Wolfsburg: Volkswagen Golf GTI und GTI-Cabrio: Die beiden Spaßbrüder

Wolfsburg: Volkswagen Golf GTI und GTI-Cabrio: Die beiden Spaßbrüder

Der GTI ist der Sportler in der VW-Golf-Baureihe. Wenn es der Mensch am Steuer will, stellt er mit seinen Fahrleistungen so manchen Sportwagen in die Ecke. Doch auch seine Alltagstauglichkeit ist nicht zu verachten. Das gilt in gleichem Maß für die Cabrio-Version, ein Auto, das es so bislang nicht gab.

Und das doch ganz schnell als typischer GTI auszumachen ist. Schließlich dürfen die leistungsstärksten Modelle der Golf-Baureihe als einzige die typischen karierten Bezüge auf den Sitzen tragen. Sie gehören seit jeher zu dieser Version wie der Golfball auf dem Schalthebel. Die rote Linie im Kühlergrill und 225/45er-Reifen auf 17-Zoll-Aluräder sind weitere Erkennungsmerkmale des Kraftpakets. Und auch ansonsten deutet im hochwertig ausgestatteten Innenraum vieles darauf hin, dass dieser Wolfsburger ganz auf Dynamik ausgelegt ist.

Die Sportsitze mit ihrem guten Halt sind dafür ebenso ein eindeutiges Zeichen wie das Kombiinstrument mit Anzeigen in einem eigenständigen Design. Wer im Cabrio sitzt kann sich bei geschlossenem Verdeck darüber freuen, wie erstaunlich leise, selbst bei forcierter Fahrt der Wagen ist. Sind die Seitenscheiben geschlossen und ist das Windschott installiert, macht die Fahrt unter freiem Himmel selbst an kühlen Herbsttagen Spaß.

Das Dach des Cabrios ist in neun Sekunden oben ohne und elf Sekunden später wieder geschlossen. Der Kofferraum bietet ein Stauvolumen von 250 Litern, wobei man das Ladegut durch die Klappe etwas einfädeln muss. Ein Umstand, der einem mit der geschlossenen Version erspart bleibt. Hier stehen mindestens 380 Liter Laderaum zur Verfügung. Legt man zudem mit wenigen Handgriffen die Lehne der Rückbank um, dann lassen sich problemlos mindestens sechs Umzugskisten verstauen (1.270 Liter). Die niedrige Ladekante erspart dem Rücken unnötige Belastungen. Doch wer will mit einem GTI schon umziehen? An ihm faszinieren ganz andere Dinge - vor allem dann, wenn man mit der Power-Version unterwegs ist. Dann leistet der serienmäßig mit einem Sechsgang-Getriebe und einer Start-Stopp-Automatik kombinierte Zweiliter-Turbo-Benzindirekteinspritzer (TSI) nicht 210, sondern 230 PS.

Während der Motor des "normal" motorisierten Cabrios Drehzahl braucht, um sein Potenzial zu entfalten, geht mit der stärkeren Version richtig die Post ab. Die Beschleunigung von null auf Tempo 100 in 6,5 statt 6,4 Sekunden oder vier Stundenkilometer (km/h) mehr Höchstgeschwindigkeit (250 km/h/Werksangaben) sind schon auf dem Papier eine Wucht. Auf der Straße erst recht. Prompt reagiert der Super-GTI auf jeden noch so kleinen Druck aufs Gaspedal mit Vortrieb. Kraftvolles Röhren begleitet die Beschleunigung, ansonsten ist der TSI sehr kultiviert und laufruhig - und beweist auch damit Alltagstauglichkeit. Einerlei, ob auf gerader Straße oder auf kurvenreicher Strecke, die beiden VW-Sportler kommen ohne lähmendes Untersteuern in Kurven sofort zur Sache, bleiben neutral und erreichen dank elektronischer Feindosierung der Antriebskräfte beachtliche Kurvengeschwindigkeiten, wobei das elektronische Quer-Sperrdifferenzial (XDS) helfend eingreift.

Die exakte Lenkung überträgt dabei alle Anweisung des Fahrers direkt. Federung und Dämpfung haben die Techniker ohne Wenn und Aber auf Sport getrimmt. Dennoch wirken beide GTI nicht übermäßig hart abgestimmt. Der Komfort reicht aus, um bei schlechtem Straßenbelag nicht zu sehr durchgeschüttelt zu werden. Nicht nur für denjenigen, der wirklich dynamisch mit dem Sport-Golf unterwegs ist, bleibt der Normverbrauch von 6,5 Litern ein Traum. Speed kostet Sprit. Zwölf bis 13 Liter sind dann realistisch. Wer den Gasfuß vorsichtig einsetzt, der sollte eine Neun vor dem Komma erreichen. Das ist aber dann auch absolut in Ordnung für ein Auto dieser Klasse. Der Einstieg in die GTI-Welt beträgt 28.350 Euro. Für die Performance-Version stehen 29.475 Euro und für das Cabrio 32.100 Euro in der Preisliste. Immerhin gibt es ein reichhaltiges Ausstattungspaket dazu, in dem unter anderem auch Klimaautomatik, Audioanlage, beheizbare Vordersitze, Pedale in Edelstahl, rot lackierte Bremssättel und zwei verchromte Abgas-Doppelendrohre enthalten sind. Gönnt man sich noch Extras wie ein Navigationssystem (2.230 Euro), das Soundsystem mit zehn Lautsprechern (1.230 Euro) oder die adaptive Positionen aus der reichhaltigen Zubehörliste, dann ist man schnell in der 40.000-Euro-Liga vertreten. Spitzensportler haben eben ihren Preis.

(amv)
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