Stuttgart: Unsichtbare Fußgänger: Tödliche Gefahr in der Dämmerung

Stuttgart: Unsichtbare Fußgänger: Tödliche Gefahr in der Dämmerung

„Den größten Fehler, den Fußgänger in der dunklen Jahreszeit machen können, ist darauf zu vertrauen, dass der Autofahrer ihn sieht“, schildert Dekra-Unfallforscher Walter Niewöhner seine Beobachtungen. Eine Fehleinschätzung, die alltäglich ist und mit oftmals verhängnisvollen Folgen endet. Bei Dämmerung, Dunkelheit, Regen, Nebel oder Schnee sind Fußgänger für Autofahrer nämlich oft erst sehr spät erkennbar.

Im vergangenen Jahr ereigneten sich laut Statistischem Bundesamt fast zwei Drittel der tödlichen Fußgängerunfälle allein in den Monaten Oktober bis März. „Besonders gefährdet sind ältere Menschen über 65 und Kinder unter 15 Jahren“, weiß Unfallforscher Walter Niewöhner und „Senioren ziehen sich bei einem Unfall leider schwerere Verletzungen zu als jüngere Menschen.“

Ein großes Problem ist nach Ansicht des Experten die schlechte Sicht in der dunklen Jahreszeit. „Fußgänger bewegen sich im Straßenverkehr oft in einer Dunkelzone, in der sie von einem Autofahrer nur schwer oder gar nicht zu sehen sind.“ Das gilt nicht nur für unbeleuchtete Landstraßen. Sogar in gut ausgeleuchteten City-Straßen mit hellen Schaufenstern, Neonreklamen und Autoscheinwerfern gibt es oft dunkle Zonen, in denen einzelne Fußgänger förmlich untertauchen.

„Bei Dunkelheit überqueren Fußgänger die Straße besser direkt unter einer Straßenlaterne und verständigen sich mit dem Fahrer per Handzeichen oder Blickkontakt“, empfiehlt der Unfallforscher. „Autolichter sind für Fußgänger schon von Weitem zu sehen. Daraus zu folgern, der Autofahrer habe den Fußgänger ebenfalls gesehen, ist ein gefährlicher Irrtum“, merkt Niewöhner an und ergänzt: „Höchst gefährlich ist es auch, hinter Sichthindernissen auf die Straße zu treten. Oft ist ein Unfall dann selbst mit Notbremsung nicht mehr zu vermeiden.“ Mehr als sonst ist in den dunklen Monaten umsichtiges Verhalten gefragt. Ein Sicherheitsplus bringen helle, reflektierende Elemente an Kleidung und Schuhen, wie sie oft an Schulranzen zu finden sind. Damit sind Fußgänger für einen Autofahrer zwei- bis dreimal früher zu erkennen. „Im Winter sind solche Accessoires eine halbe Lebensversicherung.“

Auch die Autofahrer können noch mehr für die Vermeidung von Fußgängerunfällen tun. „Tempo 50 ist nicht überall angebracht, wo es erlaubt ist“, betont Niewöhner. Bei schlechter Sicht durch schummriges Herbstlicht muss langsamer gefahren werden als bei Helligkeit. Aber selbst am Tage ist Tempo 50 oft schon zu schnell. Dort zum Beispiel, wo Autos links und rechts am Straßenrand parken, können Fußgänger überraschend auf die Fahrbahn treten. „Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn plötzlich ein Kind auf die Straße tritt“, sagt der Unfallforscher. „Für solche Situationen muss jeder ein Gefühl entwickeln“, betont Niewöhner.

(amv)