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Le Mans: Spritspartechnik hält in Rennwagen Einzug, Serienfahrzeuge profitieren

Le Mans : Spritspartechnik hält in Rennwagen Einzug, Serienfahrzeuge profitieren

Beim Motorsport geht es bislang vor allem um Geschwindigkeit. Der Kraftstoffverbrauch ist Nebensache. Doch das könnte sich bald ändern. „Müssen Rennwagen so viel verbrauchen?”, fragte der Marketing Manager von Nissan Europe, Darren Cox. Nein, müssen sie nicht, gibt er selbst die Antwort.

Denn auch Rennwagen könnten sparsam sein. Nach Ansicht des japanischen Automobilherstellers lassen sich Rennrunden mit deutlich weniger Kraftstoff drehen - sogar mit der Hälfte, um genau zu sein. Das sollte der Prototyp Delta Wing unter Beweis stellen, als er beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans an den Start ging - allerdings außer Konkurrenz, mit der Startnummer 0 und der legendären „Garage 56” für besonders innovative Konzepte als Box.

Um den Verbrauch eines Sportwagens zu halbieren, genügt es jedoch nicht, das Auto mit einem kleineren Motor auszustatten. Wenn man schnell sein wolle, müssten auch das Gewicht und die Aerodynamik-Werte halbiert werden, erklärte der verantwortliche Designer Ben Bowlby. Das Ergebnis: Der Delta Wing wiegt nur 550 Kilogramm, während die schnellsten Fahrzeuge in Le Mans 900 Kilogramm auf die Waage bringen.

Der Motor des schwarzen Batmobils ist ein 1,6-Liter-Vierzylinder, der in der Grundstruktur aus dem Kleinwagen Juke stammt. Nach Ansicht von Bowlby müsste der Motorsport generell mehr Technik von Straßenfahrzeugen übernehmen. Denn dort sind kleinere Motoren mit Turboaufladung schon an der Tagesordnung. Selbst einen Bentley Continental gibt es mittlerweile mit acht statt nur mit zwölf Zylindern.

Nichtsdestotrotz geht auch beim Delta Wing der Technologietransfer den gängigen Weg vom Motorsport auf die Straße. So könnte nach Ansicht von Nissans Technik-Vizepräsident Jerry Hardcastle beispielsweise die elektrische Wasserpumpe künftig in Serienfahrzeugen eingesetzt werden. Auch das kleine Plastikteil vor den Rädern des schwarzen Flitzers mit der schmalen Front sei „sehr interessant” für Serienautos, um auch deren Aerodynamik zu verbessern.

Der Delta Wing stach beim Rennen in Le Mans schon aufgrund seiner Karosserieform mit der schmalen vorderen Spur hervor. Viele hätten dem Konzeptfahrzeug mit dem kleinen Motor nicht einmal zugetraut, dass es um die nächste Kurve komme, sagt der Marketing-Vize von Nissan, Simon Sproule. Doch diese Skeptiker strafte der leichte Flitzer Lügen. Er hielt 1.005 Kilometer durch und schaffte dabei konkurrenzfähige Zeiten von rund 3.45 Minuten.

Nicht auf Downsizing, sondern auf elektrische Unterstützung des Verbrennungsmotors setzten die beiden Wettbewerber Audi und Toyota. Beide gingen mit Hybridmodellen beim 24-Stunden-Rennen an den Start. Doch die Konzepte der Hersteller sind sehr unterschiedlich. Der Toyota ging mit einer Kombination aus Benzin- und Elektromotor an den Start, während die Modelle von Audi ihre Kraft aus einem Mix aus Elektro und Diesel schöpfen.

Während bei den Modellen aus Japan nur die Hinterräder mit Kraft versorgt wurden, sprintete der Audi mit Allradantrieb um die Kurven. Aufgrund der Kraft der vier Räder durfte der Audi seine elektrische Energie allerdings nur bei Geschwindigkeiten über 120 km/h einsetzen. Der Toyota konnte dies bei jedem Tempo tun. So will es das Reglement.

Toyota gilt seit den 90er Jahren als Hybridpionier. Von dieser Erfahrung könne auch die Rennsport-Abteilung profitieren, sagt der Team-Präsident der Motorsport-Tochter, Yoshiaki Kinoshita. Doch der Doppelmotor aus dem Straßenfahrzeug kann nicht einfach in einen Sportwagen transferiert werden. Nach Aussage der Japaner habe der Antrieb des TS030 Hybrid kaum etwas mit dem System des Prius gemein.

Downsizing und Hybridtechnik haben sich also ihren Weg auf die Rennstrecke gebahnt. Autorennen mit reinen Elektroautos sehen die Hersteller jedoch kritisch. Nach Ansicht von Nissan-Marketing-Vize Sproule seien derartige Rennen „langweilig”. Es fehle an Sound und die Reichweite reiche nicht für längere Strecken. Er kann sich jedoch eine neue Form von Autorennen vorstellen, beispielsweise in der Innenstadt.