Nürnberg: Urteil: Führerscheinentzug für 95-Jährigen

Nürnberg: Urteil: Führerscheinentzug für 95-Jährigen

Beweist ein Gutachten, dass ein älterer Autofahrer andere Verkehrsteilnehmer durch seine Fahrweise behindert oder gefährdet, darf ihm der Führerschein entzogen werden.

So entschied das Verwaltungsgericht Düsseldorf (Az. 4 L 484/15), wie die Deutsche Anwaltshotline in Nürnberg mitteilte. Hintergrund der Entscheidung: ein 95-Jähriger hatte rückwärts aus einer Parkbox ausparken wollen. Nach eigenen Angaben verwechselte er dabei die Pedale und beschleunigte ruckartig in die falsche Richtung. Dabei prallte er mit seinem Wagen gegen einen Baum. Seine Frau auf dem Beifahrersitz verletzte sich leicht am Bein.

Die Führerscheinbehörde ordnete daraufhin eine Fahrt mit einem Gutachter an. Dieser beurteilte den betagten Fahrer als verkehrsuntauglich. Der Mann musste deshalb seinen Führerschein abgeben, womit er jedoch nicht einverstanden war. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf gab der allerdings Behörde recht. "Sie muss einem Fahrer die Fahrerlaubnis entziehen, wenn seine Fahrweise andere Verkehrsteilnehmer gefährdet", erläutert Rechtsanwalt Frank Böckhaus die gesetzliche Grundlage.

Der Rentner habe während einer 30-minütigen Fahrprüfung mehrfach gravierend gegen zahlreiche Verkehrsregeln verstoßen und mit seinem Verhalten andere Fahrer behindert. Hohes Alter allein sei sicher kein Grund, dass jemand nicht mehr fahren dürfe. Die nicht bestandene Fahrprüfung allerdings schon. Das Fahrverbot sei zwar ein großer Eingriff in die private Lebensführung mit weitreichenden Folgen, so das Gericht. In diesem Fall stelle der Fahrer aber ein erhebliches Risiko für den öffentlichen Straßenverkehr dar, was diese Maßnahme rechtfertige.

(amv)