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Verwegener Opel mit Mafia-Flair

Moonlight Roadster : Verwegener Opel mit Mafia-Flair

Von wegen brav und bieder. Opel hatte auch seine wilden Zeiten, schon vor Manta oder Calibra. Kaum ein Auto beweist das besser als der Moonlight Roadster. Doch warum kennt das Auto kaum jemand?

Nein, Rüsselsheim ist nicht Chicago und Al Capone hatte trotz seiner ganzen Spitzel wahrscheinlich nie etwas von Opel gehört.

Und doch gibt es da eine Verbindung zwischen der amerikanischen Metropole, der Autostadt am Main und dem Mafiakönig. Selbst wenn sie natürlich nicht amtlich ist. Denn ohne den Paten und die Prohibition hieße das Schmuckstück in der Klassiksammlung des hessischen Herstellers wohl einfach Sportcabriolet. „Doch Al Capone sei Dank hört er auf den Namen Moonlight-Roadster“, sagt Opel-Klassik-Sprecher Uwe Mertin. Er löst das Rätsel mit einem Blick in die Kriminalberichte aus den 1920er und 1930er Jahren auf:

Um den Alkohol aus Kanada in die Bars von Chicago zu schmuggeln, habe die amerikanische Mafia schnelle und vor allem flache Sportwagen genutzt. Die konnten im Mondschein kurzerhand unter den eigentlich für Lkw gedachten und deshalb höher angebrachten Zollschranken durchschießen. Und weil dieser Name irgendwie verführerischer und verheißungsvoller klang als Sportcabriolet, hatten die Hessen ihn kurzerhand über den Atlantik geholt.

Zwar floss der Alkohol jenseits des Atlantiks schon wieder ganz legal, als Opel den Moonlight Roadster 1933 auf den Markt brachte. Statt geschmuggelt wurde in den offenen Sportwagen deshalb bei Mondschein allenfalls wieder geschmust. Doch seinen Namen trägt der in „Mondsteingrau“ lackierte Klassiker trotzdem völlig zurecht.

Flach und betörend schön

Denn er ist nicht nur flacher als jeder Opel dieser Zeit. Sondern er hat mit seinem vergitterten Grill vor der langen Haube, der schnittig geknickten Frontscheibe, den tiefen, entgegen der Fahrtrichtung angeschlagenen Türen und dem eleganten Bootsheck mit der Messerscharfen Bügelfalte ein verführerisches Design.

Dazu kommt: Er fährt auch so, wie es sich die sogenannten Bootlegger, die Schmuggler, in Amerika gewünscht hätten. Natürlich muss man sich an die Bedienung heute erst wieder gewöhnen. Denn der erste Gang ist nicht nur etwas hakelig, sondern liegt auch noch unten links. Doch der Sechszylinder mit 1,8 Liter hat richtig Wumms.

Über die 25 kW/34 PS mag man heute milde lächeln, jeder Corsa ist stärker. Aber 100 Nm bei kaum 900 Kilo Gewicht, und dann noch ab 1000 Touren - da schwimmt man locker im Verkehr mit und lässt einfach die Finger von der Schaltung. Solange der Roadster rollt, ist er im zweiten Gang gut aufgehoben.

Der Roadster rollt - auch heute noch

Erst draußen vor den Toren der Stadt darf es auch mal der dritte sein. Und plötzlich zittert sich die Tachonadel im schmucken Cockpit der 90er-Marke entgegen. Der Fahrtwind erreicht Orkanstärke, und man duckt sich immer tiefer in die kleinen Sesselchen mit dem brüchig gewordenen Leder.

Heute hat man damit schnell eine lange Schlange hinter sich, aus der sich allerdings keiner traut, den rüstigen Rentner anzuhupen. Doch vor bald 80 Jahren reichte das nicht für einen Stau, sondern für ungläubiges Staunen - erst Recht bei einem Opel.

Auf Basis eines günstigen Grundmodells ließ Opel den Sonderling beim Karosseriebauer Deutsch in Köln produzieren. Es entstanden nur 51 Stück. Davon dürften laut Opel-Sprecher Mertin nur noch zwei existieren.

© dpa-infocom, dpa:220117-99-742059/3

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(dpa)