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Berlin: Taxi-Schreck per App: Auto und Chauffeur per Smartphone buchen

Berlin : Taxi-Schreck per App: Auto und Chauffeur per Smartphone buchen

„Your Chauffeur has arrived”. Mit dieser Mitteilung meldet sich das Handy per SMS. Der Fahrer steht bereits an der per App verabredeten Adresse und raucht vor dem Auto wartend eine Zigarette.

Als wir uns der schwarzen Limousine nähern, eilt der standesgemäß mit Anzug und Krawatte bekleidete Herr herbei und öffnet die Fondtür der nagelneuen Mercedes S-Klasse. Wir steigen ein. In der Mittelarmlehne warten in Getränkehaltern Wasser und Limo. Kein Griff zum Taxameter, keine Kunstledersitze, dafür das edle Ambiente einer Luxuslimousine. Vom piefigen Taxi will man sich durch gesteigerte Seriosität abheben. Los geht die Fahrt.

Wir sind unterwegs mit Blacklane Limousines, einem Start-up aus Berlin, dessen Dienste offenbar so gefragt sind, dass das Unternehmen mittlerweile in Großstädten auf allen Kontinenten vertreten ist. Jüngst stieg sogar Daimler mit einem zweistelligen Millionebetrag ein.

Blacklane betreibt bis auf einige Smarts keine eigene Fahrzeugflotte. „Wir sind eine Buchungsplattform”, sagt Sprecherin Leoni Heitmüller. Über die Internetseite des Unternehmens oder eine Smartphone-App können Kunden in mehreren Klassen - vom Kleinstwagen bis zur Oberklasse-Limousine - Fahrten buchen, samt Chauffeur.

Dabei nutzt das Unternehmen freie Kapazitäten „selbstständig konzessionierter Fahrdienstleister”, meist klassische Chauffeur-Dienste. „Kundenanfragen ploppen auf einer Fahrer-App auf, der Chauffeur kann sich dann frei entscheiden, ob es in seinen Terminplan passt.” Damit verbunden sind längere Vorlauffristen, die allerdings stark variieren.

„In Berlin reicht es manchmal, eine halbe Stunde vor Fahrtantritt zu buchen, in manchen Städten Indiens liegen wir bei 24 Stunden oder mehr”, sagt Heitmüller. Heranwinken von Auto und Fahrer wie bei Taxen ist laut Personenbeförderungsgesetz verboten, sagt Thomas Grätz, Geschäftsführer beim Deutschen Taxi- und Mietwagenverband. Zudem besteht für Limousinen eine Rückkehrpflicht zum Betriebssitz nach der Fahrt. Vorabbuchen ist bei der neuen Konkurrenz also Pflicht.

Ähnlich wie Blacklane funktionieren Angebote der Sixt-Gruppe und des US-Unternehmens Uber, an dem Google beteiligt ist. Sixt nennt sein Produkt MyDriver, das gleichnamige Subunternehmen wurde 2012 ebenfalls in Berlin gegründet und versteht sich als Erbringer „komfortabler Fahrservices mit hochwertigen Fahrzeugen”.

Bei Blacklane und MyDriver kommen nur professionell ausgebildete Fahrer zum Einsatz. „Privatfahrer werden nicht akzeptiert. Jeder Bewerber muss über die offizielle Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung verfügen”, heißt es bei MyDriver. Das Bezahlen geschieht bargeldlos, per hinterlegter Kreditkartendaten oder teils auch per Internet-Bezahldienst Paypal.

Was er zahlen muss, erfährt der Kunde vorab durch eine unverbindliche Anfrage. In den Festpreisen sind Trinkgelder bereits enthalten, ebenso Wartezeiten am Flughafen, wenn der Flieger Verspätung hat, so Blacklane-Sprecherin Heitmüller. „Wir richten uns an den regulären Taxipreisen aus, sind im Schnitt aber knapp darüber.” Eine Fahrt im Smart koste ab Berlin-Mitte bis Flughafen-Tegel etwa 19 Euro, in einem Fahrzeug der Business-Klasse um die 29 Euro. Sixt verspricht Preise, die knapp unter dem Taxipreis beginnen. Günstiger als die klassischen Limousinen-Services ist die Fahrt per App in aller Regel.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher beim Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Berlin betrachtet „die Möglichkeiten der Shared Economy im automobilen Bereich als durchaus interessant”. Doch sobald Privathalter für Fahrten gebucht werden können, kommen ihm Zweifel. In die Kritik geraten sind jüngst Uber mit dem Produkt Uber Pop und das Start-up Wundercar aus Hamburg. Bei beiden können Fahrten gebucht werden, die Privat-Chauffeure durchführen. Und die verfügen in der Regel über keine professionelle Fahrerausbildung.

