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Bonn: Vollbremsung: Nur keine Hemmungen

Bonn : Vollbremsung: Nur keine Hemmungen

Die hohe Schule des Autofahrens zeigt sich beim Bremsen. Rennfahrer treiben diese Fertigkeit auf die Spitze, um in Kurven möglichst wenig Tempo zu verlieren und rasch wieder zu beschleunigen.

„Im normalen Straßenverkehr treten wir eher sanft auf die Bremse, denn es besteht ja kein Anlass mit voller Kraft in die Eisen zu gehen“, schildert Sandra Demuth vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn den automobilen Alltag: „Wir haben zu Recht Hemmungen, das Bremspedal fest durchzutreten, denn es handelt sich dabei um einen echten Gewaltakt.“ Binnen kürzester Zeit wird das Fahrzeug zum Stillstand gebracht. Die sich dabei entfaltenden Kräfte wirken nicht nur auf das Auto selbst, sondern ebenso auf die Insassen, die dabei nur durch die Sicherheitsgurte in ihren Sitzen gehalten werden.

Doch gerade diese fehlende Erfahrung erweist sich in kritischen Situationen oft als Problem: Selbst wenn rechtzeitig gebremst wird, wird oft nicht stark genug gebremst. Zudem irritiert das pulsende Bremspedal manchen Autofahrer, wenn das ABS-System eingreift. „Viele der Auffahrunfälle könnten durch kürzere Reaktionszeiten oder richtige Bremsungen vermieden werden. Beides kann man lernen“, betont die DVR-Fachfrau.

Experten empfehlen aus diesem Grund, an sogenannten Fahrsicherheitstrainings teilzunehmen. Dabei erlernen Autofahrer zum Beispiel, wie man sich verhält, wenn das eigene Fahrzeug auf nasser Fahrbahn ins Schleudern gerät, aber ebenso, wie man eine richtige Vollbremsung durchführt. Ein Notbremsassistent hilft zwar bei der Vollbremsung, ersetzt aber nicht die eigene Fahrkompetenz. Das elektronische Assistenzsystem misst den Abstand zu Vordermann unter Berücksichtigung der aktuellen Fahrtgeschwindigkeit, warnt frühzeitig, wenn er sich verringert und verschafft dem Fahrer so wertvolle Zeit zu reagieren.

Wenn es zur Bremsung kommt, unterstützt der Notbremsassistent die Bremskraft, sofern das Bremspedal nicht richtig durchgetreten wird. Und bleibt eine Bremsung aus, führt der Notbremsassistent sie komplett eigenständig durch.

Notbrems-Assistenzsysteme

Fachleute gehen davon aus, dass Notbrems-Assistenzsysteme bei flächendeckender Ausstattung je nach Funktionsumfang 20 und 40 Prozent der Pkw- zu Pkw-Unfälle mit Personenschäden mildern oder verhindern. Manche Notbremsassistenten sind darüber hinaus noch mit einem Insassenschutz verbunden: Ist ein Aufprall unvermeidbar, ziehen sich automatisch die Gurte fest, Sitze und Kopfstützen werden in die richtige Position gebracht.

Aus der Verantwortung entlässt der Notbremsassistent den Fahrer allerdings nicht: Er wurde für Gefahrensituationen entwickelt, nicht dazu, den Fahrer aus der Verantwortung zu entlassen. „Demnach sollte es tunlichst unterlassen werden, seine Funktionstätigkeit aus Spaß auszuprobieren“, gibt die DVR-Fachfrau zu bedenken.

Damit es zu solchen Situationen nicht kommt, schreibt die Straßenverkehrsordnung (StVO) vor, dass der Abstand zum Vordermann so groß sein muss, dass man im Falle einer Bremsung rechtzeitig zum Stehen kommt. Der einzuhaltende Abstand ist demnach von der Fahrgeschwindigkeit, der Beschaffenheit der Fahrbahn und den Witterungsverhältnissen abhängig. Eine gängige Faustformel besagt, dass innerhalb geschlossener Ortschaften ein Sicherheitsabstand eingehalten werden sollte, der der in einer Sekunde zurückgelegten Strecke entspricht (bei Tempo 50 also 15 Meter oder drei Pkw-Längen).

Außerhalb geschlossener Ortschaften vergrößert sich der Sicherheitsabstand auf die halbierte Geschwindigkeit in Metern, bei Tempo 100 also 50 Meter. Beim Mindestabstand handelt es sich aber um einen absoluten Minimalabstand, der entsprechend vergrößert werden muss, wenn etwa Straßen- und Sichtverhältnisse schlecht sind.

Im Ernstfall benötigt man nämlich nicht nur die Zeit, die Gefahr zu erkennen, sondern auch entsprechend zu reagieren. Diese Reaktionszeit beträgt etwa eine Sekunde: eine Sekunde, in der der Wagen mit unverminderter Geschwindigkeit auf ein Hindernis zufährt. Bei Tempo 100 legt er also rund 30 Meter zurück, bevor der Bremsvorgang überhaupt begonnen hat.

(nom)