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München: Saisonstart für Oldtimer: Mit Umsicht und Pflege

München : Saisonstart für Oldtimer: Mit Umsicht und Pflege

Für die meisten Besitzer klassischer Autos beginnt nun wieder die Fahrsaison. Doch bevor das automobile Kulturgut mit H-Kennzeichen wieder auf die Straßen rollt, empfiehlt sich etwas Umsicht und Pflege.

„Ein Auto, das ein paar Monate abgestellt war, sollte nicht einfach mit einem Umdrehen des Zündschlüssels zur ersten Ausfahrt in Betrieb genommen werden“, legt Eberhard Lang von TÜV Süd Oldtimerbesitzern ans Herz.

Wenn die Batterie während der Wintereinlagerung an ein Dauer-Ladegerät angeschlossen war, ist das Abklemmen die einzige Arbeit. Ansonsten muss sie jetzt unbedingt geladen werden, selbst wenn das Auto eventuell noch mit der Restladung anspringen würde. „Während der Fahrt würde die Batterie sonst je nach Fahrtlänge nie ganz voll werden“, erklärt Eberhard Lang. Hat der Oldtimer-Besitzer das Öl vor dem Abstellen wechseln lassen, kann er es jetzt mit der Kontrolle bewenden lassen. Andernfalls ist frisches Öl fällig. Dabei gilt es, die für den betagten Motor richtige Sorte und Viskosität zu wählen. „Die überwiegend sehr dünnen, synthetischen Schmierstoffe moderner Motoren können für Oldtimer Gift sein“, warnt Lang. Ölhersteller bieten spezielle Produkte für klassische Fahrzeuge an, die entsprechend gekennzeichnet sind. Im Gegensatz zu aktuellen Autos wollen alte Schätzchen in bestimmten Intervallen zudem mit frischem Öl in Getriebe und Achsantrieb versorgt werden.

Die Sichtprüfung der Füllstände von Kühl- und Bremsflüssigkeit oder des Hydrauliköls der Servolenkung sollte keine Verluste ergeben. Das Scheibenwischwasser benötigt jetzt einen Zusatz gegen Insektenleichen. Grundsätzlich sollten darüber hinaus Beleuchtung Hupe, Gebläse und Scheibenwischer geprüft werden.

Langen Motorleerlauf vor der ersten Fahrt empfiehlt Lang nicht. Doch rät der Experte dazu, noch im Stand bei laufendem Triebwerk ein paar Mal fest auf die Bremse zu treten und die Lenkung zu bewegen. Auf den ersten Kilometern mit zurückhaltendem Tempo und im mittleren Drehzahlbereich immer wieder leicht bremsen. Das entfernt die unvermeidlichen leichten Rostansätze an Bremsscheiben und -trommeln. Ein dabei auftretendes leicht knirschendes Geräusch ist während dieser kurzen Zeit normal.

Das Verdeck eines Cabrios braucht vor der ersten Ausfahrt besonders viel Aufmerksamkeit. Ein paar Mal komplett öffnen und schließen. Dabei zeigt sich, ob alle Gelenke und Verschlüsse beweglich sind oder eventuell leicht geschmiert werden müssen. Das gleiche gilt für Türen und Hauben. Quietschende Scharniere künden von Verschleiß, der mit etwas Öl oder Fett zu verhindern ist. Welches Mittel wo angebracht ist, steht meist in der Betriebsanleitung.

Eine gründliche Wagenwäsche ist nicht nur aus optischen Gründen sinnvoll. Schließlich hinterlässt die Einlagerung zumeist eine dünne Staubschicht. „Gerade feiner Schmutz kann beispielsweise beim Auftragen von Pflegemitteln wie ein Schleifmittel wirken“, gibt der TÜV Süd-Fachmann zu bedenken. Der Innenraum von Saisonfahrzeugen soll gut durchlüftet sein. Das entfernt eventuell während der Winterpause eingedrungene Feuchtigkeit und die damit verbundenen muffigen Gerüche. Und dann brauchen die Reifen vielleicht noch Luft. „Sie haben auf jeden Fall ein paar Zehntel Bar verloren“, erklärt Lang. Wer vor dem Winter den Luftdruck erhöht hat, kann es mit einer Kontrolle oder eventuell sogar einem Absenken der Füllung bewenden lassen.

Besondere Pflege bedürfen Sitze und Cabrioverdecke. Der Witterungsschutz bleibt dicht und sein Material elastisch, wenn mit einem Pflegemittel zu Werke gegangen wird. Welches sich eignet, hängt vom Material des Verdecks ab. Lang rät von „Wundermitteln und Geheimtipps“ ab. Mit Produkten renommierter Firmen oder gar vom Hersteller des Autos selbst kann man wenig verkehrt machen. Die Lederpolsterung steckt ein paar Tropfen Regen besser weg, wenn sie im Frühjahr mit einer guten Pflegesubstanz davor geschützt worden ist. Besonderes Augenmerk empfiehlt der TÜV Süd-Spezialist, wenn das Auto mit Kunstlederbezügen ausgestattet ist. Auch hierfür gibt es spezielle Pflegemittel, die das Material elastisch halten und damit unschöne Risse zumindest mindern. „Kunststoffe aus den 1960er und 1970er Jahren sind noch nicht so gut gegen UV-Licht und Umwelteinflüsse geschützt“, sagt Lang. Moderne Chemie kann das in Grenzen ausgleichen.

(amv)