1. Leben
  2. Auto

Smartphone brisanter als Alkohol

Untersuchung : Smartphone brisanter als Alkohol

Ablenkung wird zu einem größeren Problem für die Verkehrssicherheit, warnen Fachleute der Sachverständigenorganisation Dekra in Stuttgart. Dies zeige eine Untersuchung aller tödlichen Unfälle des vergangenen Jahres 2017 durch das baden-württembergische Innenministerium.

Das Ergebnis: bei mehr als 17 Prozent der Unfälle war ein Beteiligter durch sein Mobiltelefon abgelenkt. Als Unfallursache spielt Ablenkung damit eine weit größere Rolle als beispielsweise Alkohol am Steuer.

Auch andere Zahlen belegen, dass viele Autofahrer leichtfertig mit dem Ablenkungsrisiko durch das Smartphone umgehen. Einer Forsa-Umfrage im Auftrag von Dekra zufolge nutzen 55 Prozent aller Autofahrer, die ein Handy besitzen, es zumindest hin wieder am Steuer.

Nach Ansicht der Stuttgarter Experten eine höchst riskante Leichtfertigkeit: Wer sich bei Tempo 50 am Steuer nur drei Sekunden von seinem Smartphone ablenken lässt, legt mehr als 40 Meter im Blindflug zurück.

„Niemand von uns würde beim Autofahren freiwillig für drei Sekunden die Augen schließen. Während der Fahrt aufs Smartphone zu schauen, ist dagegen für viele ganz normal. Dabei ist der Effekt letztlich derselbe: ich sehe nicht, was auf der Straße passiert und kann nicht reagieren“, warnt Jann Fehlauer, Geschäftsführer der Dekra Automobil.

Was bei Ablenkung am Steuer passieren kann, zeigten auch Tests der Unfallforscher von Dekra auf einem Verkehrsübungsplatz, bei denen Autofahrer mit 30 Kilometer pro Stunden (km/h) fuhren und gleichzeitig ihr Handy bedienten. Auf einen Ball, der plötzlich auf die Straße rollte, reagierten viele Testpersonen überhaupt nicht. Andere bemerkten außerdem ein rotes Ampelsignal nicht. Ein Problem, das übrigens nicht auf die jüngeren Autofahrer beschränkt ist. Schon mehr als die Hälfte der 45- bis 59-Jährigen (54 Prozent) nutzt das Handy beim Autofahren. Bei den Jüngeren sind es 85 Prozent.

(amv)