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Weiterstadt: Seat Leon Cupra 280: Der Expressfrachter

Weiterstadt : Seat Leon Cupra 280: Der Expressfrachter

Kombis gelten vielfach als zweckmäßig-biedere Familienautos oder Zeichen eines erhöhten Platzbedarfs. Sportlichkeit wird ihnen gemeinhin weniger zugebilligt. Solcher Katalogisierung entzieht sich der Seat Leon Cupra 280.

Zu einen gab es schon unpraktischere Schönlinge; zum anderen geht der Leon bei Bedarf so herzhaft zur Sache, dass man die tägliche Tour zum Kinderhort am liebsten mit einem Umweg über die Nürburgring-Nordschleife garnieren möchte.

Die Zahlenkombination 280 am Heck ist als Leistungsangabe zu verstehen. Solange man das Gaspedal nur streichelt, brummelt der 2.0-Turbo-Motor lässig vor sich hin. Ab Halbgas zeigt der Kompaktkombi dann unter zunehmenden Ladedruck sein wahres Gesicht. Mit einem Sprintwert von 6,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 (Werksangaben) und einer Spitzengeschwindigkeit von 260 Kilometer pro Stunde (abgeregelt) sind Konkurrenten auf der Autobahn ziemlich selten, verblüffte Gesichter bei Fahrern vermeintlich stärkerer Autos hingegen häufig.

Jenseits von Schnellstraßen bietet der Leon ebenfalls reichlich Fahrspaß. Einzig beim Abbremsen aus hohem Tempo tändelt der Cupra mal mit dem Heck. Das i-Tüpfelchen setzt die Vorderachs-Differenzialsperre. Sie optimiert die Traktion und reduziert Untersteuer-Tendenzen wirksam. Die serienmäßige adaptive Fahrwerksregelung bietet drei Modi, von „Komfort“ über „Sport“ bis hin zu „Cupra“ für den ungezügelten Fahrspaß. Zudem können die diversen Parameter für Fahrwerk sowie der Gasannahme individuell justiert werden. Das ganze Paket ist höchst verführerisch, sollte aber trotz aller elektronischen Helfer insbesondere auf nassen Straßen mit Bedacht ausgekostet werden.

Dass sich der Top-Leon an jene wendet, die einen dynamischen Fahrstil pflegen, merkt man schon nach wenigen Metern. Die rückmeldungsstarke Progressivlenkung erledigt überaus präzise ihre Arbeit. Selbst in engeren Kurven muss selten umgegriffen werden. Die passende Fahrstufe des Sechsgang-Getriebes können auf kurzem Weg gewählt werden und leistungsgerecht verrichten die Bremsen ihr Werk.

Optisch hält sich der Cupra (Basispreis 34.250 Euro/Testwagenpreis 39.385 Euro) wohltuend zurück und tritt keinesfalls krawallig auf. Die 19-Zoll-Felgen, hintere Abrisskanten sowie LED-Scheinwerfer, viel mehr fällt auf Anhieb kaum ins Auge. Innen verraten diverse Steppnähte und Applikationen, Leder- sowie Alcantara-Optik schon eher, wessen Geistes Kind der Kompaktsportler ist. Der Fahrer findet einen funktional gestalteten Arbeitsplatz vor und wird bei der Bedienung vor keine Rätsel gestellt.

Den Frontinsassen kommt ein in dieser Fahrzeugklasse hervorragendes Platzangebot zu Gute. Die serienmäßigen Sportsitze dort überzeugen durch Halt ebenso wie durch Komfort. Fondpassagiere können ebenfalls nicht klagen. Lediglich zu dritt wird es klassenüblich etwas enger. Ablagen gibt es vorne wie hinten ausreichend und zweckgerecht. Als Frachtwagen offeriert der Leon 587 Liter laut Norm. Klappt man die Rücksitzlehnen um, stehen bis zur Fensterunterkante 1470 Liter zur Verfügung, allerdings mit leicht ansteigendem Boden. Kostet man nicht hemmungslos das Leistungspotenzial aus, zeigt der Bordcomputer den akzeptablen Durchschnittswert von 9,5 Liter je 100 Kilometer an (Normangabe: 6,7 Liter).

Seat versteht sich als die sportliche Tochter im VW-Verbund. Wie bislang kein anderer Typ wird der leistungsstarke Fronttriebler diesem Anspruch gerecht. Er ist ein rundum gelungener Kompaktsportler an, der nicht nur unglaublich Spaß macht, sondern auch im Alltag angenehm zurückhaltend auftritt.

(amv)