Privat oder gewerblich? Diese Unterscheidung ist bei den sogenannten Chauffeur- oder Taxi-Apps tatsächlich von gesteigerter Bedeutung. Während Blacklane und MyDriver für die Taxibranche zwar kein Glücksfall sind, kann man ihnen rechtlich nichts vorwerfen, da sie weder das Personenbeförderungsgesetz noch Gewerbevorschriften verletzen - etwa wenn es um die Wartung der Fahrzeuge geht. Doch bezüglich Wundercar und Uber Pop fallen deutliche Worte. „Die sind illegal”, sagt Thomas Grätz. „Die gewerbliche Beförderung bedarf einer Genehmigung, aber die liegt nicht vor”, schäumt der Geschäftsführer des Taxiverbands. In Hamburg liegen beide Dienste derzeit im Rechtsstreit mit den Behörden.

„Aus unserer Sicht liegt keine Genehmigungspflicht vor”, entgegnet Wundercar-Sprecherin Katrin Arrubla. Bei den vermittelten Fahrten handele es sich wie im Falle von klassischen Mitfahrgelegenheiten um keine gewerblichen Fahrten. Das lasse sich daran festmachen, dass Wundercar „grundsätzlich kostenlos” ist. Am Ende jeder Fahrt erhalte der Nutzer lediglich den Vorschlag, ein Trinkgeld zu geben, das sich an den Betriebskosten für die Fahrt orientiert. Allerdings zweigt sich WunderCar davon 20 Prozent ab.

Grundlegend funktionieren Wundercar und Uber Pop so ähnlich wie die anderen Chauffeur-Apps. Man gibt Start und Ziel ein und erhält ein Fahrtangebot. In den Hintergrund rückt aber das Fahrzeug selbst, von dessen Typ man erst beim konkreten Angebot erfährt. Verschiedene Buchungsklassen gibt es nicht, daneben unterliegen die Autos nicht den verschärften Betriebsbedingungen wie Taxen, die jedes Jahr zur Kfz-Hauptuntersuchung müssen. Der zweijährige Rhythmus der Privatautos genüge vollauf, argumentiert Arrubla. Schließlich legten diese weit weniger Kilometer zurück als Taxen.

Nach der Fahrt können Nutzer ihren Chauffeur bewerten. Um eine gewisse Qualität zu gewährleisten, werden schwarze Schafe aus dem System ausgeschlossen. Damit will Wundercar kompensieren, dass seine Fahrer nicht wie Taxifahrer alle fünf Jahre zum Gesundheitscheck müssen. Wer für das Start-up fahren will, muss außerdem älter als 21 Jahre sein, den Führerschein länger als zwei Jahre besitzen, darf nicht vorbestraft sein oder mehr als drei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei haben. Die Auswahl geschieht über ein persönliches Gespräch. „Bei geschulten Fahrern hat man aber das geringere Risiko”, sagt Gerd Lottsiepen.

Fragwürdig agieren Anbieter privater Chauffeur-Fahrten auch hinsichtlich der Kfz-Versicherung. Zwar sind Mitfahrer in jedem Fall bei Unfällen über die Haftpflichtversicherung des Fahrzeugs abgesichert, so Alina Schön vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Chauffeure selbst haben bei Wundercar oder Uper Pop dagegen unter Umständen keinen ausreichenden Versicherungsschutz. Denn kassieren sie mehr Geld als zur Deckung der Betriebskosten notwendig, liegt eine Gewerbefahrt vor. Und damit kann der Versicherungsschutz erlöschen.

Ein Nachteil gegenüber der klassischen Taxifahrt trifft alle neuen Fahrdienst-Vermittler. Weder professionelle Chauffeure noch Privatleute dürfen mit ihren Wagen Busspuren nutzen, die für Taxen freigegeben sind. Und damit sind Taxen, zumindest zu Stoßzeiten, schneller. „Das ist schon ein Vorteil, den die Taxis haben”, räumt Blacklane-Sprecherin Heitmüller ein. Für unsere Fahrt in der S-Klasse von Blacklane ist das an diesem Abend egal - wir müssen keinen Flieger kriegen und sind nicht in Eile.

(dpa)