München: Skoda Octavia: Ein Langläufer mit Qualität

München: Skoda Octavia: Ein Langläufer mit Qualität

Wer immer noch über die Erfolgsgeschichte staunt, die Volkswagen in den vergangenen Jahren mit seiner tschechischen Tochter Skoda hingelegt hat, dem liefert der Skoda Octavia überzeugende Argumente: solide Verarbeitung, sicheres Fahrverhalten, gutes Platzangebot, hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis und dazu noch von technisch gehobener Qualität, wie dem Octavia im TÜV-Report 2011 bescheinigt wird.

Aus der Ecke des automobilen Geheimtipps ist der Skoda Octavia in seiner seit 1996 laufenden Bauzeit längst herausgefahren. Anfangs hatte die Marke aus Tschechien noch unter ihrem Ost-Image zu leiden - durchaus zum Vergnügen der Automobil-Kenner, die weniger aufs Image schauten, sondern mehr darauf, was hinter dem Logo steckte.

Beim Octavia war das jede Menge. Mittelklasse-Format zum Kompaktwagen-Preis lautete nur eines der Urteile. Durchaus zu Recht: Auf der Plattform des Golf IV produziert und auch in dessen Preisgefüge platziert, gab es ein eher beim Passat angesiedeltes Raumangebot.

Da auch Qualität und Technik stimmte und stimmt, sorgte der Erfolg des Octavia für Zwist in der Volkswagen-Familie. Alsbald galt die tschechische Golf-Interpretation doch vielen nicht nur als deutlich günstigere Variante zum VW Passat, sondern zudem noch als die technisch bessere. Diese Einschätzung wird beim Blick in die Mängelstatistik im TÜV Report nicht bestätigt, wo die Modelle ziemlich gleichauf im guten Mittelfeld rangieren. Ein statistischer Mittelwert, den TÜV-Süd-Autoexperte Philip Puls aus der Praxis bestätigen kann: „Der Skoda ist ein Langläufer mit Qualität. Sowohl der ab 1996 gebaute erste Octavia wie auch sein ab 2004 gebauter Nachfolger zeichnen sich durch gute Qualität aus. Und die Mängel, die wir verstärkt ausmachen - etwa beim Licht und der Auspuffanlage - sind relativ kostengünstig zu beheben.”

Es gibt allerdings auch Schwachpunkte, die der Octavia von seinem technischen Ahnen Golf IV geerbt hat. Zuvorderst zu nennen sind hier Defekte an Luftmassenmesser, Zahnriemen und - bei Diesel-Modellen - überdurchschnittliche Abnutzung der Kupplung. Erhöhten Verschleiß beobachten die TÜV-Süd-Experten bei Modellen mit mehr als sieben Jahren auch an den Bremsen. „Diese Schwachstellen sind aber leicht zu identifizieren. Insbesondere sollte man vor dem Kauf des Octavia darauf achten, dass die Wechselintervalle des Zahnriemens eingehalten wurden”, rät Puls den Kaufinteressenten.

Ist von der technischen Seite alles klar, kann man mit dem Octavia nicht viel falsch machen: Raumangebot, Verarbeitung und Fahrqualität passen. Vernünftig wie die ganze Fuhre ist auch die Motorisierung: Wenn man nicht gerade zum 200 PS starken RS greift, sind Dieselfahrer mit dem 1,9-Liter (105 PS) gut bedient, der beliebteste Benziner ist der 1,6-Liter-Motor mit 102 PS. Zwtl.: Kein billiges Angebot In Summe kommt so ein fast nicht zu schlagendes Preis-Leistungspaket heraus.

Weil sich das aber inzwischen bei der breiten Käuferschicht herumgesprochen hat, gehört der Octavia zu den gefragten Modellen am Gebrauchtwagenmarkt mit entsprechend hohen Preisen in Relation zu dem, was für Neuwagen aufgerufen wird. Ein Schmankerl haben die Tschechen hier aber noch parat: So wurde der ab 1996 gebaute erste Octavia (Typ 1U) ungeachtet seines Nachfolgers bis 2010 unverdrossen weiter gebaut und ist als Octavia Combi Tour immer noch unterwegs - als Schnäppchen vom Schnäppchen gewissermaßen.