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München: Steinschlagschäden sollten prompt behoben werden

München : Steinschlagschäden sollten prompt behoben werden

Prallt bei hohem Tempo etwa ein Stein auf die Windschutzscheibe, entsteht oftmals ein kleines Loch, das sich zu einem Sprung ausweiten kann. „Oft zeigt sich ein Riss, der zunehmend größer wird und sich vielleicht sogar verästelt“, beschreibt Eberhard Lang von TÜV SÜD das Malheur. Für die Fahrzeuginsassen mag das eine beunruhigende, manchmal sogar unheimliche Situation sein.

Aber: „man muss keine Angst haben, dass daraufhin die gesamte Windschutzscheibe zerbricht und die Insassen von Scherben verletzt werden“, beruhigt der TÜV SÜD-Experte. Gleichwohl sollte man möglichst umgehend eine Werkstatt ansteuern. „Rund 30 Prozent der Schäden sind reparabel“, schildert Lang seine Erfahrungen. Dazu gibt es rechtlich Vorgaben. In bestimmten Fällen allerdings heißt es: Austausch.

Ob eine Frontscheibe repariert werden kann oder ersetzt werden muss, hängt von Faktoren wie zum Beispiel Art, Größe und Lage der Beschädigung ab. Es empfiehlt sich deshalb immer, einen Fachmann zur Begutachtung hinzuzuziehen.

Moderne Windschutzscheiben bestehen aus Verbundglas, einem Laminat mit mindestens zwei Glasscheiben, die durch eine Zwischenschicht aus Kunststoff verbunden sind. Bei beinahe allen Fahrzeugmodellen ist die Frontscheibe fest in ihrem Rahmen verklebt. „Sie gilt heute als tragendes Fahrzeugteil und sorgt bei einem Unfall auch für den Schutz der Insassen“, erläutert Lang.

Bei Beschädigungen sollte man die Windschutzscheibe daher unverzüglich reparieren oder auswechseln lassen, wie es auch die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) vorschreibt. „Im Mangelkatalog der Hauptuntersuchung stellt eine gesprungene Windschutzscheibe einen erheblichen Mangel dar“, erklärt der TÜV SÜD-Experte.

Grundsätzlich ist ein Austausch fällig, wenn der Steinschlag im so genannten Fernsichtfeld des Fahrers liegt oder mehr als fünf Millimeter misst. Risse dürfen nicht mehr als fünf Zentimeter lang sein und nicht im Randbereich der Scheibe liegen. Zudem darf weder die Innenscheibe noch die zwischen den beiden Schichten liegende Folie Beschädigungen aufweisen.

„Das Fernsichtfeld misst mittig über dem Lenkrad etwa 14,5 Zentimeter rechts und links und wird durch das Scheibenwischerfeld nach oben und unten begrenzt“, skizziert der TÜV SÜD-Fachmann die entscheidende Stelle. Ist der Schaden nur punktuell und liegt nicht im Sichtbereich, kann in vielen Fällen die Scheibe repariert werden.

Dazu greifen die Profis zu Kunstharz. „Nach der Reinigung und dem Entfernen von Luft mit einer Vakuumpumpe wird das Füllmaterial mittels Injektor in das Einschlagloch gepresst und unter UV-Licht ausgehärtet“, erläutert der TÜV SÜD-Fachmann die Instandsetzung. Das Finish setzen schließlich Glasreinigung und -politur. Eine Scheibenantenne oder Heizdrähte bleiben unangetastet. Sie sind tiefer in der Frontscheibe eingearbeitet. Zahlreiche Fachbetriebe bieten auch eine Reparatur vor Ort an.

„Für eine solche Reparatur werden ab etwa 100 Euro fällig“, schildert Lang seine Erfahrungen, „das auch nur, wenn keine oder eine Teilkaskoversicherung mit Selbstbeteiligung abgeschlossen wurde“. Ein Scheibentausch schlägt mit mindestens 500 Euro zu Buche.

(amv)