Bensheim: Suzuki Ignis: Ein kleiner SUV ganz groß

Bensheim: Suzuki Ignis: Ein kleiner SUV ganz groß

Drei Kinder zwischen neun und zwölf Jahren mitsamt großzügigem Gepäck für vier Tage Zeltlager - und ein Suzuki Ignis vor der Tür. Und plötzlich scheint das Angebot, die Kids zu fahren, vollkommen absurd. Wie soll das gehen? Doch dann zeigt der nur 3,70 Meter lange Viertürer im SUV-Look, dass deutlich mehr in ihm steckt als man ihm auf dem ersten Blick zutraut.

Hochbeinig, vor allem im Heck recht kantig und eckig sowie mit einer robust gestalteten Front lässt der kleine Suzuki im übertragenen Sinne seine Muskeln spielen. Ganz nach dem Motto: „Wenn ich mal groß bin, werde ich ein Geländewagen.“ Doch selbst wenn der Kleine äußerlich eher wie ein Spielzeugauto wirkt, im Innenraum zeigt er, dass er ein ernsthafter Begleiter durch den Alltag ist. Denn hier gibt es nicht nur ein beachtliches Platzangebot, dass man so kaum erwartet hätte. Hier gibt es auch eine im Verhältnis 60 zu 40 geteilte Rückbank, deren zwei Teile sich in der Länge verschieben lassen. Und das noch dazu ganz einfach, ohne sich bücken zu müssen über einen Hebel oben auf der Lehne. Das ist ebenso simpel wie schlau.

Ist die Rückbank nach hinten geschoben, können selbst groß gewachsene Personen dort noch bequem sitzen. Das gilt für die Bein- wie für die Kopffreiheit. In dieser Position lassen sich bei der Rasselbande auf dem Weg in die Ferienfreizeit Rucksäcke und Isomatten problemlos im Fußraum unterbringen. Oder man schiebt die Bank ziemlich weit nach vorne und schafft für die großen Koffer mehr Stauraum im mindestens 267 Liter fassenden Gepäckabteil. Allerdings muss zum Beladen eine hohe Kante überwunden werden, hinter der es dann tief in das Ladeabteil geht. Sind die Lehnen der Rückbank umgelegt, entsteht im Ladeboden eine weitere Stufe. An dieser Stelle leidet die Alltagstauglichkeit des Ignis etwas.

Die vier großen, weit nach oben reichenden Türen punkten dafür gleich in mehrfacher Hinsicht: sie machen das Ein- und Aussteigen im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht. Zudem sind ihre Staufächer so großzügig geschnitten, dass Einliter-Flaschen darin leicht Platz finden. Den Türen hat Suzuki ebenso wie dem Armaturenträger eine helle, freundlich wirkende Verkleidung mit farbigen Elementen gegönnt. Das erfreut nicht nur Kinderaugen. Überhaupt ist die Gestaltung des Passagierabteils mit der SUV-typisch hohen Sitzposition für alle Insassen gelungen. Die eingesetzten Materialien sind optisch schick und wirken wertig.

Das Armaturenbrett präsentiert sich übersichtlich und mit einem Sieben-Zoll-Touchscreen in ergonomischer Höhe ausgestattet. Bei der gegenüber dem Basismodell 5200 Euro teureren Comfort+-Ausstattung sind im Audio-System neben der problemlosen Smartphone-Anbindung ein Navi, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung sowie ein USB-Anschluss enthalten. Schade nur, dass sich das Lenkrad lediglich in der Höhe und nicht in der Länge verstellen lässt.

Auf der Antriebspalette gibt es nur eine einzige Wahl: ein 1,2-Liter-Benziner (90 PS) gekoppelt mit einem Fünfgang-Getriebe. Sein maximales Drehmoment von 120 Newtonmetern (Nm) bei 4400 Umdrehungen sorgt im urbanen Umfeld für ein ausreichendes Maß an Spritzigkeit und Dynamik. Außerdem trumpft der Kleine hier mit seiner Wendigkeit und Handlichkeit auf - auch weil die Lenkung so angenehm direkt ist.

Jenseits des Ortsschildes stößt der Vierzylinder - insbesondere voll besetzt - allerdings recht schnell an seine Grenzen. So wollen Überholmanöver auf Landstraße oder Autobahn gut überlegt sein. 11,9 Sekunden dauert es laut Hersteller, um aus dem Stand die Tempo-100-Marke zu erreichen. Bei Tempo 165 ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Bei hohen Drehzahlen macht sich das Aggregat zudem mit lauteren Arbeitsgeräuschen bemerkbar. Der Durchschnittsverbrauch von 6,2 Litern bei einem Mix aus Stadt- und zügigen Überlandfahrten ist indessen vollkommen im Rahmen. Suzuki gibt den Normverbrauch mit fünf Litern an.

Keine Schwächen zeigt das Fahrwerk. Straff genug, um flott um die Ecken zu fahren, ausreichend komfortabel, um ebenso schlechte Passagen locker zu passieren. Der Allradantrieb des Ignis Allgrip verteilt bei Schlupf an der Vorderachse zudem Antriebskräfte über eine Visko-Kupplung blitzschnell an die Hinterachse. Das gibt im Alltag schon bei starkem Regen oder unbefestigtem Untergrund mehr Sicherheit. Wirklich geländegängig aber ist der „Mini-SUV“ deshalb noch nicht.

Unter den Vertretern dieser Zunft ist der Ignis mit einem Preis von 17.940 Euro nicht nur eine echte Alternative, sondern schon fast ein Schnäppchen, denn das Topmodell hat dafür so ziemlich alles an Bord hat, was das Leben angenehm macht. Klimaanlage, rundum elektrische Fensterheber, Tempomat oder Ablagen an der Rückseite des Beifahrersitzes gehören ebenso dazu wie eine Rückfahrkamera, LED-Tagfahrlicht, schlüsselloses Einsteigen und starten mit Starterknopf. In diesem Segment ebenfalls nicht selbstverständlich sind serienmäßig die Müdigkeitserkennung, ein Spurhaltewarnsystem und die Kamera gestützte Bremsunterstützung, die bei zu nahem Auffahren mit deutlichem Ton warnt. Schließlich wollen die Kinder mit ihrem Gepäck heil im Zeltlager ankommen. Sabine Neumann

(amv)
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