einige etwas mehr Platz und Variabilität als im Prius wünschen”, sagt Toyota-Chef Akio Toyoda. Dem Rechnung tragen soll der Prius+. Der erste Minivan mit Hybridtechnologie ist für Anfang 2012 geplant. In der Länge etwas gestreckt, mit einem höheren Dach und optionaler dritter Sitzreihe soll er den Ansprüchen der Kundschaft mit Kindern genügen.

Umweltbewussten Familien soll auch der Peugeot 3008 gefallen. Der französische Hersteller preist den Wagen vor dem geplanten Verkaufsstart im Sommer schon einmal als ersten Hybridwagen aus Frankreich sowie als weltweit erstes Dieselfahrzeug mit Hybridantrieb an. Obwohl er nur zwei Sitzreihen haben wird, biete der Wagen große Variabilität im Innenraum. Peugeot kombiniert einen E-Motor mit 27 kW/37 PS mit einem Selbstzünder von 2,0 Litern Hubraum und 120 kW/163 PS, so Pressesprecher Bernhard Voß. Zusammen sollen die beiden 209 km/h ermöglichen und 3,8 Liter verbrauchen (CO2-Ausstoß: 99 g/km).

Doch der Hybridantrieb ist aus deutscher Sicht bislang eine eher ausländische Angelegenheit. Denn hierzulande beschränkt sich das Angebot auf wenige Fahrzeuge, die allesamt der Oberklasse angehören: Deutsche Autobauer „bieten insgesamt nur fünf Modellvarianten mit Hybridmotor an: VW Touareg, Porsche Cayenne, Mercedes S400h, BMW X6 und BMW 7er”, zählt Andreas Partz vom Online-Neuwagenvermittler MeinAuto.de auf. Und: Bei einem durchschnittlichen Listenpreis von über 90 000 Euro seien diese Auto „kaum bezahlbar”.

Doch das Angebot deutscher Firmen wird in Zukunft auch erschwinglichere Fahrzeuge hervorbringen - in einem Prozess, den Mercedes-Vertriebsvorstand Joachim Schmidt die „Demokratisierung der Technik” nennt: Danach werden technische Errungenschaften aus der Oberklasse nach und nach in anderen Segmenten eingeführt. So kommt der für die E-Klasse angekündigte Hybridantrieb aus der S-Klasse. Bei BMW wird er laut Pressesprecher Dirk Arnold neben dem Siebener auch im Fünfer angeboten. Und Audi plant noch ab diesen Sommer neben dem Q5 Hybrid den neuen A6 als Hybridversion. Die Ingolstädter nutzen einen zwei Liter großen Benzindirekteinspritzer und einen E-Motor mit zusammen 180 kW/245 PS.

Bei der „Demokratisierung der Technik” geht unter den deutschen Marken bis dato VW am weitesten: Die Wolfsburger Marke will - zunächst allerdings nur in Amerika - ab 2012 den neuen Jetta hybridisieren. „Im Jahr darauf bringen wir diese Technik dann aber auch nach Europa”, verspricht Entwicklungschef Ulrich Hackenberg. Ob dann Jetta oder Golf den Hybridantrieb erhalten, stehe noch nicht fest. Jato-Manager Margetts bilanziert: „Früher eine exotische Lösung für Überzeugungstäter, wird der Hybridantrieb so langsam Allgemeingut.”

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